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Zeitreise in die Vergangenheit: Der frühere Leiter der PZ-Stadtredaktion, Thomas Frei, führt Reuchlin-Gymnasiasten in den Film „Goldfever and the Bechtler Mint“ ein, der auf dem Pforzheimer Münzpräger Christoph Bechtler beruht. Gredel 

Filmpremiere „Goldfever and the Bechtler Mint“ zum Stadtjubiläum im Koki

Pforzheim. In Amerika wird er als Pionier und Erfinder der ersten amerikanischen Ein-Dollar-Münze gefeiert – in seiner Heimatstadt Pforzheim ist er jedoch so gut wie unbekannt. Das Kommunale Kino hat gestern nun anlässlich des 250-jährigen Goldstadtjubiläums erstmals den Dokumentarfilm „Goldfever and the Bechtler Mint“ über Christoph(er) Bechtler gezeigt – und rund 30 Schüler mit in den Goldrausch gerissen. Der „Bechtler-Experte“ und ehemalige PZ-Redakteur Thomas Frei entführte die Neuntklässler des Reuchlin-Gymnasiums ins 19. Jahrhundert und trat mit ihnen in die Fußstapfen des gebürtigen Brötzingers, der in Amerika Geschichte geschrieben hat.

Mit Leichtigkeit verfolgte die bilinguale Klasse in Begleitung der Englischlehrerin Iris Sibla dem 30-minütigen englischsprachigen Film, der 2012 seine Premiere in den USA hatte. Auch Alexander Weber vom Team „Goldstadt 250“ war vor Ort.

Thomas Frei führte das Publikum in die Geschichte des Pforzheimer Bijoutiers und Goldfabrikinhabers ein, der dem Goldrausch der USA im Jahr 1829 gefolgt war und dort mit seiner patentierten Goldwaschmaschine in der Kleinstadt Rutherfordton in North Carolina sein Münz-Imperium aufgebaut hatte.

„So, wie er vom Gold besessen war, bin ich es von Amerika und Bechtlers Geschichte“, gestand der Experte Thomas Frei, der sich seit 2002 in seiner Freizeit auf die Spuren Bechtlers begibt und Nachforschungen in Pforzheim, aber auch im amerikanischen Rutherfordton anstellt, den Schülern. Über 2,5 Millionen Goldtaler habe Bechtler handgeprägt – und das bei einem damaligen Gewinn von einem Gramm reinen Goldes pro 17 Tonnen dafür ausgehobenem Boden. Der Goldmünzen-Hersteller hatte sich so einen Namen gemacht und enormen Einfluss auf die wirtschaftliche Lage Amerikas ausgeübt. „Hier ist er zwar nicht bekannt, aber man muss stolz darauf sein, dass ein Pforzheimer zum Vorreiter in Amerika wurde und so viel bewirkt hat“, so Frei. Nach dem Film stand er den Neuntklässlern Rede und Antwort. Er berichtete über seine Suche nach Hinweisen über das Leben des Münzprägers und teilte mit ihnen seine Quellen und Dokumente über den vergessenen Pforzheimer.

„Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich herausgefunden habe. Es ist zwar zeitaufwendig, aber macht Spaß“, erklärte Thomas Frei, ohne den Christoph(er) Bechtlers Bedeutung für die Stadt wohl noch immer unentdeckt wäre. Auch die Premierengäste des Reuchlin-Gymnasiums sind sich einig, dass sich daran etwas ändern muss. „Goldstadt 250“ biete eine passende Gelegenheit, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, so die Englischlehrerin. „Ich hoffe, dass die Stadt in Zukunft mehr dafür macht. Ohne diesen Anlass wäre Bechtler nicht bekannter geworden“, erklärte der Experte.

Am Mittwochabend konnten sich bei einer öffentlichen Ausstrahlung auch private Interessenten vom Goldfieber anstecken lassen.

Am Mittwoch, 3. Mai, ist der Dokumentarfilm für Schulklassen zu sehen. Voranmeldungen telefonisch unter (0 72 31) 56619 70.