nach oben
09.11.2008

Erster "Flashmob" in Pforzheim: eingefroren im Shoppingzentrum

Woran erkennt man eine Großstadt? Zum Beispiel daran, dass sie über 100.000 Einwohner hat. Das ist hierzulande die Norm. Ein Großstadt-Gefühl stellt sich freilich dadurch noch lange nicht ein. Das bekommt man unter anderem erst dann, wenn man einmal einem „Flashmob“ in der Stadt begegnet ist. Und was ist das nun schon wieder? Eine mit viel Spaß verbundene Aktion im öffentlichen Raum, die anzeigt, dass man in einer Großstadt lebt. Seit Samstag gehört Pforzheim zu diesem Kreis der Städte mit Großstadt-Gefühl.

Während die meisten Passanten wohl durch die City flanieren, um das freie Wochenende fürs Shopping zu nutzen, zieht es rund 80 junge Menschen nur zu einem Zweck vom Waisenhausplatz in die „Schlössle-Galerie“: Sie wollen Spaß haben. Drei Minuten lang. Ganz exakt von 15.00 bis 15.03 Uhr. Und gleich danach wird sich die Gruppe verteilen und bald darauf ganz auflösen. „Flashmob“ nennt man solch eine Aktion. Da verabreden sich Menschen übers Internet zu einer genau festgelegten, genau terminierten und lokalisierten Aktion, die zeitlich begrenzt ist, Verwirrung, Überraschung, Staunen beim zufällig vorbei kommenden Publikum erzeugen soll.

Am Samstag waren es rund 80 vorwiegend Studenten und Schüler, die sich von 14 Uhr an auf dem Waisenhausplatz getroffen haben. Was anfangs so ein bisschen nach ungenehmigter und auch etwas unentschlossener Demonstration aussieht, entpuppt sich bald als ganz entspannter Haufen junger Menschen, die sich auf ein Ereignis freuen, das die meisten bislang von Videos auf „YouTube“ kennen. Einige der geduldig auf dem Waisenhausplatz Wartenden kennen sich persönlich, die meisten jedoch wissen von den anderen nur, dass sie Mitglieder einer etwa 800 Personen zählenden Gruppe im Online-Freundeskreis „StudiVZ“ sind, die sich für das Thema „Flashmob“ interesiert.

Die zentrale Figur ist Saban Selmanovski aus Pforzheim. Der junge Mann greift zum Megafon, nennt Ort und Zeit der Aktion und erklärt, um welche Art des „Flashmobs“ es sich handelt. „Freeze“ ist angesagt. Das Einfrieren von Bewegungen. Punkt 15 Uhr soll jeder „Flashmob“-Teilnehmer in seiner Bewegung innehalten, steif werden. Drei Minuten Stillstand, totale Bewegungslosigkeit. Danach heißt es weiterlaufen und den Raum verlassen.

14.59 Uhr in der Pforzheimer „Schlössle-Galerie“: Im Erdgeschoss herrscht dichtes Gedränge. 15.00 Uhr: Die Kunden flanieren weiter durch das Einkaufszentrum. Doch hin und wieder muss sich der Passantenstrom nun um ein Hindernis teilen. Mitten im Gang stehen Menschen plötzlich still, eingefroren in sinnlos anmutenden Bewegungen und Handlungen. Um sie herum verändern sich plötzlich das Verhalten und die Bewegungen der Kauflustigen.

Die verdrehen die Köpfe, verharren kurz, um sich die Sache näher anzuschauen, fragen den Partner um Rat. Die einen wundern sich, schütteln irritiert den Kopf, viele aber fangen an zu schmunzeln, freuen sich über die Abwechslung vom Shopping-Alltag. Kinder mischen sich unter die bewegungslosen Gruppen und wedeln mit den Händen vor den Gesichtern der Eingefrorenen.

So etwas hat es hier noch nicht gegeben. Egal was es ist, aber es ist neu und anders. Drei Minuten nur dauert der erste „Flashmob“ in Pforzheim. Und in drei Minuten ist die Goldstadt zur Großstadt geworden.