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Die Feuerwehr Pforzheim musste sechs Tage nach dem großen Ammoniak-Unfall in der St.-Maur-Halle wieder zum Eislaufzentrum ausrücken. Erneut war das giftige Gas ausgetreten, dieses Mal allerdings in geringerer Konzentration. © Tilo Keller
28.11.2012

Erneuter Ammoniak-Unfall in Pforzheimer St.-Maur-Halle

Schon wieder ein Gasalarm in der St.-Maur-Halle, schon wieder ein Großeinsatz der Pforzheimer Feuerwehr: Nur sechs Tage nach dem stundenlangen Ammoniak-Austritt aus der Kühlanlage des Eislaufzentrums wurde die Feuerwehr am Mittwoch um 0.10 Uhr erneut wegen einer hohen Gaskonzentration alarmiert. Mit 17 Fahrzeugen und 49 Mann rückte die Pforzheimer Feuerwehr an, die von den Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr Illingen mit einem Messwagen unterstützt werden musste.

Bildergalerie: Erneuter Ammoniak-Austritt in Pforzheimer Eislaufhalle

Bildergalerie: Feuerwehr muss Ammoniak stundenlang mit Wasser binden

Die Feuerwehrmänner konnten beim Eintreffen bereits den typischen Ammoniak-Geruch feststellen. Gleich wurde alles aufgebaut, was für einen Unfall mit dem giftigen Gas nötig ist, zum Beispiel ein Dekontaminationsplatz, auf dem die Chemieschutzanzüge der Feuerwehrleute nach dem Einsatz gereinigt werden. Genaue Messungen der Ammoniakkonzentration in der Luft konnten aber erst die Illinger Feuerwehrmänner vornehmen, da nach Messeinrichtungen der Pforzheimer Kollegen nach dem letzten großen Ammoniakeinsatz nicht mehr funktionstüchtig waren.

Doch zügig konnte Entwarnung gegeben werden: Es war nur eine geringe Menge Ammoniak ausgetreten. Nach einer Einschätzung eines Anlagentechnikers ist es vermutlich durch Temperaturänderungen zu einer kurzfristigen Druckerhöhung im Ammoniaktank gekommen, der über ein Überdruckventil abgebaut wurde. Dabei ist ausreichend Ammoniak abgeströmt, um die Warnschwelle des Gasalarms auszulösen. Eine Leckage oder ein unverschlossenes Ventil konnte nicht festgestellt werden, so dass sich die Anlage in einem sicheren Zustand befand.

So blieb es beim Absaugen der mit Ammoniak angereicherten Luft und beim Belüften der betroffenen Betriebsräume. Eine Gefahr für Menschen in der Umgebung der St.-Maur-Halle hat wohl nicht bestanden. Gegen 3.30 Uhr kehrte das letzte Einsatzfahrzeug der Feuerwehr in die Hauptfeuerwache am Messplatz zurück.

Eingesetzt waren die Berufsfeuerwehr und die Abteilungen Eutingen, Haidach und Brötzingen-Weststadt der Freiwilligen Feuerwehr Pforzheim sowie eine Messeinheit der Freiwilligen Feuerwehr Illingen. Während des Einsatzes wurde die Feuerwehrleitstelle verstärkt und der Grundschutz im Stadtgebiet von dienstfreien Beamten der Berufsfeuerwehr und der Abteilung Brötzingen-Weststadt sichergestellt.

Wie sehr der erneute Ammoniak-Austritt den langsam wieder anlaufenden Betrieb in der St.-Maur-Halle nach den Reparaturen und Aufräumarbeiten behindert, ist noch nicht bekannt. Die PKM Pforzheim Kongress- und Marketing GmbH hatte schon nach dem ersten Ammoniak-Unfall am vergangenen Donnerstagalle Termine für die drei nächsten Wochen in der 1800 Quadratmeter großen St.-Maur-Halle abgesagt. Eislaufen, Eisdisco, Eishockey oder die jeden Donnerstag stattfindende Eissport-Schüler-AG der Nordstadtschule – nichts geht mehr bis Mitte Dezember.

Die automatische Brandmeldeanlage der St.-Maur-Halle hatte am vergangenen Donnerstag um 22:16 Uhr schon einmal die Feuerwehr Pforzheim alarmiert. Vor Ort stellten die Einsatzkräfte fest, dass in einem Technikraum im Untergeschoss der Halle eine Leitung der Kühlanlage defekt war und Ammoniak ausströmte. Die mit Chemikalienschutzanzügen vorgehenden Trupps der Feuerwehr konnten in den Betriebsräumen das Leck zwar finden, aber wegen der Vereisung nicht abdichten. Die Freisetzung des Ammoniaks erst gegen 4:30 Uhr von der Feuerwehr gestoppt werden. Der gesamte Einsatz war aber erst weit nach 13 Uhr beendet.

Die zum Niederschlagen der Dämpfe verwendeten mehrere Tausend Liter Wasser wurden vollständig aufgefangen und vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung Pforzheim (ESP) entsorgt. Ein Wassernetz mit Sprühnebel rund um das Gebäude ließ alle Messwerte im Freien unterhalb des Arbeitsplatzgrenzwertes sinken.

Bildergalerie: Ammoniakunfall in St.-Maur-Halle: Großeinsatz der Feuerwehr

Im Untergeschoss der Eissporthalle mussten alle Einsatzkräfte mit gasdichten Chemikalienschutzanzügen ausgerüstet werden. Als sich abzeichnete, dass der Einsatz bis zum nächsten Morgen dauern würde, wurden von den Feuerwehren Birkenfeld und Keltern weitere Schutzanzüge angefordert. Außerdem unterstützten die Feuerwehren Illingen und Mühlacker die Einsatzmaßnahmen mit einem zweiten Gerätewagen Messtechnik und einem besonders leistungsfähigen Großlüfter.

Mit dem Kühlmittel Ammoniak gibt es immer wieder Unfälle. Erst Ende September war die Stuttgarter Eishalle deshalb kurz geschlossen worden. Das stechend riechende Gas kann Atemwege reizen und in höheren Konzentrationen zu Erstickung, Verätzung und Lungenödemen führen.