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13.07.2015

Falsche Polizistin zockt Senioren ab

Die Telefonate führte sie von einem Callcenter im türkischen Izmir aus, in dem ihr damaliger Lebensgefährte sowie der Lebensgefährte einer weiteren Angeklagten die Fäden in der Hand hielten. Sowohl Gaby S. als auch die 20-jährige Selma A. und die 19-jährige Samira B. (Namen geändert) hatten sich beim gestrigen Prozessauftakt vor der Großen Auswärtigen Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Andreas Heidrich geständig gezeigt und ausführliche Angaben gemacht.

Gaby S. soll an zehn Taten, die anderen beiden als Boten an sieben und acht Taten beteiligt gewesen sein. Dabei war ein Schaden von rund 200 000 Euro entstanden. Ins Visier hatte die Bande, von der weitere Mitglieder in einem gesonderten Prozess angeklagt sind, alte Menschen genommen. Via Internet habe einer der Männer altmodische Vornamen in ein Online-Telefonbuch eingegeben und auf gut Glück die Ergebnisliste abtelefoniert, so Gaby S.

Schenkten sie dem vermeintlichen Kriminalpolizisten Glauben, erzählte er, Ermittlungen hätten ergeben, dass eine Räuberbande in der Nähe sei und bei der entsprechenden Person einbrechen wolle. Die Person solle sagen, ob sie Bargeld oder andere Wertgegenstände im Haus habe. Falls nicht, solle sie zur Bank gehen und all ihr Geld abheben, denn auch dort sei es nicht mehr sicher, es könne über das Internet gestohlen werden. Geld und Schmuck sollten in den Hausflur gelegt werden und würden von einem Boten abgeholt. Welche Menschen hinter den Geschädigten stecken, machte eine 80-jährige Witwe aus Pforzheim deutlich, die gestern aussagte. Sie hatte 15 900 Euro in den Hausflur gelegt, weil sie nach dem Telefonat wie von Sinnen gewesen sei. Per Western-Union sei das Geld von Boten in die Türkei transferiert worden. Erbeuteter Schmuck sei vor Ort bei einem Goldschmied eingeschmolzen worden.

Der Prozess wird am Freitag, 17. Juli, fortgesetzt.