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23.07.2015

Erste Plädoyers in Betrugsprozess gegen drei Beteiligte einer Call-Center-Bande in der Türkei

Pforzheim. Geschockt waren die drei angeklagten Frauen und deren Angehörige nach dem Plädoyer von Staatsanwalt Klaus Stohrer im Fall um den professionell aufgezogenen Betrug mehrerer Senioren im Raum Pforzheim, der von einem Call-Center in der Türkei angeleiert worden war. Für die 26-jährige Gaby S. forderte er eine Gesamtfreiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten wegen täterschaftlichen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs in elf vollendeten und einem versuchten Fall. Für die 20-jährige Selma und deren 19-jährige Freundin Samira, die beide noch unter das Jugendstrafrecht fallen und die als Abholerinnen der Beute fungiert hatten, forderte er zwei Jahre und neun Monate beziehungsweise zwei Jahre und sechs Monate Freiheitsstrafe.

Alle drei waren geständig gewesen. Dennoch seien diese Taten in einer erschreckenden Weise perfide, weil alte Menschen um ihr erspartes Geld und Schmuck betrogen worden seien und dabei auch deren Existenzgefährdung in Kauf genommen worden sei. Gaby S. habe dabei einen Gesamtschaden von mehr als 170.000 Euro verursacht und am Versuch, weitere 23.000 Euro zu erbeuten, mitgewirkt. Dabei seien erheblichste kriminelle Energie und Skrupellosigkeit entfaltet worden. Eine echte Aussicht auf Wiedergutmachung gebe es bei den in Pforzheim verhandelten Fällen nicht. Es sei zudem ein wichtiges Signal, dass mit aller Härte des Gesetzes gegen gefasste Mitglieder solcher Call-Center-Banden vorgegangen werde.

Der Verteidiger von Gaby S., Rechtsanwalt Wolfgang Reichert, sah ein präventives Einwirken nicht als gerechtfertigt. Seine Mandantin habe weder mit der Organisation noch mit der Logistik der Straftaten etwas zu tun gehabt. Die Tatsache, dass nun Kriminalbeamte aus der gesamten Republik bei ihr Schlange stünden zeige zudem, in welch hohem Maße sie zur Aufklärung dieser Fälle beitrage. Er forderte eine bewährungsfähige Strafe von nicht mehr als zwei Jahren.

Ähnlich argumentierte auch der Verteidiger von Selma, Markus Bessler. Seine Mandantin habe sich über einen Zeitraum von nicht einmal drei Wochen an den Taten beteiligt, habe aber stets nur auf Anweisung gehandelt und schließlich selbst die Reißleine gezogen. Er forderte eine Jugendstrafe im bewährungsfähigen Bereich. Das Plädoyer des dritten Verteidigers folgt am vierten August um 15 Uhr. ila