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Professor Reichel zeigt Assistenzärztin Maren Dinkheller, wo sie am Felsenbein ansetzen und bohren muss. Foto: Siloah
Professor Reichel zeigt Assistenzärztin Maren Dinkheller, wo sie am Felsenbein ansetzen und bohren muss. Foto: Siloah
17.05.2018

Felsenbeinlabor des Siloah St. Trudpert: Mediziner üben für schwierige Operationen

Pforzheim. Es sitzt im Innenohr und übernimmt auf engstem Raum wichtige Funktionen: Das Felsenbein ist nicht nur im Vergleich zu anderen ein ziemlich kleiner Knochen, sondern vor allem auch als härtester Knochen des menschlichen Körpers bekannt. Es schützt das Gleichgewichtsorgan und die Haarzellen im Innenohr.

Eigenes Felsenbeinlabor

Die Härte des Felsenbeins bekommen vor allem Hals-Nasen-Ohren-Chirurgen zu spüren: Denn um etwa an Entzündungen des Mittelohrs oder an die Ursachen von Gesichtslähmungen zu gelangen, muss es regelrecht „ausgebohrt“ werden – chirurgisch eine höchst diffizile Region, da sich hier Hirn-Nerven wie der Gesichtsnerv, das Hör- und Gleichgewichtsorgan sowie wichtige blutführende Gefäße begegnen. Und weil Übung bekanntlich den Meister macht, haben Assistenzärztinnen und Assistenzärzte der Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde am Siloah St. Trudpert Klinikum nun die Möglichkeit, im eigenen Felsenbeinlabor an Modellen zu üben – jederzeit und so oft sie wollen. „Es gibt wenige Kliniken unserer Größe, die über ein eigenes Felsenbeinlabor verfügen“, weiß Dr. Oliver Reichel. Dem Chefarzt der HNO-Klinik ist die chirurgische Routine wichtig, die die Assistenzärzte dadurch gewinnen.

Praktisches Training

„In speziellen Ohr-Chirurgie-Kursen stehen natürlich vereinzelt praktische Übungen und Live-OP-Übertragungen auf dem Programm, um das Bohren am Felsenbein zu erlernen. Die Erfahrung und das Geschick, die Assistenzärzte in Vorbereitung auf ihre Facharztprüfung benötigen, erreichen sie damit aber nicht“, so der HNO-Chefarzt.

Das eigene Felsenbeinlabor in der Klinik zu haben, biete ein praktisches Training unter nahezu realen Bedingungen und sei eine Investition in den ärztlichen Nachwuchs. Als akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg hofft man zudem, mit dem speziellen Angebot angehende Fachärzte für die Ausbildung an der HNO-Klinik in Pforzheim zu begeistern.

Sechs Assistenzärzte nutzen aktuell das Felsenbeinlabor der HNO-Klinik. Sie üben und bohren an Felsenbein-Modellen der Firma Phacon. Das knochenähnliche, mineralische Material mit naturgetreuem Gewebe bietet realistische Voraussetzungen für das OP-Training.

Anleitung verfasst

Bis zu zehn Stunden dauert die intensive Bearbeitung eines Modells. „Mindestens 50 Stunden lang – also fünf Modelle – sollte ein Arzt in der Weiterbildung bearbeitet haben, um fit am Felsenbein zu sein“, schätzt Oliver Reichel, der sogar eine detaillierte „Bohranleitung“ für seine Mitarbeiter verfasst hat.