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Hat im Wahlkampf zwei Vollzeitjobs: Andreas Kubisch (rechts) hat keinen Urlaub angespart. Morgens arbeitet er als Mechatroniker, nachmittags trifft er sich mit Bürgern – oder wie hier mit PZ-Redakteur Stefan Dworschak auf einen Kaffee.
Hat im Wahlkampf zwei Vollzeitjobs: Andreas Kubisch (rechts) hat keinen Urlaub angespart. Morgens arbeitet er als Mechatroniker, nachmittags trifft er sich mit Bürgern – oder wie hier mit PZ-Redakteur Stefan Dworschak auf einen Kaffee.
26.04.2017

Erst die Arbeit, dann das Werben: OB-Kandidat Kubisch setzt auf Bürgernähe

Schwarz, mit viel Zucker – „sonst bekommt man zum Teil nur ein Päckchen“, sagt Andreas Kubisch lächelnd, als er im „Rialto“ in der Blumenstraße seinen Kaffee bestellt.

Derartige Geschmacksfragen stellen sich für den Mitbegründer der Liste Eltern, der sich um das Amt des Oberbürgermeisters bewirbt, dieser Tage eher selten. „Wahlkampf ist natürlich stressig“, sagt er ruhig. „Aber auch sehr interessant.“ So habe er sich das vorgestellt. Kraft koste ohnehin alles, was man tut. Und im Grunde gebe es im Leben nur zwei Möglichkeiten: „Entweder man packt selbst an, oder man lässt sich anpacken.“

Zu dem, was der 56-Jährige tut, gehört derzeit nicht nur das Werben um Stimmen, sondern auch noch seine aktuelle Arbeitsstelle. Nein, er habe keinen Urlaub aufgespart, sagt Kubisch. Zwischen 6 und 15 Uhr verdient er sein Geld als angestellter Mechatroniker, danach folgen Veranstaltungen wie die Kandidatenvorstellungen oder Gespräche mit Bürgern. Am Sonntag habe er frei – zumindest einen halben Tag. Auch Gespräche zu reflektieren, brauche seine Zeit.

Den direkten Kontakt spricht der Familienvater immer wieder an, berichtet von den zahlreichen Eindrücken und Informationen, die er dadurch erhält. Kubisch geht offen damit um, dass er eben nicht aus der Verwaltung kommt, nicht über alle formalen Kenntnisse und kommunalen Daten verfügt, sondern ständig dazulernt. Was nicht bedeutet, dass er sein Licht unter den Scheffel stellen würde. „Ich organisiere alles selbst.“ Wenn man 23 Jahre lang selbstständig gewesen sei, „dann hat man Zeitmanagement gelernt“, sagt der gelernte Kfz-Mechaniker, der in Leitungsfunktionen angestellt war, als Berater im Bereich Finanzdienstleistung sowie als Gewerbemakler gearbeitet hat – und daneben noch ehrenamtlich tätig war und ist.

„Die Gerüchteküche brodelt“

Und seine Chancen? Schwer zu sagen, der Wahlkampf sei spannend. „Ein Trend ist so richtig nicht abzusehen. Die Gerüchteküche brodelt in alle Richtungen. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, gehen von einer Stichwahl aus“ – auch wenn nicht klar sei, zwischen wem. Was, wenn es nicht klappt? „Einen Plan B gibt es immer“, sagt er. Er habe einen sehr guten Job, und auch die Liste Eltern gelte es weiter auszubauen, so der Vorsitzende, der betont: „Ich bewerbe mich nicht wegen irgendwelcher Karrieregedanken, sondern um Probleme anzugehen.“

Auf die stößt er nicht zuletzt in den Gesprächen. Er erlebe die Menschen als sehr anspruchsvoll. Da werde konkret nachgefragt, weitab von gängigen Stammtischklischees. Ja, er habe ein positives Menschenbild, überhaupt eine positive Lebenseinstellung. „Ruhig, gleichmäßig tief atmen“, sagt er und lacht kurz. „Ich glaube, das hängt damit zusammen, wie man aufwächst.“ Er beschreibt ein lebensbejahendes, weltoffenes Elternhaus im thüringischen Meiningen sowie wertvolle Impulse seiner Mutter über den Sinn des Lebens. „Große Frauen brauchen nicht unbedingt einen großen Namen.“

Dass er sich heute rund 300 Autobahnkilometer von seinem Geburtsort um die Rathausspitze bewirbt, hat sich ergeben. Eigentlich habe er nicht bleiben wollen, hatte er schon bei der Kandidatenvorstellung erklärt – bei der er noch in der ihm eigenen trockenen Art berichtete, wie er nach seiner Pleite „mit 20 Mark in der Tasche“ nach Pforzheim gekommen sei. Für Menschen wie Kubisch scheint das Wort Lebenskünstler erfunden worden zu sein. Dennoch ist es ihm hörbar wichtig, dass er ins nächste Kapitel mit Unterstützung seiner Familie geht – seiner Frau, die anfangs noch abgeraten habe, sowie seiner Töchter. „So wie ich es erlebe, sind sie stolz auf ihren Papa.“

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