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Die Spiegelung macht’s möglich: Carsten Schwarz feiert einen Doppelerfolg. 
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Tut gar nicht weh: Wildpark-Förster Carsten Schwarz visiert vom Schlauchboot aus mit dem Betäubungsgewehr die Otterdame an, die sich auf der Insel eines Sees beim Waldkindergarten pudelwohl fühlt.Privat 
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Unschuldig blickt der Ausreißer drein, der Schwarz und seine Helfer vier Tage lang in Atem hielt. 
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Fang mich doch: Der Fischotter beäugt kritisch den Kescher, den Tierpflegerin Monika Kull in Händen hält. 

Fischotter büxt aus und hält Helfer vier Tage lang auf Trab

Solch hektische Feiertage hat Carsten Schwarz wohl noch nie erlebt. „Statt Ostereiern habe ich Otter gesucht“, sagt der Wildpark-Förster im PZ-Gespräch erschöpft, aber glücklich. Zumindest einen der beiden aus ihrem Gehege ausgebüxten Racker hat Schwarz inzwischen wieder dingfest gemacht – nach viertägiger Suche und mit tatkräftiger Unterstützung vieler Helfer.

Auf Karpfen-Jagd

Am Gründonnerstag hatte Schwarz die vorösterliche Bescherung entdeckt. Zwei der drei Fischotter des Wildparks waren weg. Sie hatten einen Tunnel gegraben und das Weite gesucht. Bitter, dass es sich ausgerechnet „um die mit Abstand cleversten Tiere“ handelte, die es laut Schwarz im Wildpark gibt. Entsprechend knifflig war die Suche. Fischotter, sagt Schwarz, „können außer fliegen einfach alles: buddeln, schwimmen, klettern, tauchen“. Kein Wunder, dass sie den Suchtrupps gleich mehrere Schnippchen schlugen. Sorgen, dass die Raubtiere fernab der Heimat verhungern könnten, mussten ihre Häscher nicht haben. „Die leben derzeit wie Gott in Frankreich“, sagt Schwarz verschmitzt mit Blick auf die aktuelle Krötenwanderung. Gut möglich, dass die Tierchen zu Ostern Froschschenkel auf dem Menüplan hatten.

Als einer der Otter schließlich am Samstag gesichtet wurde, war die Aktion noch lange nicht vorüber. Einen See nahe der Tiefenbronner Straße beim Waldkindergarten hatte sich die etwa siebenjährige Otterdame als Platz zum Tummeln und Karpfen-Jagen ausgeguckt. „Immer wenn wir uns näherten, ist sie einfach abgetaucht“, berichtet Schwarz. Auch die Insel in der Mitte des Gewässers diente dem Fischotter als Versteck. Die aufgestellte Lebendfalle ließ er die ganze Nacht über links liegen.

Dem Wildpark-Förster blieb nichts anderes übrig, als sich am Ostersonntag in sein mitgebrachtes Gummiboot zu setzen, die Insel übers Wasser anzusteuern und das Betäubungsgewehr zu zücken. Mehrere Schüsse musste er abgeben und wiederholt die Dosis des Narkotikums erhöhen: „Dieser Otter hatte gute Nehmerqualitäten.“ Schmerzhaft war diese Erfahrung für das Tier übrigens nicht. Ein Treffer mit dem Betäubungspfeil fühle sich an „wie ein Pikser in den Popo“.

Pfiffig und bissig

Beim Versuch, ihn anschließend einzufangen, biss der Fischotter trotzdem zu „wie der Teufel“ und witschte auch noch aus der Transportkiste. Erst beim dritten Anlauf war der Ausreißer „so müde wie wir auch“, und konnte zurück in sein Zuhause befördert werden. Den Fluchttunnel haben die Helfer inzwischen aufgeschüttet.

Ausruhen kann sich Förster Schwarz vorerst nicht. Er will das Gehege noch ausbruchssicherer und möglichst schnell auch die zweite Otterdame dingfest machen, weswegen er auf Hinweise aus der Bevölkerung hofft.

Ihm bleibt die Erkenntnis, dass Tierpflegerin Monika Kull, die Junior-Rangers Viktoria Spiegl und Jenny Menz und alle weiteren Helfer sich für ihre tierischen Freunde aus dem Wildpark ins Zeug legen. Und dass „unsere drei Otter-Mädels drei wahnsinnige Spitzbuben sind“.