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Gewaltige Herausforderung auch für Rettunsgkräfte: Von den geplanten 900 Metern Tunnellänge sind bislang 260 Meter gegraben worden.
Gewaltige Herausforderung auch für Rettunsgkräfte: Von den geplanten 900 Metern Tunnellänge sind bislang 260 Meter gegraben worden.
Gespenstisch: Wandernde Lichter, die im dichten Rauch auftauchen, zeigen an, dass Retter und Gerettete auf dem Weg zum Tageslicht sind.  Tilo Keller
Gespenstisch: Wandernde Lichter, die im dichten Rauch auftauchen, zeigen an, dass Retter und Gerettete auf dem Weg zum Tageslicht sind. Tilo Keller
03.07.2016

Feuerwehr probt Katastrophe in neuem Bahntunnel

Für die Mineure gehört die Orientierung innerhalb des im Bau befindlichen neuen Pforzheimer Tunnels, den die Deutsche Bahn derzeit erstellen lässt, zum Alltag. Nicht so für die Pforzheimer Feuerwehrleute, die im Ernstfall zur Rettung herbeieilen müssen. Der extra dafür ausgearbeitete Rettungsplan ist bei einer Großübung mit Pforzheims Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr sowie dem Rettungsdienst vom DRK auf den Prüfstand gekommen.

Rauch quillt aus dem Tunnelportal zwischen Pforzheim und Ispringen. Im Übungsszenario wird von einem Maschinenbrand im Tunnel ausgegangen. Die Feuerwehr kommt mit Blaulicht angefahren und stoppt nicht vor dem Tunnel, sondern am Feuerwehrcontainer im Baustellenbereich, der spezielles Material für einen Rettungseinsatz vorhält. Hier stehen unter anderem spezielle Langzeitatemschutzgeräte bereit, die für einen etwa vierstündigen Einsatz ausgelegt sind. Die regulären Atemschutzgeräte der Wehr sind lediglich für eine Dauer von einer Stunde gedacht.

Nur ein Fahrzeug fährt ein

Der dort ebenfalls extra für den Feuerwehreinsatz bereitstehende Unimog ist das einzige Fahrzeug, das dann mit einem Fünferteam, bestehend aus vier Feuerwehrleuten und einem ortskundigen Vertreter der Baufirma, in den Tunnel fahren wird. „Das sieht im ersten Moment nicht so dynamisch aus wie beim Brand eines Einfamilienhauses, wo die Feuerwehr die Schläuche ausrollt“, erklärt Pforzheims Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer den Pressevertretern, die zusammen mit Oberbürgermeister Gert Hager und seiner Frau Sabine Hager der Übung beiwohnen. Die Frau des OB ist auch die Tunnelpatin – quasi die Verkörperung der Heiligen Barbara, der Schutzpatronin für Mineure.

Die Übernahme der sogenannten Grubenwehr gehört eigentlich nicht zu den Pflichtaufgaben der Pforzheimer Feuerwehr. Umso dankbarer sind Jürgen Friedmann, Referent für Öffentlichkeitsarbeit DB Netz, und Jens Sinn, Projektleiter der ausführenden Baufirma Baresel, dass sich die Pforzheimer Einsatzkräfte der Aufgabe angenommen haben. „Wichtig ist die Sicherheit ihrer Leute“, hebt Oberbürgermeister Hager diese Zusammenarbeit hervor.

Atemschutzgerät im Einsatz

Während die mit Schutzhelmen, Warnwesten und Sicherheitsgummistiefeln ausgerüsteten Zuschauer in den Tunnel geleitet werden, dringen die Atemschutzträger zum weiter im Inneren gelegenen Einsatzort vor. Bislang sind von der etwa 900 Meter langen Tunnelführung rund 260 Meter gegraben worden. Drinnen ist es ziemlich dunkel, und im hinteren Bereich verhindert der Übungsrauch die Sicht völlig. In einem Rettungscontainer hat das Baustellenteam Schutz gesucht, darunter auch ein simulierter Verletzter. Wandernde Lichter, die im dichten Qualm auftauchen, zeigen wenig später an, dass Retter und Gerettete auf dem Weg zum Tageslicht sind. Der Verletzte wird mit einer auf Rädern aufgesetzten Schleifkorbtrage zum Unimog transportiert und dann zum Rettungswagen gefahren. „Ohne Wärmebildkamera kann man dort drinnen nichts mehr sehen“, stellt einer der Einsatzkräfte fest. Wie anstrengend die Aktion war, wird erst sichtbar, als die Atemschutzträger ihre Masken abnehmen, alle sind völlig verschwitzt.

Im Ernstfall wären noch die vorgehaltenen 25 Kubikmeter Löschwasser zum Einsatz gekommen und eine zusätzliche Leitung zum nächsten Hydranten gelegt worden. Einsatzleiter Guido Lobermann hat an diesem Vormittag rund 50 Einsatzkräfte koordiniert. „Es war eine sehr gute Übung“, so Kommandant Fischers erste Einschätzung. „Die Abläufe waren aus unserer Sicht zügig, und nach einer Stunde waren die Personen draußen.“

Zufrieden zeigte er sich auch über die Zusammenarbeit mit der Baufirma und dem Rettungsdienst. „Eine gute Übung ist eine gute Übung, wenn man sich nicht nur lobt“, merkte er zu kleineren Optimierungspotenzialen an, die die Teams im Nachgang noch besprechen werden.