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Ins Gespräch vertieft (von links): Ziyad Albirhim, Flüchtling aus dem Irak, Marvin Nestler, Projektkoordinator von „Perspektive“, Clara Scharpf, Leiterin des „Welcome Cafés“, und Edo al Salim, der inzwischen als Hiwi an der Hochschule arbeitet.
Ins Gespräch vertieft (von links): Ziyad Albirhim, Flüchtling aus dem Irak, Marvin Nestler, Projektkoordinator von „Perspektive“, Clara Scharpf, Leiterin des „Welcome Cafés“, und Edo al Salim, der inzwischen als Hiwi an der Hochschule arbeitet.
15.01.2017

Flüchtlinge auf dem Weg zum Studium

Über 1000 Asylbewerber haben im vergangenen Jahr in Pforzheim ein neues Zuhause gesucht – und dank der vielen Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit auch schnell gefunden. Ein Ort, an dem eine besondere Willkommenskultur gelebt wird, ist die Hochschule. Einmal im Monat findet dort das „Welcome Café“ statt, bei dem sich Studierende, Flüchtlinge und Hochschulmitarbeiter in gemütlicher Atomsphäre austauschen können.

Vier Ehrenamtliche berichten

Den Hut hat dabei die 22-jährige Clara Scharpf auf, die die Veranstaltung im Rahmen des Projekts „Perspektive“ der Studenteninitiative „InitiAid“ leitet. Sie wird eine von vier Ehrenamtlichen sein, die im Rahmen des „Interkulturellen Salons“ am morgigen Dienstag im Theaterfoyer von ihren Erfahrungen berichtet (siehe „Diskussion zum Ehrenamt“). Die PZ hat sie vergangene Woche vorab beim „Welcome Café“ besucht. An einem der Tische sitzt an diesem Abend Ziyad Albirhim aus dem Irak. Er ist erst seit zehn Monaten in Deutschland. Der 26-Jährige hat in seiner Heimat Mathematik studiert und träumt davon, hier eines Tages als Lehrer zu arbeiten. Schnell ist er ins Gespräch mit zwei BWL-Studentinnen vertieft. Sein Cousin Edo al Salim hat ihn mitgebracht.

Erfolgreiches Beispiel

Der 25-Jährige wiederum ist bereits seit drei Jahren in Deutschland und arbeitet inzwischen als studentische Hilfskraft an der Hochschule. Dort ist er Ansprechpartner für Flüchtlinge, die sich über ein mögliches Studium informieren. Der Vorteil: „Ich spreche Arabisch, Kurdisch und ein wenig Englisch“, sagt Edo – und unterschlägt dabei, dass er auch Deutsch bereits fließend spricht. Derzeit besucht er an der Hochschule einen Sprachkurs, Voraussetzung für sein künftiges Studium. „Controlling vielleicht“, meint er. Edo ist ein Beispiel dafür, wie erfolgreich das „Welcome Café“ ist, das es seit dem Wintersemester 2015/2016 gibt. 30 Besucher, überwiegend aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, sind an diesem Abend anwesend. Sie spielen das Gesellschaftsspiel „Tabu“.

Regelmäßige Ausflüge

„Ich war nach den Ferien überrascht, wie gut die Teilnehmer der Sprachkurse bereits Deutsch sprechen“, freut sich Leiterin Clara Scharpf, die im dritten Semester Marktforschung und Konsumentenpsychologie studiert. Schon bevor sie an die Hochschule kam, wollte sie sich für Flüchtlinge einsetzen, erzählt die 22-Jährige. Da kam die Leitung des „Welcome Cafés“ genau richtig. „Es freut mich jedes mal, die Neuankömmlinge hier so glücklich zu sehen“, sagt die Studentin.

Lernen fürs Leben

Daneben bietet das Projekt „Per-spektive“ ein Buddyprogramm an und organisiert regelmäßig gemeinsame Ausflüge. Koordiniert wird das Projekt von Marvin Nestler, der dafür bereits mit dem Förderpreis des Fördervereins ausgezeichnet wurde. Dessen Vorsitzender Martin Weiblen wiederum nutzt den Mittwochabend gleich noch, um 5000 Euro an die Studenteninitiative zu überreichen. Er findet: Hier lernen alle etwas fürs Leben.

Weitere Infos: https://blog.hs-pforzheim.de/perspektive