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04.03.2011

Eutinger kennt 3000 Bügeleisen-Geschichten

PFORZHEIM. Tausende von Bügeleisen aus vergangenen Jahrhunderten sind am Sonntag, 5. März, im Hohenwart Forum zu bestaunen. Die Veranstaltung beginnt um 9 Uhr. Im Rahmen der großen Sammlerbörse wird um 10 Uhr das neue Buch „Ära Bergisch-Märkischer Bügel- und Friseureisen“ vorgestellt. Der Autor Werner LoeCherbach signiert die Bücher.

Bildergalerie: Eutinger sammelt Bügeleisen

Ein Informationsaustausch mit Fachgesprächen zum Thema Bügeleisen findet von 11 Uhr an statt. Um 13 Uhr ist ein Mittagessen der Sammler vorgesehen. Die Veranstaltung endet gegen 16 Uhr. Organisator des 13. Stammtisches der Bügeleisensammler ist der Eutinger Gerhard Klein (70) . Dieser Stammtisch findet jährlich im Wechsel in Deutschland und Frankreich (Elsass) statt.

Die Idee hierfür wurde vor 14 Jahren in Kleins Wohnung geboren, in der sich 3000 Bügeleisen befinden. Jedes von ihnen hat eine eigene Geschichte. Und Klein kennt sie alle. Selbst auf seiner Krawatte sind Bügeleisen. Mehr als 2000 Jahre alt ist eine Bügelpfanne aus China, mit der einst Seidenstoffe geglättet wurden. „Ich wusste ja gar nicht, dass in unseren Kolonien einst Bügeleisen mit Elefantengriff hergestellt wurden“, wunderte sich ein Freund. Aber in diesem Fall hat Gerhard Klein den Schalk in den Augen. „Das ist kein Kolonial-Bügeleisen, das habe ich für meine Frau gebastelt“, sagt Klein und lacht.

Dabei hat alles ganz bescheiden begonnen. Bei einem Urlaub in den 80er-Jahren am Neusiedler See. „Der Wirt der Pension, in der wir übernachteten, hatte 15 wunderbar gearbeitete ungarische Kohlenbügeleisen, die mir sofort ins Auge fielen. Eins davon habe ich gekauft. Das war mein erstes“, erinnert sich Klein. Dabei wollte der Vermieter eigentlich das Stück gar nicht verkaufen. Aber nach einer Weinprobe und dem Blick in die schönen Augen von Kleins Ehefrau, die der Vermieter ins Herz geschlossen hatte, wurde er schwach und verkaufte das Stück damals für umgerechnet fünf Mark.

Einige Jahre später war Gruschtelmarkt in Pforzheim. Hier entdeckte Klein ein Kaltschmidt-Bügeleisen mit der Aufschrift „Enz“, hergestellt in Vaihingen-Oberriexingen. Aber der Tank des Spiritus-Bügeleisens fehlte. „Für den wollte ein Händler beim Antik-Markt in Karlsruhe 220 Mark, aber ich konnte den Preis letztlich herunterhandeln“, erinnert sich der Sammler. Ein ganz besonders einzigartiges Stück hat ihm ein Freund aus Ludwigsburg geschenkt. Es handelt sich dabei um ein Replikat eines holländischen Kohlebügeleisens, das sein Freund in einem Gartenhäuschen aufbewahrt hatte. „In diesem Bügeleisen hat ein Zaunkönig genistet, deshalb ist es ein Unikat“, sagt Klein und lacht. Das Nest ist immer noch im Eisen. „Aber abstauben muss ich die 3000 Exponate, mein Mann sammelt nur“, sagt Ehefrau Silvia. Roger Rosendahl