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Foto: Symbolbild © dpa
08.09.2015

Freispruch trotz fragwürdigen Fesselspielen vor der Kamera

Pforzheim. „Nacktfrosch“ – unter diesem Motto suchte ein 35 Jahre alter Industriekaufmann im August vergangenen Jahres junge Frauen für ein Foto-Shooting nahe einem Gewässer. Ein „Fotobuch“ habe er erstellen wollen, erklärte er am Dienstag vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Karl-Michael Walz. Der Mann musste sich wegen Vergewaltigung verantworten.

Er hatte eines seiner „Models“, eine 21-Jährige, an einen Baum gefesselt, ihr den Mund zugeklebt und dann sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen. Den Beischlaf hatte er indes nicht vollzogen. In Todesangst hatte die junge Frau, die nach eigenen Angaben „nur lebend aus der Sache rauskommen“ wollte, alles getan, damit der Mann nicht bemerken sollte, welche Angst sie hatte. Sie hatte mitgespielt. Hatte gelächelt. War ihm sogar behilflich gewesen. Die Szenen hatte der Mann gefilmt.

Die Prozessbeteiligten, unter Ausschluss der Öffentlichkeit, hatten also im Film eine lächelnde junge Frau gesehen, die keinerlei Widerstand leistete. „Wie sollte sie auch, in dieser schutzlosen Lage?“, empörte sich Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau, die 20 Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung und eine Geldauflage von 3000 Euro für den Angeklagten forderte.

Zeugin bricht in Tränen aus

Dem Mann sei es keineswegs um Kunst gegangen, sagte der Kriminalbeamte als Zeuge aus, der die Ermittlungen leitete. Alle Aufnahmen seien „reine Pornografie“ gewesen.

Aber auch Pornografie sei nicht strafbar, ebensowenig wie schlechter Geschmack, argumentierte Verteidiger Raich, der Freispruch beantragte. Sein Mandant habe nicht erkennen können, dass er gegen den Willen der jungen Frau handelte. Dieser Auffassung schlossen sich nach langer Beratungszeit auch die Richter an.

Amtsgerichtsdirektor Karl-Michael Walz verkündete Freispruch. Allerdings habe dieser, wie er in der Urteilsbegründung ausführte, „einen bitteren Beigeschmack“. Denn dass „etwas“ passiert sein musste an jenem 17. August vergangenen Jahres, liege auf der Hand. Die Zeugin, die während ihrer Vernehmung oft in Tränen ausbrach und nicht weiter sprechen konnte, war nach dem „Foto-Shooting“ wochenlang in therapeutischer Behandlung.

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