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13.08.2009

Ermittlungen gehen auch nach Festnahme weiter

PFORZHEIM. Alles ruhig an der Feuerfront – die Brandserie in der Nordstadt und im Osten Eutingens scheint nach der Festnahme eines 49-Jährigen Birkenfelders aufgeklärt, zumindest was die Schuldfrage angeht.

Blättert man im Archiv und blickt ein wenig weiter nach Osten, wird klar, was bei der Brandstiftung hätte passieren können: 1995 wurde ein 25-jähriger Esslinger festgenommen, der in seiner Heimatstadt innerhalb von drei Jahren 17 Brände gelegt hatte.

Schrecklicher Höhepunkt war jedoch ein Brandanschlag vom 16. März 1994 in Stuttgart. Fünf Erwachsene und zwei Kinder verbrannten, 16 Personen wurden zum Teil schwer verletzt, als ein Feuer ein vorwiegend von Ausländern bewohntes Haus an der Geißstraße verwüstete. Der psychisch gestörte Mann, der die Tat gestand, dann aber widerrief, wurde zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Das haben die Ermittler natürlich im Hinterkopf, die sich mit der Brandserie in Pforzheim befassen. Auch wenn die Tat aufgeklärt scheint, bleibt die von Polizeichef Burkhard Metzger eingesetzte Ermittlungsgruppe „Brand“ bis auf Weiteres bestehen. Sechs erfahrene Kripo-Beamte unter Leitung von Kriminalhauptkommissar Egbert Watter werten weiter Spuren aus, gehen Zeugenaussagen nach – und warten gespannt, wann sie Post aus der Bad Cannstatter Taubenheimstraße bekommen. Das ist der Sitz des Landeskriminalamts, wo DNA-Spuren ausgewertet werden, die an den Brandherden gefunden wurden. Zeugen waren es auch, die die Kripo auf die Spur des Beschuldigten führten. Bereits in der Nacht auf Dienstag war er ins Visier der Kripo geraten – aber nicht nur er allein. Die Fäden liefen in mehrere Richtungen. Computer wurden gefüttert, Autokennzeichen überprüft, Nachbarn von Tatverdächtigen befragt. Wäre die Serie weitergegangen, hätte man wohl einen Spezialisten des Landeskriminalamts wegen der Erstellung eines Täterprofils einschalten müssen.

Der mutmaßliche Täter ist nach bisherigen Erkenntnissen mittellos – was nicht unerheblich ist bei der Gesamtschadenshöhe von rund 170 000 Euro. Wohl dem, der für sein Auto oder Motorrad eine Voll- oder zumindest Teilkaskoversicherung abgeschlossen hat. Bei Schäden am Haus zahlt die obligatorische Gebäudeversicherung. Die würde sich die ausbezahlte Summe beim Täter zurückholen – wenn er denn zahlen könnte.

Noch nicht zu Ende sind auch die nächtlichen Streifenfahrten der Polizei – aus Angst vor Nachahmungstätern. Begonnen hatten die Patrouillen bereits nach dem ersten Brand am Morgen des 5. August. Zunächst wurden nur Zivilfahrzeuge eingesetzt, in der Hoffnung, den Täter zu schnappen. Das Konzept wurde jedoch aufgegeben – man setzte auf sichtbare Präsenz aus Gründen der Abschreckung.

Als der Tatverdächtige am Dienstag dieser Woche in einer Nordstadt-Kneipe verhaftet wurde, atmeten die Beamten auf – bis aus Eutingen eine Alarmmeldung kam: Brandgeruch an der Enzstraße. Hatte man den Falschen festgenommen? „Uns ist der Schreck durch alle Glieder gefahren“, bekennt Polizeichef Metzger. Ein halbes Dutzend Streifenwagen rasten nach Eutingen. Tatsächlich – es roch nach Feuer.
Doch es war nur ein Holzscheit in einem Feuerkorb. Den hatte ein Anwohner am Abend zuvor vermeintlich gelöscht – doch dann hatte sich der Prügel wieder entzündet. Blinder Alarm. Aufatmen überall.