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Auch „Lehners Wirtshaus“ hat aufgrund behördlicher Corona-Anordnungen geschlossen. Demnächst soll es zumindest im Freien wieder losgehen. Foto Meyer 

Fahrplan der Politik steht: Worauf gebeutelte Pforzheimer Gastronomen nun hoffen

Pforzheim. Langsam und in Stufen soll es für die Wirte wieder losgehen in Baden-Württemberg, nicht gleich mit der nächsten Lockerung am 11. Mai, sondern im zweiten der vier bis einschließlich Pfingsten geplanten Schritte. Zunächst soll die Außengastronomie ihre Pforten wieder öffnen dürfen, im nächsten Schritt die Innenbewirtung mit Speisen, an Pfingsten selbst (30. Mai bis 1. Juni) die Beherbergung touristischer Gäste in Hotels. „Ganz wichtig ist, dass man Daten weiß, dass man sich auf etwas einstellen kann“, sagt etwa der Pforzheimer Brauereibesitzer, Hotelier und Lokalverpächter Wolfgang Scheidtweiler dazu.

Existenzen stehen auf dem Spiel

Vor zwei Wochen stand Scheidtweiler gemeinsam mit seinem Pforzheimer Kollegen Michael Ketterer sowie Wirten vor dem CongressCentrum, die untere Gesichtshälfte vorschriftsgemäß hinter einem Anti-Corona-Mundschutz verborgen. Es ging darum, auf die Nöte der Gastronomie in der Corona-Krise hinzuweisen: Lokale, drinnen wie draußen, mussten schließen, Hotels durften nur noch Gäste mit dringlichen Reisezwecken beherbergen. Der Umsatz brach ein, bei Getränken meist um 100 Prozent, Existenzen stehen auf dem Spiel.

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Nun kenne er einen Fahrplan, das sei gut, sagt Scheidtweiler, und der Ablauf sei stimmig. Jetzt gelte es, die Regeln für die Außengastronomie zu klären, die Abstände, die Hygienevorschriften. Überall da, wo – auch bei Vereinsfesten – keine professionelle Spülmaschine gegeben sei, könnten Einwegbecher helfen. Spätestens bei der Innenbewirtung in Speiselokalen müsste dann geklärt sein, wo man Tische wegstelle. Der Logik nach müssten auch dort bis zu fünf Leute an einem Tisch sitzen dürften, wenn es sich um eine Familie handle. Als Brauer freue er sich über alle, die wieder Bier ausschenken dürften, als Restaurantbetreiber über alle Gäste, als Hotelier auf die Touristen.

"Es wird dieses Jahr keinen Monat geben, der vom Umsatz her an die Vorjahre rankommt."

Patrick Burkhard, Wirt des "Rodensteiner"

Über bekannte Gesichter und einen schadensmildernden Rest an Umsatz gefreut hat sich Patrick Burkhard beim Verkauf von Essen zum Mitnehmen – das war ein Lichtblick für den Wirt des „Rodensteiner“ an der Bleichstraße. Wenn es noch länger so weitergehe, würden die Perspektiven für Lokale wie seines düster. Dass er nun wohl in anderthalb Wochen zumindest seinen Außenbereich wieder aufmachen darf, ist ein Hoffnungsschimmer. Die lange Schließung, zwei Monate, sei unverhältnismäßig gewesen. Man hätte im Biergarten mehr Abstand hinbekommen als in vielen Läden, die seit Wochen geöffnet sind, sagt er. Die Folgen werde die Branche noch lange spüren, selbst wenn alles wieder erlaubt sei. „Es wird dieses Jahr keinen Monat geben, der vom Umsatz her an die Vorjahre rankommt“, prognostiziert Burkhard. Für sich ist er überzeugt: „Wir werden es wohl mit zwei blauen Augen überstehen.“

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Marek Klimanski

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