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02.12.2009

Ex-Freund will 17-Jährige mit Schreckschusswaffe töten

PFORZHEIM. Ein 21-jähriger Mann hat am Dienstag Morgen im Stadtteil Maihälden mit einer Schreckschusswaffe mehrfach auf seine 17-jährige Ex-Freundin geschossen. Er sitzt seit Mittwochnachmittag in Untersuchungshaft.

„Ärger gibt es immer wieder – aber so etwas in dieser Form ist uns noch nie passiert“, sagt Johannes Schwarzer, Geschäftsführer des Stadtverkehrs Pforzheim (SVP). Er bestätigt, was seit Dienstag Vormittag Gesprächsthema Nummer eins bei den Fahrern der Stadtbusse war: Geistesgegenwärtig hatte ein Kollege auf der Linie 9 (Mäuerach – Birkenfeld) eine von einem Mann heftig bedrohte Frau an der Haltestelle Weststadtpark im Stadtteil Maihälden einsteigen lassen und sofort die Tür geschlossen.

Eigentlich war der 43-jährige Fahrer schon im Weiterfahren begriffen, da bemerkte er, dass die Frau von einem Mann verfolgt wurde. Was genau passierte, darüber gibt die offizielle Erklärung von Staatsanwaltschaft und Polizei Auskunft: Demnach passte der 21-Jährige aus Niefern-Öschelbronn – nach PZ-Informationen ein russlanddeutscher Lehrling – seine ehemalige Freundin kurz nach 6 Uhr vor ihrem Elternhaus ab, als sie auf dem Weg zur Arbeit war. Er drohte der Jugendlichen zunächst mit Worten und dann mit der Waffe. Der Teenager rannte in Richtung Haltestelle an der Bonhoefferstraße. Ihr Ex-Freund setzte ihr nach, hielt sie am Ärmel fest und feuerte aus nächster Nähe auf sie. Die 17-Jährige rief um Hilfe. Da schoss der mutmaßliche Täter erneut – in unmittelbarer Nähe des Hinterkopfes. Die Polizei fand mindestens drei Patronenhülsen. Ein Fahrgast vertrieb den Täter.

Die Staatsanwaltschaft geht von Tötungsvorsatz aus – weil der Tatverdächtige von sich aus zugab, im Internet recherchiert zu haben, wie auch der Schuss aus einer „nicht scharfen“ Waffe tödlich wirken könne. Doch so, wie der Mann tatsächlich schoss, konnte der schlimmste Fall nicht eintreten. Aber auch ein untauglicher Versuch ist strafbar. Der Busfahrer rief sofort die Polizei, die wenige Minuten später am Tatort eintraf. Da war der 21-Jährige schon verschwunden. Im Verlauf des Tages nahm man ihn fest – und er gestand die Tat. Seine ehemalige Freundin erlitt durch die Schüsse an Kopf und Körper leichte Verletzungen und musste ambulant versorgt werden. Den Fahrer ließ Schwarzer umgehend ablösen. Der Mann sei verständlicherweise aufgewühlt, so der Stadtbusse-Chef – „in dem Zustand kann ich niemanden den Bus fahren lassen“. Ein Arzt schrieb den Fahrer für zwei Tage krank.

Gestern Mittag schließlich wurde der Beschuldigte dem Haftrichter am Amtsgericht vorgeführt. Dieser gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt – wegen des Verdachts des versuchten Mordes. Als Motiv geht die Anklagebehörde von Eifersucht aus. Laut Oberstaatsanwalt Christoph Reichert habe der Mann vorgehabt, erst die junge Frau und dann sich selbst zu erschießen. Er werde wahrscheinlich psychiatrisch begutachtet.

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