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Das Martin-Luther-King-Haus wird fast sicher durch einen Neubau ersetzt. Foto: Ketterl
Das Martin-Luther-King-Haus wird fast sicher durch einen Neubau ersetzt. Foto: Ketterl
24.11.2016

Evangelische Kitas in Pforzheim stehen vor großen Einschnitten

Pforzheim. Die evangelischen Kindergärten in Pforzheim sind in Not. Ein Standort wird wohl aufgegeben. Hinter drei weiteren stehen Fragezeichen. Knapp 200 Kita-Plätze sind in Gefahr.

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Was sich seit Wochenbeginn abzeichnete, liegt nun konkret vor. Dekanin Christiane Quincke und der Stadtsynoden-Vorsitzende Christoph Mährlein haben die Umstrukturierungen, geplanten und drohenden Einschnitte bei evangelischen Kindertageseinrichtungen vorgestellt. Die Gründe liegen in den Finanzen von Kirche und Stadt sowie im baulichen Zustand der Kitas. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen.

Was beschlossen ist: Die Stadtsynode hat am Wochenende nicht-öffentlich entschieden, was zuvor in „zähen Verhandlungen“, so Mährlein, mit der Stadt besprochen wurde: Die Kita „Pusteblume“ (zwei Gruppen à jeweils 15 bis 20 Kinder) an der Fritz-Neuert-Straße in Eutingen läuft mit Ende des Kindergartenjahres 2018/19 aus. Die Kitas im Martin-Luther-King-Haus an der Stadtkirche (vier Gruppen), an der Maximilianstraße in der Weststadt (zwei Gruppen) und die beiden Kitas in Dillweißenstein an der Kräheneckstraße und der Huchenfelder Straße (je drei Gruppen) werden noch für drei Jahre betrieben. Alle genannten Kitas sind baulich sanierungsbedürftig.

Während die Kita an der Stadtkirche nahezu sicher durch einen Neubau ersetzt wird und die an der „Maxi“ sehr wahrscheinlich, gilt ein Überlassen des Kita-Standorts Dillweißenstein an die Stadt oder einen anderen Träger als offen, ein evangelisch betriebener Ersatz für die „Pusteblume“ in Eutingen als unwahrscheinlich. In diesem Stadtteil gibt es zwei weitere evangelische Kitas. An allen Standorten lässt die Kirche ihre Kitas bewusst lange genug in Betrieb, um der Stadt Alternativen zu ermöglichen.

Welche Einschnitte unterm Strich drohen: Am massivsten der Verlust von zehn Gruppen mit insgesamt 150 bis 200 Kita-Plätzen. Dies deshalb, weil die evangelische Kirche in Pforzheim derzeit noch diese zehn Gruppen aus eigenem Geld finanziert, ohne dafür einen Ausgleich von der Stadt oder auch der Landeskirche zu bekommen. Das kann sich der Kirchenbezirk Pforzheim-Stadt angesichts rückläufiger Mitgliederzahlen und entsprechender Einnahmen nicht mehr leisten, er hat ein Defizit. „Wenn sich an den Rahmenbedingungen nichts ändert, werden wir bis 2021 um zehn Gruppen herunterfahren“, sagt Dekanin Quincke. Gleichzeitig denkt die Kirche daran, an einigen der verbleibenden Standorte künftig fünf bis acht Gruppen zu betreuen, während die evangelischen Kitas bisher eher zwei bis fünf Gruppen beherbergten.

Was der Hintergrund ist: In 14 von 25 Fällen gehören die Gebäude der evangelischen Kitas der Kirche, der Rest ist angemietet. Viele der Kirchen-Immobilien sind baulich in keinem guten Zustand. Die Stadt überweist einen Baukosten-Zuschuss von 1,86 Euro je Quadratmeter, der laut Kirche längst nicht reicht. 6,50 Euro seien nötig. Man habe sich mit der Stadt mittlerweile auf vier Euro geeinigt. Hinzu kommt, dass die Kürzungen der Stadt durch geänderte Richtlinien bei den Kita-Betriebskostenzuschüssen der Kirche ein Defizit von 300.000 Euro jährlich verursachen. Die Kirche sei nicht gewillt, Abstriche bei der Qualität ihrer Kitas zu machen, weil ihr diese Aufgabe insgesamt am Herzen liege. Das erhöht ihre Neigung nicht, salopp gesagt auf Masse statt Klasse in der Betreuung zu setzen. Wie wichtig die evangelischen Kitas der Kirche insgesamt seien, zeige sich daran, dass sich der Landesbischof persönlich stets über den Stand der Dinge informieren lasse.