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Der 1. Fanfarenzug Pforzheim lässt das Gotteshaus beben, daneben das Predigtduo „Präsident“ Karl Knopf und Pfarrerin Heike Reisner-Baral. Foto: Bechtle
Der 1. Fanfarenzug Pforzheim lässt das Gotteshaus beben, daneben das Predigtduo „Präsident“ Karl Knopf und Pfarrerin Heike Reisner-Baral. Foto: Bechtle
Die Goldstadtfanfaren betreten die voll besetzte Kirche. Foto: Bechtle
Die Goldstadtfanfaren betreten die voll besetzte Kirche. Foto: Bechtle
Pfarrerin Heike Reisner-Baral, PFG und Goldmasken beim Einzug. Foto: Bechtle
Pfarrerin Heike Reisner-Baral, PFG und Goldmasken beim Einzug. Foto: Bechtle
26.02.2017

Fastnachtsfreunde feiern zweiten Gottesdienst in der Schloßkirche

Pforzheim. „Ist es uns gelungen Freud’ zu spenden? Die Antwort liegt in Ihren Händen“, sagt Pfarrerin Heike Reisner-Baral gegen Ende – und die Reaktion fällt eindeutig aus: In der voll besetzten Schloßkirche brandet kräftiger Applaus auf, da wird geklatscht, gejubelt und gepfiffen. Nicht zum ersten Mal an diesem Sonntagvormittag. Bevor am Aschermittwoch wieder alles vorbei ist, haben sich Karnevalisten und Fastnachtsfreunde anlässlich des 80-jährigen Bestehens der Goldmasken in St. Michael zum Narrengottesdienst versammelt. Und der hat es vor allem akustisch in sich.

Wenn die Leutrum-Garde aus Würm und die Kieselbronner „Gugge Gaiße“ loslegen, bebt das Kirchenschiff. Stücke wie „O when the saints“ oder „Danke für diesen guten Morgen“ entfalten in der Gugge-Version einen ganz eigenen Charme – auch wenn der Gesang der Gläubigen es gegen die Bläserwucht etwas schwer hat. Manche Reihe schunkelt, klatscht und hüpft im Takt, kein Musikintermezzo endet ohne donnerndes Lob aus der Gemeinde, zu der an diesem Tag Narren aus der ganzen Region gehören.

„Herr Präsident“, der Prediger

Die Predigt ist nicht nur standesgemäß in Reimform zu hören, sondern dazu noch als Dialog. Neben Hausherrin Reisner-Baral sitzt der kohlrabinersche Büttenredner Karl Knopf als „Präsident“. Gemeinsam sprechen sie etwa über die großen und kleinen Lebensfragen – vom Mitgliederschwund der Kirchen über die Flüchtlingsthematik, die Oberbürgermeisterwahl bis hin zu Donald Trump.

Knopf genießt bei seinem Abschiedsauftritt die Rolle des verschmitzten Stichlers. Der frühere Religionslehrer lästert über Gemeinderat wie Rostkübel und packt auch bei gesellschaftspolitisch heißen Eisen zu. „Anhänger des Islam“ verhielten sich mitunter „recht unliebsam“, reimt er einmal, geißelt Verschleierung, Verweigerung des Schwimmunterrichts sowie Salafismus, erklärt Erdogan zum „Bösewicht“ und baut auf Hilfe von ganz oben, dass nicht einst „der Muezzin“ von der Schloßkirche rufen möge.

Reisner-Barals Part im Zweigestirn ist jener der leiseren Töne. Sie erinnert bei aller Freude an Leid und Verfolgung anderer – und mahnt, dies nicht zu vergessen. „Das gilt für alle hier und jeden, leben wir doch im Garten Eden.“ Wer beim Thema Pforzheimer Rathauschef eine närrische Wahlempfehlung erwartet hätte, wird enttäuscht: Da schreibt auch der deutliche Karl Knopf nichts vor. Aber so viel: „Für uns zählt nur ein OB mit Humor.“ Die Adressaten dieser Zeilen können mitlachen – Gert Hager und CDU-Kandidat Peter Boch sitzen im Publikum.

Bevor die Goldstadtfanfaren mit dem Auszug die Narretei beenden, wirbt PFG-Präsident Rolf Nagel für eine Wiederholung, bedankt sich bei Knopf und Reisner-Baral. Die Pfarrerin will das Besondere erhalten, das Gottesfest der anderen Art weiterhin an Jubiläen knüpfen. Und dann wäre da angesichts deutlicher Kritik beim ersten Mal vor drei Jahren noch eine grundsätzliche Sache: „Fragen muss ich auch in diesem Jahr, ob unser Faschingsgottesdienst richtig war.“ Die Antwort der Teilnehmer ist bekannt.