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Daniel Neumann und Laura Pletzer spielen beim Stück „Achtung?!“ beste Freunde, aus denen am Ende Feinde werden. Foto: Meyer
Daniel Neumann und Laura Pletzer spielen beim Stück „Achtung?!“ beste Freunde, aus denen am Ende Feinde werden. Foto: Meyer
09.11.2018

Extremismus: Theaterstück will aufklären

Pforzheim. Bei Lina ist es die Einsamkeit, bei Tarek die Sinnsuche – am Ende finden beide ihre Antworten im Extremismus. Sie in der rechten Szene, er im Kreise islamischer Fundamentalisten. Das Stück „Achtung?!“ des Theaters Q-rage zeigt an diesem Vormittag auf der kleinen Bühne in der Jahnhalle vor den Augen der Neuntklässler des Theodor-Heuss-Gymnasiums (THG), wie aus besten Freunde erbitterte Feinde werden.

Wie es soweit kommen kann, will die knapp einstündige, interaktive Inszenierung, die als Präventionsprojekt gegen Extremismus 2015 vom Polizeipräsidium Ludwigsburg konzipiert wurde und inzwischen dank Fördermitteln des Kompetenzzentrums gegen Extremismus in Baden-Württemberg auch im Bereich des Präsidiums Karlsruhe gespielt wird, erklären. Schnell wird klar: Niemand wird als Extremist geboren. So sind Lina (Laura Pletzer) und Tarek (Daniel Neumann) zu Beginn des Stückes beste Freunde. Als die Familie jedoch in ein bayerisches Dorf zieht, hat das Mädchen Probleme, Anschluss zu finden – und gerät an die falschen Leute. Im Fall von „Achtung?!“ ist das Tom (ebenfalls Daniel Neumann), dessen Parolen von „schmarotzenden Ausländern“ und „kriminellen Flüchtlingen“ Lina – um dazuzugehören – schnell übernimmt. Der Deutsch-Türke Tarek fühlt sich zusehends als Fremdling und findet in Islamisten, die ihm auf der Straße ein Buch in die Hand drücken und ihn in ihren Kreis einladen, eine neue „Familie“, mit der er für die Verbreitung wahren Glaubens kämpfen möchte – ohne Rücksicht auf Andersdenkende.

Projektwochen in Klasse 9

Dabei treten Pletzer und Neumann immer wieder aus ihren Rollen, um mit den Schülern zu diskutieren. Wieso schließt sich Lina den Nazis an? Weshalb wendet sich Tarek von seiner Familie ab? Und die Neuntklässler haben Antworten. Unter anderem auch deshalb, weil seit knapp zwölf Wochen das Thema Extremismus erstmals im Rahmen eines fächerübergreifenden Projekts auf dem Stundenplan steht, wie die Lehrerin und Projektkoordinatorin Gudrun Mossmann-Erdel erklärt. Das Stück sei als Höhepunkt der Themenwochen gedacht und wird in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung das Gesehene nachbereitet.

Die so geleistete Aufklärungsarbeit, so sind sich Mossmann-Erdel und Beatrice Suppes vom Referat Prävention beim Polizeipräsidium Karlsruhe einig, sei wichtig. Denn immer mehr hielten extremistische Tendenzen auch an den Schulen Einzug. So wirbt beispielsweise die rechtsextreme Identitäre Bewegung mit ihren fremden- und islamfeindlichen Positionen gezielt um jugendliche Mitglieder.

Ob die Botschaft bei den Jugendlichen ankommt? „Es ist ein sehr lehrreiches Stück, das an allen Schulen gezeigt werden sollte“, sagt Sophia nach dem Applaus. Ihre Mitschülerinnen pflichten ihr nickend bei. Ob sie selbst in die Fänge von Extremisten geraten könnten? Vehementes Kopfschütteln. „Nein, weil wir hier und in der Familie gut aufgeklärt werden“, so die Mädchen.