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Der Finanzplatz Pforzheim wünscht sich ein Präsidium vor Ort.
Der Finanzplatz Pforzheim wünscht sich ein Präsidium vor Ort.
09.03.2012

Finanzplatz Pforzheim wünscht sich Polizei-Präsidium vor Ort

Pforzheim. Die Sparkasse Pforzheim Calw ist nicht nur die größte Sparkasse in Baden-Württemberg, sondern auch die sechstgrößte Bank im Südwesten. Und die größte, die ernsthaft besorgt sein muss, künftig nicht mehr am eigenen Standort mit einer hochrangigen, mit weitgehenden Entscheidungsbefugnissen ausgestatteten Polizeiführung und mit ortsansässigen Polizei-Experten zusammenarbeiten zu können. Umso mehr, als das Haus auch einer der fünf größten Goldhändler ist – diesmal gar im weltweiten Vergleich.

Darum sieht die Führungsriege im Sparkassenturm die Diskussion um die Polizeireform mit gemischten Gefühlen. Zwar deutet manches darauf hin, dass Pforzheim Sitz eines der zwölf geplanten Regionalpräsidien der Polizei wird. Aber wenn nicht, verschwindet auch die alte Führungsstruktur der Polizeidirektion, und mit ihr Experten und Entscheidungsbefugnisse.

„Innerhalb von Minuten“

„Das Auge des Herrn macht den Ochsen fett“, zitiert der Sparkassen-Vorstandsvorsitzende Herbert Müller einen alten Spruch. Das bedeute: Unternehmen gedeihen gut, wenn sich jemand persönlich um ihre Sicherheit kümmert. Ein hochrangiger Polizist, der auch Entscheidungen treffen kann. „Wenn ich vor unserem Haus eine verdächtige Beobachtung mache und bei Polizeidirektor Burkhard Metzger anrufe, kann ich sicher sein, dass man sich innerhalb von Minuten darum kümmert“, berichtet Müller. Neben dieser Nähe unter Entscheidern sei es auch deren Ortskenntnis. „Schon in Karlsruhe weiß man doch nicht mehr so genau, was es bedeutet, wenn hier ein Schmuckvertreter mit seinem Musterkoffer unterwegs ist“, sagt der Sparkassen-Chef mit Blick auf Pforzheims Traditionsindustrie. Trotz des Schrumpfungsprozesses stammen immer noch 70 Prozent der deutschen Schmuckindustrie-Produktion aus dem Raum Pforzheim.

„Es sind drei Punkte“

Hinzu kommt in der Bankenbranche, dass für Beratung, Prävention und Verbrechensaufklärung Expertenwissen notwendig ist, wie es in Polizeidirektionen und den künftigen Präsidien vorgehalten wird. „Ich erinnere nur an das Skimming, das Abfischen von Bankkarten-Daten“, sagt Jürgen Zachmann, als Volksbank-Chef Verantwortlicher des zweiten großen Pforzheimer Bankhauses. Auch die schnelle Gründung einer Sonderkommission und deren rascher Fahndungserfolg nach dem Überfall auf die Volksbank-Filiale im Stadtteil Haidach (siehe weiteren Bericht im Lokalteil) belege den Vorteil der räumlichen Nähe. „Es sind drei Punkte“, fasst Zachmann zusammen: „Schnelle Entscheidungen durch kurze Wege. Menschen, die die Region kennen. Und Experten vor Ort.“

Eine Einschätzung, die auch Roland Müller als örtlicher Chef der Deutschen Bank teilt. Bei Austausch und Beratung über sicherheitsrelevante Fragen wie Personenschutz und Transport sei die Möglichkeit der direkten Ansprache und der kurzen Wege hilfreich.