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Humorvolle Texte zu bekannten Melodien haben die Sängerinnen von „Weibrations“ aus Karlsruhe im Gepäck.  Roller
Humorvolle Texte zu bekannten Melodien haben die Sängerinnen von „Weibrations“ aus Karlsruhe im Gepäck. Roller
22.05.2016

Erstes „City under the rainbow“-Festival in Pforzheim

„Nazis müssen draußen bleiben“, steht auf einem Schild am Eingang des Kupferdächles. Drinnen hängen Regenbogenfahnen. Getrunken wird neben Bier und Cola vor allem Sekt in sämtlichen Variationen, auf dem Grill brutzeln Bratwürste. An den Tischen führen Männer und Frauen angeregte Gespräche, während auf der Bühne eine Gruppe nach der anderen ihren Auftritt absolviert.

So geht es zu bei der Premiere des Festivals „City under the rainbow“, das die Mitglieder der Pforzheimer Aids-Hilfe in ehrenamtlicher Arbeit auf die Beine stellten. Die Organisatoren wollen damit Vorurteile gegenüber Homosexuellen abbauen und ein Zeichen gegen Diskriminierung setzen. Ein Christopher Street Day sei es zwar nicht ganz geworden, sagt die Vorsitzende der Aids-Hilfe, Renate Thon, etwas enttäuscht, „aber ein Anfang ist gemacht“.

Sie freut sich über die mitwirkenden Gruppen, von denen viele auf einen Teil ihrer Gage verzichten, und bedankt sich bei den Sponsoren, nennt aber bewusst keine Namen. Mit Ausnahme des Autohauses Gerstel wollen alle anonym bleiben. Das habe aber nichts damit zu tun, dass sie nicht mit der Veranstaltung in Verbindung gebracht werden wollen.

Es sei schwer gewesen, überhaupt ausreichend Sponsoren zu finden, berichtet Claudia Jancura, die das Festival mit Grit Butz organisiert hat. „Viele Firmen haben abgesagt, manche sogar nicht mal eine Antwort geschickt.“ Mit Ausnahme von Dekanin Christiane Quincke wollte auch von den Kirchen keiner kommen. Was die Toleranz und die Angebote für Homosexuelle angeht, sei in Pforzheim in den vergangenen Jahren zwar einiges passiert, sagt Jancura, sieht aber im Vergleich zu anderen Großstädten noch deutlich Luft nach oben. Das Festival richtet sich deshalb bewusst nicht nur an Homosexuelle, sondern will alle ansprechen. „Nur so kann man Berührungsängste abbauen“, so Jancura. Die Organisatorin hofft, dass man die Veranstaltung in Zukunft fest etablieren kann.

Im Clubraum geben sich derweil Künstler die Klinke in die Hand. Als erste rocken Jonas Gerlich, Lars Quincke, Pascal Harter, Simon Krust und Joanna Braun-Laventzaki alias „Funktastic“ die Bühne. Dann treiben die „Schorle Sisters“ die Zuschauer mit einer Travestieshow an den Rand des Wahnsinns. Mit viel Humor führt Luis Vicario durch das Programm, gibt Stimmungslieder und Klassiker zum Besten. Dieses gestalteten auch der Chor „Weibrations“, die „Schrillmänner“ mit ihren ausgeflippten Kostümen, Fanny und Marco von „Chapeau Claque“ und DJ Stahlwerk mit.