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Zwei junge Frauen sind vor Gericht zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.
Zwei junge Frauen sind vor Gericht zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. © Symbolbild: dpa
07.02.2013

Erpressung und Körperverletzung: Zwei junge Frauen verurteilt

Pforzheim. Die beiden 20 und 21 Jahre jungen Frauen aus Pforzheim waren betrunken in jener Nacht im März 2011 als sie gegen 23 Uhr auf dem Hauptbahnhof einen Gleichaltrigen um sein Handy, seinen Geldbeutel und eine Flasche Kaffeelikör bringen wollten. Nur den Likör erbeutete Claudia P. (Name geändert) am Ende.

Dem jungen Mann kam sein Kumpel zu Hilfe und für den ging das ungemütlich aus. Grün und blau im Gesicht sei er gewesen, betonte er im Zeugenstand. Das lag an einem Fußtritt von Silke Z., den sie ihm verpasst hatte, nachdem er von einem Bekannten des rabiaten Damenduos zu Boden gebracht und im Schwitzkasten gehalten wurde.

Wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung mussten sich die jungen Damen nun vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Des weiteren wegen Betruges, weil sie – ohne Geld zu haben – sich von einem Taxi aus Ersingen nach Pforzheim chauffieren ließen. Claudia P. wurde zudem mit drei Gramm Amphetamin erwischt.

Obgleich schon in den frühen Zwanzigern wirkten die beiden Angeklagten eher wie Teenager – phasenweise wie Kinder. Beide Angeklagten stammen aus desolaten Familienverhältnissen und dürften keine allzu glückliche Kindheit verbracht haben. Die jüngere der beiden, Silke Z. hat darüber hinaus bereits acht Vorstrafen „gesammelt“, wenn auch keine der einschlägigen Art. Was die beiden jungen Frauen eint ist, dass sie in ihrem bisherigen Leben noch keinen Fuß auf den Boden bekommen haben. Gelangweilt und orientierungslos scheinen sie – zumindest damals – ihre Zeit verbracht zu haben. Dabei hat Claudia P. bereits ein Kind, das aber beim Vater lebt und zu dem sie kaum noch Kontakt hat.

Die Erinnerungen der Zeugen seien bruchstückhaft gewesen, betonte Staatsanwältin Melanie Wetzel in ihrem Plädoyer. „Wer, wann, was an diesem Abend gemacht hat, ist schwierig zu rekonstruieren“, sagte sie. Den Vorwurf der räuberischen Erpressung gegen Silke Z. ließ sie fallen. Für Claudia P. forderte sie deshalb und wegen Körperverletzung eine Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten, ein Jahr und drei Monate wegen gefährlicher Körperverletzung und Betrugs für Silke Z. Deren Anwälte Erich Lulei und Florian Bähr forderten für ihre Mandantinnen jeweils ein Jahr.

Am Ende wurden beide Frauen zu einem Jahr und 3 Monaten verurteilt. Die Aussetzung der Strafe zur Bewährung sei nicht selbstverständlich gewesen, betonte der Vorsitzende Richter Andreas Witulski in seiner Urteilsbegründung. Rainer Würth

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