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Was für eine Kulisse: Besitzerin Sandra Baral mit den Alpakas Mampfi und Chocolate, die PZ-Redakteurinnen Jeanne Lutz mit Fred und Anke Baumgärtel mit Nero (von links).

Flauschige Wanderkumpane und süßer Nachwuchs: Auf der Alpaka-Farm in Pforzheim

Wer mit Alpakas wandern möchte, der braucht vor allem eines: Geduld. Genau genommen gehen die niedlichen Gesellen nämlich mit ihren Besuchern spazieren. Oft sind saftiges Grün am Wegesrand oder der Hund am Horizont deutlich spannender. Das Hofgut Buckenberg in Pforzheim bietet seit Jahresbeginn geführte Touren an. Dieser Tage ist die Freude doppelt groß: Denn mit Fohlen Lana gibt es erstmals Nachwuchs bei den fröhlichen Vierbeinern.

Diese fünf sind eine lustige Truppe: Der neugierige Mampfi, Alphatier der jungen Herde, geht stolz voran. Gefolgt von Chocolate, dem Eigensinnigen, der seinen Namen seinem schokobraunen Wuschelfell verdankt. Der schlanke Nero – pechrabenschwarz – geht zurückhaltend in der Mitte. Fred ist der flauschige Liebling, der sich geduldig streicheln lässt und dem Wanderer nicht von der Seite weicht. Und dann ist da noch Karl. Moment, wo ist eigentlich Karl? Den Kleinsten im Bunde mit dem schiefen Grinsen muss man oft mehrmals bitten, zu folgen. Er frisst viel lieber Gras auf dem Gelände, auf dem im Herbst wieder die Heißluftballone steigen werden. Dann schließt er galoppierend auf.

Alpaka Hofgut Buckenberg 80
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Alpaka-Farm auf dem Buckenberg: Wanderung mit flauschiger Begleitung

Mampfi (links) führt die kleine Herde an, die anderen trotten ihm nach.

Ursprünglich wurden die Tiere angeschafft, um einen Teil der rund 50 Hektar Land grasend in Schuss zu halten, erzählt Sandra Baral. Seit November 2016 bewirtschaftet sie gemeinsam mit ihrer Familie das Hofgut Buckenberg, idyllisch von sechs Hektar Wiesen und Wäldern umgeben. Landwirtschaft hat bei den Barals Tradition. Das fing schon bei den Großeltern der 24-Jährigen an, die, wenn sie sich nicht gerade um Mampfi und Co. kümmert, Wirtschaftswissenschaften studiert. Lange suchte die Familie nach einem Grundstück ohne angrenzende Nachbarn mit konventioneller Landwirtschaft, die Einfluss auf ihre Produkte haben könnte – denn die Barals setzen auf die biologisch-dynamische Demeter-Anbauweise und planen, große Teile der Grünflächen für die Saat von Heil- und Gewürzpflanzen zu nutzen. Neben Feldern in Wurmberg und Großglattbach bestellen sie nun also auch die Flächen rund um das historische Hofgut, dessen Gewölbekeller auf das Jahr 1749 datiert ist – auch wenn es laut Baral Hinweise gibt, dass die Ursprünge der Siedlung, deren Haupthaus aus dem Jahr 1849 stammt, deutlich älter sind. Bei der Suche nach natürlichen Rasenmähern – „Pferde, wie sie es hier früher gab, interessieren micht nicht so“, sagt Baral – sei die Familie auf Alpakas gekommen. Da diese keine Huftiere, sondern Schwielensohler sind, verursachen sie im Wasserschutzgebiet keine Trittschäden. Hinzu kommt die gefragte Wolle, die sich wunderbar verkaufen lässt. Und ein weiterer Faktor, den die Barals aber gar nicht kalkuliert hatten: der große Alpaka-Hype. Die Idee, mit den Trendtieren wandern zu gehen, hatten eigentlich die Besucher, gesteht die 24-Jährige. Heute sind die Barals fast täglich mit den Tieren auf Tour. Insbesondere junge Städter liebten die entspannten Spaziergänge. Die Vierbeiner wirken beruhigend. Sorgen für Entschleunigung im hektischen Alltag.

Auf dem Foto ist Lana wenige Tage alt.

Und noch etwas lockt derzeit die Besucher: Seit 25. Juni haben die Alpakas Nachwuchs. Die kleine weiße Stute Lana mit den Kulleraugen ist das erste Fohlen auf dem Hof. Sie fiept viel, Experten nennen das Summen. Elfeinhalb Monate war Mutter Liz mit ihr trächtig.

Die Tiere gebären nur zwischen 9 und 14 Uhr. Das liegt in ihrer Natur: „In den Anden wäre die Gefahr zu groß, dass der Nachwuchs abends oder nachts erfriert“, erklärt Baral. Die Geburt an sich schaffen die Alpaka-Damen in der Regel ohne Hilfe. So auch Liz. „Als ich morgens um 6 Uhr in den Stall gegangen bin, war Lana noch nicht da. Als ich nachmittags wiederkam, ist sie schon durch die Gegend gerannt“, erzählt Baral. Vielleicht hat die 24-Jährige beim nächsten Mal mehr Glück – Anfang August ist nämlich Stute Greta mit ihrem Nachwuchs dran. Es wird der zweite Spross einer eigenen Hofgut-Buckenberg-Zucht sein. Etwa 50 Tiere, so Baral, sollen es werden. Dennoch heißt es: Erst einmal langsam mit den jungen Alpakas. Da die sechs Stuten stets fruchtbar sind, haben sie von den sieben Hengsten getrennte Ställe. Gedeckt werden sie auf einer Farm in Nürtingen. Es bleibt folglich beim liebevollen Beschnuppern durch das Gatter. Überhaupt sei die Haltung sehr entspannt, weiß die 24-Jährige. Den Großteil ihres Futters besorgen sich die Alpakas selbst direkt von der Wiese, hinzu kommt etwas Trocken-Kraftfutter für eine ausreichende Mineralienzufuhr. Da Alpakas sehr reinliche Tiere sind, ist auch das Misten recht einfach. Ähnlich wie Kaninchen, verrichten die Schwielensohler ihre Geschäfte an nur einer bestimmten Stelle. In Sachen Erziehung braucht es allerdings etwas Geduld. „Alpakas haben ihren eigenen Kopf“, stellt die 24-Jährige klar. Bis sie Vertrauen fassten, könne es etwas dauern. Doch ist die Beziehung erstmal aufgebaut, lässt es sich wunderbar mit ihnen in den Sonnenuntergang über dem Buckenberg wandern.

Einmaliges Erlebnis:

Ob Junggesellenabschied, Hochzeitsshooting oder Babybauchbilder – die Alpakas vom Hofgut Buckenberg sind gefragt. Fünf bis zehn Wanderungen finden hier wöchentlich statt. Für die Teilnehmer der Wanderungen geht es circa eine Stunde lang über Wiesen und durch Wälder. Pro Person kostet das Erlebnis 19 Euro. Infos auf www.hofgut-buckenberg.com.

Auf dem Alpakahof Beinberg in Bad Liebenzell samt Hofladen leben 60 der Tiere. Auch dort finden regelmäßig Wandertouren statt. Weitere Infos auf www.bypaka.de.

Und dann ist da noch Schmids Alpacalodge in Kraichtal. Infos auf www.alpacalodge.de 

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Anke Baumgärtel

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Thomas Meyer

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