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Urbane Umdenker: Jakob Allner (LAF), Christine Müh (Koki), Jochen Gläser (LAF),  Regisseur Daniel Kunle und Eric Kuhn (LAF, von links).
Urbane Umdenker: Jakob Allner (LAF), Christine Müh (Koki), Jochen Gläser (LAF), Regisseur Daniel Kunle und Eric Kuhn (LAF, von links).
10.03.2016

Film zeigt Möglichkeiten zum Umgang mit urbanen Brachen auf

Pforzheim. Der Verein Leerstand als Freiraum (LAF) erweckt in Pforzheim verwaiste Ladenflächen zu neuem Leben. Im Film „Nicht Mehr – Noch Nicht“ sind es teils riesige städtische Brachen in Ost- und Norddeutschland, die dank des Engagements Kreativer aufblühen. Dennoch waren am Mittwochabend bei der Vorführung im Kommunalen Kino samt Diskussion mit dem Berliner Regisseur Daniel Kunle und LAF-Aktiven Parallelen zu erkennen.

Es gibt Hürden auf dem Weg zur Nutzung von Freiraum – in den Behörden der Städte wie in den Köpfen vieler ihrer Bewohner. Doch es kann sich lohnen, den urbanen Strukturwandel als Chance zu begreifen.

Die Worte des renommierten deutschen Stadtplaners und Architekten Thomas Sieverts lassen gleich zu Beginn der 2004 entstandenen Dokumentation aufhorchen. „Zum ersten Mal seit Pest und Cholera“ gebe es ein breites Schrumpfen der Bevölkerung in Europa. Die Folgen seien „Löcher“ – urbane Brachlandschaften, die einen historischen Umbruch bedeuteten und eine Trendwende der europäischen Stadtentwicklung erforderten.

Beklemmend sind etwa die Bilder aus Dessau in Sachsen-Anhalt, wo sich nach Prognosen die Bevölkerung bis 2050 im Vergleich zu 1990 halbieren wird. Ähnliche „Löcher“ tun sich in Leipzig, Salzgitter, Berlin oder Bremen auf. Solche Betonruinen früherer Wohnsiedlungen oder Fabriken lassen laut Experten Spielräume, um im „Luxus der Leere“ neue Urbanität auszuprobieren. Aber „wenn das nicht von unten kommt, passiert nichts“, sagt Sieverts.

In den von Kunle begleiteten Beispielen kommt der Einsatz von unten, aus der Bürgerschaft. In Halle/Saale haben Aktivisten das mehrstöckige „Hotel Neustadt“ in eine Spielwiese verwandelt: das Treppenhaus als Rennstrecke für Mountainbiker, Balkons als Theaterbühnen, Schnitzeljagden auf den Fluren. In Gräfenhainichen bei Dessau ist aus einem ehemaligen Tagebau „Ferropolis“ entstanden – ein Veranstaltungsort und Tummelplatz für Künstler.

Die LAF-Mitglieder Katharina Küster und Jakob Allner argumentierten, dass solche Initiativen vorwiegend von jungen Menschen aus dem Bereich Kreativwirtschaft angestoßen würden. „Viele Hochschüler wohnen nicht in der Stadt und verbringen nicht viel Zeit hier“, sagte Küster: „Vielleicht haben wir ja den Startschuss gegeben.“ Pforzheim könnte sicher weitere Akzente wie den LAF-Projektraum in der Östlichen 7 gut gebrauchen.

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