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06.08.2009

Erneut Brandstiftung am Oberen Wingertweg

PFORZHEIM. Zwei Brände innerhalb von 20 Stunden in einer Straße – das ist kein Zufall. Sondern Brandstiftung. In der Pforzheimer Nordstadt geht die Angst um. Die Menschen fragen sich: Wen könnte es als Nächstes treffen?

„Das war mal ’ne ruhige Wohngegend hier, man konnte die Türen auflassen – da ist nix passiert.“ Anita K. (Name geändert), Rentnerin, ist fassungslos. Denn passiert ist gleich zweimal etwas – Brandstiftung am Oberen Wingertweg. Ausgebrannte Garagen, verkohlte Autowracks, verstörte Nachbarn, wie durch ein Wunder keine Verletzten, Schock und Angst überall. „Das kriegt man nicht so leicht aus den Knochen“, sagt Anita K., „sind wir heute Nacht die Nächsten?“

„Der halbe Wartberg war hier.“ Gernot S. muss es immer wieder erzählen. Er steht vor seinem Haus, daneben die Garage, rußgeschwärzt, das Skelett eines Fahrrads ist erkennbar, die Fetzen eines Reifens, nicht mehr zu erkennen, ob er zum kleinen Ford Ka oder dem Hyundai Santa Fe gehörte. Beide Autos standen in der Garage, als es passierte. „Es war so ziemlich genau Mitternacht“, sagt S., „da war so ein Geräusch. Wir dachten erst, unser Sohn wäre nochmal in die Küche gegangen.“ S. ruft einmal, zweimal, dreimal. Niemand antwortet. Ein peitschender Knall, in Sekundenbruchteilen wird es zappenduster. Die Hauptsicherung ist rausgeflogen. S. schaut aus dem Fenster. Er sieht Flammen aus der Garage schlagen – „und dann ging alles so schnell“.

Im Sekundentakt gehen bei der Feuerwehr Notrufe ein, 17 sind es insgesamt. Elf Fahrzeuge rücken aus mit insgesamt 38 Mann. S. springt ins hintere Auto, will es zurückfahren, retten, was zu retten ist. „Und dann kommt diese Feuerwalze von vorn und schlägt übers Auto“, sagt Margot, seine Frau, „Du hättest verbrennen können.“ S. rettet sich aus der hinteren Tür. Nicht auszudenken, wenn sie verzogen gewesen wäre und geklemmt hätte. Bis die Feuerwehr eintrifft, spritzen die Eheleute verzweifelt die Vorderfront ihres Hauses mit einem Gartenschlauch ab, die Flammen sollen nicht überspringen.

Am Morgen danach macht sich Empörung breit. „Wer macht so was?“, entrüstet sich eine der Nachbarinnen. Immer wieder kommen Menschen zusammen. Man kennt sich, Autos fahren vorbei, Fahrer schauen durchs geöffnete Fenster, können nicht glauben, was sie sehen, ein aufmunterndes Nicken, irgendwann erscheint die Kripo. Spurensicherung. „Nichts anfassen, auch das Gartentörchen nicht“, haben die Polizisten schon in der Nacht zuvor den Anwohnern eingeschärft. Denn da brannte es ein erstes Mal, und nur in Verbindung mit dem, was keine 24 Stunden später passierte, verdichtet sich der Verdacht zur Gewissheit: Es war Brandstiftung. „Wir schließen nicht aus, dass es sich um den- oder dieselben Täter handelt“, sagt Polizeisprecher Michael Sengle.

200 Meter und 20 Hausnummern weiter. Hier wohnt Gerlinde J. mit ihren zwei Jungs. „Es hat sich angehört wie ein Knallkörper“, sagt sie. Sie weckt ihre Söhne, alle verlassen das Haus, die Vermieter sind im Urlaub. Unmittelbar neben dem Haus, auf der anderen Seite des Gartens, steht die rückwärts von der Straße versetzte Garage. Sie brennt lichterloh. Es ist 3.45 Uhr. Sieben Minuten später trifft die Feuerwehr ein. 33 Notrufe hat man in der Leitstelle registriert. Um kurz nach 4 Uhr haben die 19 Feuerwehrmänner den Brand unter Kontrolle. Der 190er-Mercedes ist nur noch ein Stahlgerippe.

Auch vom Garagentor von Familie S. ist nur noch ein verformter Klumpen Metall übrig geblieben Ein Statiker war da. Die Feuerwehr hat noch in der Nacht Behelfsstützen in den Rahmen eingepasst. S. wird die Versicherung verständigen. Wie hoch der Schaden ist? „Ich kann es nicht abschätzen“, sagt er. Die Polizei hat es überschlagen: rund 30 000 Euro Totalschaden der Autos, 20 000 am Gebäude, insbesondere an Garage und dem Fenster nebendran.

Die Polizei leitet umgehend eine Ringfahndung ein. Eine Nachbarin will zwei oder drei Jugendliche gesehen haben, die weggelaufen seien. An die Kripo und das Revier Nord ergeht die Aufforderung, sowohl offen als auch verdeckt verstärkt Streife zu fahren. Man weiß um die Befindlichkeit der Menschen. Sie schlafen sehr schlecht seit gestern.
„Was ist das für ein krankes Hirn, das so was macht?“, sagt Margot S.