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21.04.2009

Feuer frei für das Verheizen von Ersatzbrennstoffen

PFORZHEIM. Aufatmen im Rathaus: Im Heizkraftwerk (HKW) Pforzheim können aller Voraussicht nach demnächst Ersatzbrennstoffe – speziell aufbereitete Abfälle – verfeuert werden. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hat den vorzeitigen Baubeginn für den Silo-Bau für Ersatzbrennstoffe erteilt, weshalb am Dienstagmittag der erste Spatenstich gefeiert werden konnte. Mit dem immissionsschutzrechtlichen Genehmigungsbescheid rechnet man bei der Stadtverwaltung noch im Mai.

Durch das Zuführen von „energiereichen Ersatzbrennstoffen verzichten wir jährlich auf den Einsatz von 17.500 Tonnen Kohle und ersparen der Umwelt damit Tausende von Tonnen Kohlendioxid“, so Erster Bürgermeister Roger Heidt am Dienstagmittag bei der Grundsteinlegung für die Silos. „Für den Einsatz der Ersatzbrennstoffe haben wir ein Qualitätssicherungs- und Qualitätsüberwachungskonzept eingerichtet, mit dem wir uns sehen lassen können“, so HKW-Geschäftsführer Martin Seitz. Er schätzt, dass bereits zum Herbst des Jahres Ersatzbrennstoffe zugeführt werden können.

Unumstritten war die Abfall-Verbrennung nicht. Naturschutz-Organisationen, Bürgervereine und einzelne Bürger fürchteten einen erhöhten Giftausstoß in die Luft, da nicht absolut sicher gestellt, dass nicht doch verseuchte Abfälle in die Öfen gelangen könnten. Vorgetragen hatten die Gegner der Ersatzstoff-Verbrennung ihre Bedenken bei einem vom Regierungspräsidium anberaumten Erörterungstermin. Die zuletzt dort erzielten Verbesserungen, so der städtische Pressesprecher Michael Strohmayer, „haben deutlich gemacht, dass es primär um eine Investition in die Umwelt und in die Zukunft geht. So werden mit dem Verfeuern der Ersatzbrennstoffe Kohlendioxid-Einsparungen größten Ausmaßes erreicht.“ Zudem erhöhe sich die Wirtschaftlichkeit des Heizkraftwerks.

Einhaltung von Grenzwerten

„Es werden Grenzwerte und Kontrollsysteme an die Ersatzbrennstoffe gelegt, die weit über die gesetzlich geforderten Grenzwerte hinausreichen“, sagte HKW-Aufsichtsratsvorsitzender Heidt. So bleibe man freiwillig deutlich unter der gesetzlich vorgeschriebenen Staubbelastung von 20 Milligramm pro Kubikmeter und garantiere zehn Milligramm pro Kubikmeter. Das Pforzheimer Heizkraftwerk unterschreitet freiwillig die gesetzlichen Grenzwerte bei den Schwermetallen wie Quecksilber, Cadmium oder Thallium. Zusätzlich wird garantiert, dass erst wenn der Kessel bis auf 850 Grad Wärme angefeuert ist, Ersatzbrennstoffe zugegeben werden.

Zur Entlastung der Innenstadt- und Nordstadtverkehre „haben wir mit unseren Lieferanten eine Ab- und Anfahrt der LKW über die BAB-Anschlussstelle Ost sichergestellt“, so Seitz. Das soll zusätzlich Lastwagen-Verkehr in der Innenstadt einsparen.

Ersatzbrennstoffe werden kontrolliert

Die anzufahrenden Ersatzbrennstoffe würden täglich mehrfach kontrolliert, „wir werden eine Probenahme bei jeder LKW-Anlieferung machen“, so Seitz. Über diese Ergebnisse will er regelmäßig das Regierungspräsidium informieren, „bei Auffälligkeit droht den Lieferanten der Platzverweis“, macht Seitz deutlich.

„Wir werden es uns in Zukunft nicht mehr leisten können, Energieträger einfach wegzuschmeißen, deshalb nutzen wir nach einer aufwändigen Aufbereitung die energiereichen Anteile aus Abfällen“, sagte der HKW-Geschäftsführer. Bereits im Herbst werden nach den Baumaßnahmen die technischen Voraussetzungen dafür bestehen, mit der Mitverbrennung von Ersatzbrennstoffen zu beginnen.

In den 90er-Jahren hatte der damalige Erste Bürgermeister Siegbert Frank gegen den heftigen Widerstand von Bürgervereinen und Anwohnern Pläne forciert, eine Müllverbrennungsanlage neben dem Heizkraftwerk zu bauen. Daraus wurde jedoch nichts.