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Das Bündnis für Familie Pforzheim fordert vom Gemeinderat ein schlüssiges Konzept: Tanja Modrow, Angela Cabras, Franz Herkens und Margarete Schaefer (von links) diskutieren mit Bündnis-Koordinatorin Carola Pigisch (Mitte), wie die Stadt den Ausbau der Kita-Plätze und den durch die beschlossenen Kürzungen drohenden Fachkräftemangel vereinbaren will.

Erzieherinnen-Mangel macht große Sorgen

Pforzheim. Das Bündnis für Familie befürchtet aufgrund des Sparpakets der Stadt einen zunehmenden Fachkräftemangel in den Kindertagesstätten. Ihrer Ansicht nach wird die Erzieherinnen-Ausbildung durch die Einschnitte unattraktiver und die Betreuungsqualität schlechter. Dabei wird beim Ausbau der Kitas zusätzliches Personal gebraucht.

Schon jetzt zwingen unerwartete Krankheitsfälle oder Schwangerschaften manche Einrichtung zum Notfall-Plan. Und schon jetzt spüren die Kindertagsstätten den drastischen Erziehermangel, der mit dem Ausbau der Betreuung von Kleinkindern einherging. Aus diesem Grund fragen sich viele, woher die 200 zusätzlichen Erzieherinnen denn kommen sollen, wenn die Stadt bis 2020 weitere 1100 Kita-Plätze schaffen will.

„Selbst wenn man alles so belassen hätte wie bisher, hätte es nicht gereicht“, sagt Tanja Modrow. Daher kann die Geschäftsführerin der evangelischen Kirchenverwaltung nicht nachvollziehen, dass im Zuge der Haushaltskonsolidierung nun sogar noch eine Verschlechterung der Situation droht. Sie und die anderen Partner im Bündnis für Familien befürchten eine Zuspitzung des Fachkräftemangels durch die vom Gemeinderat beschlossenen Einschnitte.

Denn nach Ansicht der Bündnispartner, wird es dadurch ab 2020 für die Einrichtungen unattraktiver, Auszubildende zu beschäftigen. Das betrifft einerseits die Erzieher, die die vergütete, praxisintegrierte Ausbildung machen. Bislang mussten die Kitas für sie 20 Prozent ihres Fachkräftedeputats abgeben. Ein Zuschuss der Stadt ermöglichte jedoch, dass man dies nicht auf den Stellenschlüssel anrechnen musste. Das ändert sich. Verschärft wird die Anrechnung der Azubis auf den Gesamtpersonalschlüssel durch die Tatsache, dass Anerkennungspraktikanten ab 2020 statt wie bisher zu 65 Prozent zu 100 Prozent angerechnet werden. „Da überlege ich doch zweimal, ob ich eine Auszubildende ins Boot hole oder eine ausgelernet Fachkraft“, sagt Angela Cabras, Abteilungsleiterin der evangelischen Kitas Pforzheim.

Nach Angaben von Margarete Schaefer, Schulleiterin der Johanna-Wittum-Schule, merkt man bereits jetzt, dass einige Schüler Probleme haben einen Platz für das Anerkennungsjahr zu bekommen.