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28.07.2009

Enzkreis erwartet von OB Hager Kontakt "auf Augenhöhe"

PFORZHEIM/ENZKREIS. Pforzheims neuer Oberbürgermeister Gert Hager trägt nicht nur Verantwortung für die Zukunft der Stadt, sondern für die gesamte Region. Diese Erwartung machen zahlreiche Entscheidungsträger deutlich.

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„Ich hoffe, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen, die Region voranzubringen, fortgesetzt werden“, sagt zum Beispiel Landrat Karl Röckinger. Und schiebt gleich nach: „Und zwar auf Augenhöhe.“ Ein gutes Beispiel sei da die Zukunftsaufgabe der beruflichen Bildung. Aufbauend auf der Kooperation bei der Alfons-Kern-Schule in Pforzheim dürften „weitere Veränderungen nicht nur in Pforzheim sondern auch in der Region stattfinden.“ Röckinger spielt damit auf den Wunsch an, ein berufliches Gymnasium in Mühlacker einzurichten. Zum Schulterschluss mit dem Enzkreis fordert der Landrat den Oberbürgermeister auch in der Sozialpolitik auf. Stadt und Kreis säßen da in einem Boot, „und es wäre nicht gut, wenn da einer in Zukunft Sonderwege geht.“

Sorgen, das gibt Röckinger zu, bereite dem Landkreis der Ausblick auf die zukünftige finanzielle Handlungsfähigkeit der Stadt. Hager solle jetzt die Chance zu einem Kassensturz nutzen und einen Kurs der wirtschaftlichen Konsolidierung einschlagen; auch um den Preis von Einschnitten und Kürzungen. Auf wirtschaftliche Unterstützung aus dem Landkreis braucht der OB dabei allerdings nicht zu hoffen. Paradebeispiel für diesen Bereich ist etwa der Zuschuss des Landkreises von 40 000 Euro jährlich an das Pforzheimer Stadttheater, das auch von vielen Bürgern aus dem Enzkreis besucht wird. „Unter anderem für solche Einrichtungen erhält die Stadt ja auch höhere Zahlungen aus dem Finanzausgleich des Landes“, argumentiert Röckinger. Und ob die Stadt eines Tages im Landkreis aufgeht – „Das wäre insgesamt sicher vernünftig“ – sei Zukunftsmusik: „Dafür bräuchte es eine Entscheidung auf Landesebene und die hat Ministerpräsident Oettinger für die nächsten Jahre ausgeschlossen.“

Bedeutung sichtbar machen

„Ich hoffe auf ein gutes persönliches Verhältnis mit Gert Hager“, sagt Niefern-Öschelbronns Bürgermeister Jürgen Kurz, „und auf eine kollegiale Zusammenarbeit.“ Die Stadt Pforzheim und die Kirnbach-Gemeinde verbinde „eine gemeinsame regionale Politik“. „Wir müssen zusammen Vorschläge entwickeln, wie wir den Nahverkehr und unsere Schulpolitik miteinander verzahnen sowie gemeinsam für den geplanten sechsspurigen Ausbau der Autobahn im Enztal eintreten“, sagt Kurz. „Und es ist eine Blamage für Pforzheim, dass die Stadt ein desolates Straßennetz an den Grenzen zu uns als freundlich gestimmtem Nachbarn nicht verbessert hat.“ Pforzheim habe die Finanzmittel für den Ausbau der Straßen wieder aus dem Haushalt geworfen. Im Namen der Rathauschefs aus dem Enzkreis und dem Landkreis Calw hoffe er auf Begegnungen, in denen Hager den Kollegen „die Bedeutung des Oberzentrums Pforzheim sichtbar machen muss“, so Kurz, der beim baden-württembergischen Gemeindetag Vizepräsident ist und den Kreisverband der Kommunen leitet.

Für Heinz Hornberger, den Vorsitzenden des Regionalverbandes Nordschwarzwald, und seinen Verbandsdirektor Dirk Büscher ist Pforzheim das „Flaggschiff der Region. Wir hoffen, dass Herr Hager es trotz der derzeit schwierigen und finanziellen Lage zukunftsgerichtet steuern kann.“ Das Oberzentrum müsse Aushängeschild und Motor der Region bleiben. „Leuchtturmprojekte“ wie das Kreativzentrum oder die Landesgartenschau sollten deshalb gemeinsam mit den Gremien der Stadt durchgesetzt werden. Im Gegenzug steht der Regionalverband allerdings für einen Ausbau der regionalen Verzahnung, etwa bei der Standortsicherung im gewerblichen Bereich. Dabei ist man allerdings ganz offensichtlich schon auf einem guten Weg: „Die Region und die Stadt werden auch in Zukunft ein gutes Tandem bilden.“