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Festlich begleitet wurde der Reformationsgottesdienst von dem Bezirksbläserkreis und den Kirchenchören unter Leitung von Axel Pfrommer und Bezirkskantor Wolfgang Bürck sowie Mathias Kohlmann an der Orgel.   molnar
Festlich begleitet wurde der Reformationsgottesdienst von dem Bezirksbläserkreis und den Kirchenchören unter Leitung von Axel Pfrommer und Bezirkskantor Wolfgang Bürck sowie Mathias Kohlmann an der Orgel. molnar
Christiane Quincke
Christiane Quincke
01.11.2015

Festgottesdienst zum Reformationstag in der evangelischen Stadtkirche

Was macht unser Christsein aus? Was bedeutet es heute, als gläubiger Mensch zu leben? Solche Fragen standen beim gemeinsamen Reformationsgottesdienst der Kirchenbezirke Pforzheim-Stadt und -Land in der evangelischen Stadtkirche im Mittelpunkt. „Mein Eindruck ist, dass unser Christsein schon lange nicht mehr so gefordert war, wie in dieser Zeit“, sagte Dekanin Christiane Quincke bei ihrer Begrüßung.

Früher sei es ein einzelner Mönch gewesen, Martin Luther, der die Thesen in Wittenberg angeschlagen habe.

Vom Recht auf Menschenwürde

Heute würden alle Kirchen seine Worte vertreten. Sie sprach auch vom Recht auf Menschenwürde, Schutz und Asyl. Und freute sich, mit der römisch-katholischen Theologin Johanna Rahner von der Universität Tübingen eine Kennerin der ökumenischen Fragen gewonnen zu haben. In ihrer Predigt zum Thema „Christsein heute – gefragt und angefragt zugleich“ ging die Direktorin des Instituts für Ökumenische und Interreligiöse Forschung auf die Seligpreisungen in Jesus Bergpredigt (Matthäus 5, Verse 1-12) ein, die Pfarrer Hans Gölz-Eisinger vorher gelesen hat. „Selig sind, die da geistreich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden“, lauten zum Beispiel Jesus‘ Worte.

„Predigttexte wie die Seligpreisungen sind eine Herausforderung“, begann Rahner ihre Predigt, „eine Provokation“. Die Seligpreisungen verunsichern, stellen das Gewohnte in Frage. „Warum sollte gerade den Armen und Verfolgten das Himmelreich gehören“, fragte die Theologin. Unsere Welt ticke doch ganz anders. In ihrer Ausführung führte sie den Religionskritiker Friedrich Nietzsche an, auch Luther und Papst Franziskus. Dieser habe 2013 gefordert, Theologie von den Rändern her zu treiben. Die Kirche sei aufgerufen, aus sich selbst herauszugehen – an die Ränder des Scheiterns, Schmerzes und Grenzen der menschlichen Existenz. „Glaube in der Perspektive der Seligpreisungen hat sich an der Peripherie zu orientieren“, so die Predigerin. Doch existiert Gott überhaupt? „Ist uns das Gottvertrauen nicht unwiederbringlich verloren gegangen?“, fragte Rahner die Gottesdienstbesucher. .

Denkanstoß für Besucher

Am Ende gab die Theologin schließlich keine konkrete Lösung, sondern nur einen Denkanstoß. Ihre letzten Worte umfassten ein Plädoyer für die „Menschlichkeit, dass Friede werde“. Mitgestaltet wurde der Gottesdienst, bei dem die Ökumene auch im Kirchensaal vertreten war, von Dekanin Christiane Quincke sowie den Pfarrern Markus Mall und Hans Gölz-Eisinger.

Für festliche Musik sorgten der Bezirksbläserkreis und die Kirchenchöre unter Leitung von Axel Pfrommer und Bezirkskantor Wolfgang Bürck sowie Kirchenmusikdirektor Mathias Kohlmann an der Orgel.