nach oben
Nicht nur im Wortsinn ein vergleichsweise schlechtes Pflaster ist die Pforzheimer Fußgängerzone. Das könnte sich nun ändern – zur Freude von Bummlern und Einzelhändlern. Seibel/PZ-Archiv
Nicht nur im Wortsinn ein vergleichsweise schlechtes Pflaster ist die Pforzheimer Fußgängerzone. Das könnte sich nun ändern – zur Freude von Bummlern und Einzelhändlern. Seibel/PZ-Archiv
Wenig einladend ist derzeit die „gute Stube“ der Pforzheimer Innenstadt – zumal beim Gang durch die City nicht selten Autos von Lieferanten und Verkehrssündern umkurvt werden müssen. Durch einen umfassenden Umbau soll dieser Bereich zu einer attraktiven Flaniermeile werden.
Wenig einladend ist derzeit die „gute Stube“ der Pforzheimer Innenstadt – zumal beim Gang durch die City nicht selten Autos von Lieferanten und Verkehrssündern umkurvt werden müssen. Durch einen umfassenden Umbau soll dieser Bereich zu einer attraktiven Flaniermeile werden.
Sorgenvoll: Stadträtin Sibylle Schüssler, Handelssprecher Horst Lenk, Peter Wagner von „Pforzheim mitgestalten“ und Stadtrat Axel Baumbusch (von links).
Sorgenvoll: Stadträtin Sibylle Schüssler, Handelssprecher Horst Lenk, Peter Wagner von „Pforzheim mitgestalten“ und Stadtrat Axel Baumbusch (von links).
28.11.2015

Finanzspritze vom Bund: Neugestaltung der Fußgängerzone nimmt Formen an

Dass die Fußgängerzone in die Jahre gekommen, wenig ansprechend und dringend zu sanieren ist, darin sind sich Stadtverwaltung, Gemeinderat und Einzelhändler eigentlich einig. Doch Diskussionen darüber, ob zuerst Pforzheims „gute Stube“ oder doch der von Bussen überfrachtete Leopoldplatz umgestaltet werden sollte, vor allem aber die prekäre Haushaltslage der Stadt verhinderten bislang ein rasches Anpacken des Problems.

Umfrage

Ist die Pforzheimer Fußgängerzone noch zu retten?

Ja, wenn jetzt schnell investiert wird 28%
Vielleicht 13%
Nein, der Zug ist abgefahren 59%
Stimmen gesamt 1117

Nun könnte nicht nur alles ganz schnell gehen. Es muss sogar, will die Stadt diese Maßnahme für einen Bruchteil der eigentlich veranschlagten Kosten realisieren. Möglich macht dies eine satte Finanzspritze für strukturschwache Kommunen (siehe „Viel Geld fließt“). Nach PZ-Informationen geht die Verwaltung in die Offensive und will knapp die Hälfte der zur Verfügung stehenden Mittel in den Umbau der Fußgängerzone investieren.

Mehr Flair und Qualität

Wie berichtet, erhält Pforzheim zusätzlich rund 6,1 Millionen Euro für Investitionen, die mit strikten Vorgaben verbunden sind. Es muss sich um Maßnahmen für Bildungsinfrastruktur und Infrastruktur handeln. Und weil das Regierungspräsidium (RP) Karlsruhe den auf Kante genähten Pforzheimer Doppelhaushalt 2015/2016 nur unter Auflagen genehmigt hat, sollte das Geld nicht in neue, sondern in bereits geplante Projekte fließen. Eines davon ist eben die Sanierung der Fußgängerzone. Wie aus einer Sitzungsvorlage hervorgeht, die die Gemeinderatsfraktionen gestern Nachmittag erhalten haben, will die Stadtverwaltung etwa die Hälfte des Geldes dafür verwenden.

Die Fußgängerzone weise nach 30 Jahren erhebliche gestalterische und funktionale Mängel auf, heißt es in der Vorlage. Ziel sei es, das Image der Stadt und das Angebot ihrer City zu verbessern, das Stadtbild aufzuwerten und die Aufenthaltsqualität zu steigern. Die Fußgängerzone soll sich zu einem „1 a-Einkaufsbereich“ entwickeln – mit Magneten an beiden Enden, hochwertigen Läden, schmucken Fassaden und aufgewerteten Nebenstraßen, die Bezüge zu den Flüssen herstellen. Voraussetzung dafür ist eine ansprechende Flaniermeile. Die Stadt schlägt zwei Bauabschnitte vor: Zunächst soll der Bereich zwischen dem Marktplatz und den „Grazien“ gegenüber der Galeria Kaufhof umgebaut werden, im Anschluss der Teil von den „Grazien“ bis zur Leopoldstraße. Nicht in diese Pläne integriert ist der Bereich vom Marktplatz bis zur Deimlingstraße. Er ist Bestandteil des Projekts City-Ost im längerfristigen Gesamtpaket „Pforzheim-Mitte“.

Die Zeit drängt. Bereits am 8. Dezember sollen die Umbaupläne und die weiteren förderfähigen Maßnahmen (siehe „Infrastruktur und Bildung“) im Finanzausschuss beraten werden, damit am 15. Dezember im Gemeinderat ein Beschluss gefasst werden kann. Denn die Anträge für die Vorhaben müssen dem RP bis zum 31. Januar schriftlich vorliegen.

Entscheiden sich die Stadträte für die rasche Aufwertung der City, sieht der Zeitplan wie folgt aus: Bis zum dritten Quartal 2016 sollen ein Gestaltungshandbuch für die Innenstadt und ein Konzept für die Fußgängerzone erarbeitet werden. 2017 gingen dann Objektplanung, Vorbereitung und Ausschreibung über die Bühne, um 2018 beide Bauabschnitte umsetzen zu können. Denn die Finanzhilfen gibt es nur für Projekte, die bis Ende 2018 zu realisieren sind.

Insgesamt rechnet die Verwaltung für die Fußgängerzone mit Kosten von beinahe 2,75 Millionen Euro. Der Eigenanteil der Stadt würde lediglich zehn Prozent betragen, also knapp 275 000 Euro.

Wie es in der Vorlage heißt, befürworten die im City-Marketing organisierten Einzelhändler und Gastronomen einhellig einen solchen umfassenden und raschen Umbau. Deren Sprecher Horst Lenk bestätigt das auf PZ-Nachfrage. Beide Wirtschaftszweige sprächen sich „eindeutig und ohne Abstriche“ dafür aus. Lenk sieht darin eine „einmalige Chance“. Die Fußgängerzone sei Pforzheims Herzstück. Deren Umbau werde „zu 100 Prozent eine positive Auswirkung auf die gesamte Stadt“ haben. Er hoffe auf eine zukunftsweisende Weichenstellung durch den Gemeinderat.

Leserkommentare (0)