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Symbolbild: dpa 

Falsche Polizisten: Rentnerin um Wertsachen für knapp 20.000 Euro betrogen

Pforzheim. Erna K. (Name geändert) ist hundemüde, als sie von einer Reise nach Franken zurückkehrt in ihre Wohnung in der Südstadt. Da klingelt das Telefon bei der 79-Jährigen. Am anderen Ende der Leitung: ein gewisser „Herr Weber“, angeblich Polizist, er spricht akzentfreie Deutsch. Der „Kommissar“ warnt vor den üblen Machenschaften einer rumänischen Einbrecherbande.

Erna K.s Name finde sich auf einer sichergestellten Liste – Gefahr sei im Verzug. Schleunigst müsse sie alles, was wertvoll sei, in Sicherheit bringen, am besten zu Händen der Polizei. Erna K. begibt sich zu ihrer Hausbank, holt Goldmünzen, kleine Barren und Schmuck im Wert von knapp 20.000 Euro aus dem Schließfach, begibt sich nach Hause. Wieder ruft der „Kommissar“ an, drängt zur Eile, ein „Kollege“ werde vorbeikommen, um die Sachen „für die Versicherung“ abzufotografieren.

Und hier kommt Ahmed S. ins Spiel. Der 28-jährige Libanese, wohnhaft im Osten Baden-Württembergs, hat sich auf Bitten seines Cousins hinters Steuer gesetzt und ist nach Pforzheim gefahren. Ihnen würden über 5000 Euro winken, wenn Ahmed S. einen Job durchziehe: bei einer alten Dame Schmuck abzufotografieren und ihn – angeblich für die Versicherung – „sicherzustellen“. Der Trick mit dem falschen Polizisten funktioniert – wieder einmal.

Nun also steht Ahmed S. wegen der Tat vom 6. April vergangenen Jahres vor Gericht. Er ist – mit Ausnahme der Höhe seines „Honorars“ – geständig, erspart der Rentnerin eine Zeugenaussage. Staatsanwältin Anne Lena Waidner wirft ihm Betrug vor und fordert am Ende der Beweisaufnahme eineinhalb Jahre Haft ohne Bewährung, Verteidiger Uwe Oehler zehn Monate auf Bewährung – Ahmed S. sei keinesfalls Mittäter, sondern nur der Beihilfe schuldig.

Amtsrichterin Martina Resch schließt sich inhaltlich dem Plädoyer Oehlers an. Ein Jahr Bewährungsstrafe lautet ihr Urteil, zuzüglich 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Mehr lesen Sie am Dienstag in der „Pforzheimer Zeitung“ oder im E-Paper auf PZ-news oder über die Apps auf iPhone/iPad und Android-Smartphones/Tablet-PCs.

Olaf Lorch-Gerstenmaier

Olaf Lorch-Gerstenmaier

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