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Zeichen seitens der Otterstein-Unterstützer: Barbara Schanz-Hölzle (links) und Christina Burkard übergeben eine Unterschriftenliste an OB Peter Boch.
Zeichen seitens der Otterstein-Unterstützer: Barbara Schanz-Hölzle (links) und Christina Burkard übergeben eine Unterschriftenliste an OB Peter Boch.
03.10.2017

Freude über Planungsstopp am Nagoldhang

Pforzheim. Nachdem Oberbürgermeister Peter Boch in den vergangenen Tagen einige Kritik für seine Entscheidung gegen eine dezentrale Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der Otterstein-Schule einstecken musste (die PZ berichtete), bekommt er nun Rückenwind – nicht nur aus dem Gemeinderat heraus. Mehr als 500 Unterschriften zur Unterstützung haben Elternvertreter der Bildungseinrichtung innerhalb von vier Tagen gesammelt und nun an den OB übergeben.

Die Elternvertreterinnen Barbara Schanz-Hölzle und Christina Burkard danken Boch für seinen „starken Einsatz zum Erhalt der Schulerweiterungsfläche“. „Wir sind erleichtert und freuen uns sehr, dass sich ein Umdenken bei Stadtverwaltung und Stadträten abzeichnet“, so die stellvertretende Elternbeiratsvorsitzende der Otterstein-Realschule, Christina Burkard. Man habe den Eindruck, dass diese dabei nicht nur die Option zur vorübergehenden Verlagerung des Reuchlin-Gymnasiums, sondern auch die große räumliche Enge der Otterstein-Schulen sowie die steigende Bevölkerungszahl und die neuesten Prognosen zu steigenden Schülerzahlen im Blick hätten, so die Vorsitzende des Fördervereins der Otterstein-Realschule, Barbara Schanz-Hölzle.

Gemeinderat zeigt sich uneins

Der Gemeinderat ist derweil gespalten: Während die SPD die Absetzung der betreffenden Beilage unter Forderung eines Ersatzstandortes begrüßt hatte, bezeichnete die Fraktion WiP/Die Linke Bochs Entscheidung als „Kniefall vor den besser verdienenden Wutbürgern im Rod-Gebiet mit dem vorgeschobenen Argument der Schulerweiterung.“ Auch die Gemeinderäte von Bündnis 90/Die Grünen zeigten sich entsetzt.

Als „außerordentlich begrüßenswert“ bezeichnen FDP und Freie Wähler nun Bochs Entscheidung: „Wir haben ohnehin Anfang Juni dieses Jahres einen Antrag gestellt, der eine Erweiterung der beiden Otterstein-Schulen um fünf Klassenräume, Aufenthaltsmöglichkeiten sowie eine Kita vorsieht“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Schwarz (Freie Wähler). Die Fraktion hoffe, die akute Raumnot der Schulen sowie den im gesamten Stadtgebiet und besonders in Dillweißenstein vorherrschenden Platzmangel in der Kindertagesbetreuung durch die richtungsweisende Entscheidung des OB lindern zu können.

Auch die AfD-Fraktion unterstützt Bochs Entscheidung. Stadtrat Wolfgang Gremminger spricht von einer „unseligen Interessensverknüpfung von Befürwortern des massiven, dezentralen Baus von Flüchtlingsunterkünften und wirtschaftlichen Interessen an einer Wohnbebauung in attraktiver Lage“. Den Prüfauftrag für langfristigen Sozialwohnraum an diesem Ort bewertet er als „Ablenkungsmanöver, welches den Planungs- und Bauprozess nicht oder nur in geringem Umfang überleben dürfte“. Die Fraktion habe sich von Anfang an gegen die Planung ausgesprochen.

Dass Boch der Schulpolitik Vorrang einräume, gebe ein Zeichen der Hoffnung und „beschäme einen Gemeinderat, der damals trotz Kritik den Verwaltungsvorlagen gefolgt sei“. Als „absurd“ bezeichnet Fraktionsvorsitzender Bernd Grimmer diesen „Schritt der Vernunft“ als „Kniefall vor den besser verdienenden Wutbürgern“ zu diffamieren. pm/bel