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Fuchs in the City: Hilfe, ich habe Essen im Haar.
Fuchs in the City: Hilfe, ich habe Essen im Haar © Dietz
30.04.2013

Fuchs in the City: Hilfe, ich habe Essen im Haar

Im Stechschritt betrete ich an diesem Morgen mein Büro in der „Pforzheimer Zeitung“ und schreie einmal laut, so dass man mich auch in der hintersten Ecke noch hört: „Hallöle“. Die erhoffte Begeisterung meiner männlichen Kollegen weicht einem tatsächlichen Oh-Gott-wie sieht-die-denn-wieder-aus-Blick, als sie meine Frisur erkennen. Ich trage an diesem Morgen einen Dutt.

„Mach doch bitte dieses schreckliche Ding auf deinem Kopf weg“, rät mir Lieblingskollege Nummer 1 und fasst sich theatralisch mit der Hand vor die Augen. Er erträgt meinen Anblick wohl nicht länger. Lieblingskollege Nummer 2 sinniert fröhlich weiter: „So ein hübsches Mädchen, aber dieser Haarknoten, das geht einfach gar nicht.“ Meine Frisur erinnert die beiden an eine „alt-jüngferliche, vertrocknete Bibliothekarin“ oder auch an das Modell „Oma in Kittelschürze“.

Ich fühle mich leicht angegriffen und sitze noch nicht einmal auf meinem Bürosessel. Gott sei Dank gibt es da noch meine weiblichen Mitstreiterinnen. Lieblingskollegin Nummer 1 streut beiläufig in die morgendliche Diskussion ein: „Ich finde, sie kann das tragen.“ Sicher sagt sie das jetzt nur, weil sie selber gerade so ein Ding auf dem Kopf trägt. Ich hake nach: „Wieso darf sie eigentlich Dutt tragen und keiner von euch sagt was?“ „Sie ist im Vergleich zu dir ein gaaaaanz anderer Typ“, erklärt mir Lieblingskollege Nummer 2 und lächelt dabei auch noch frech. Ich schaue ihn mir genauer an. Ausgelatschtes Schuhwerk, wild wuchernder Vollbart. Jener Kollege lästert nun also über meinen vogelnestartigen Dutt. Der hat doch keine Ahnung davon, wie das ist, als Frau mit langem Haar den Alltag meistern zu müssen.

Kennt er etwa das Gefühl, morgens nach dem Aufstehen festzustellen, dass man heute einen Bad-Hair-Day hat und nur der hochgebundene Knoten einen Ausweg bietet? Und erst dieses ständige Elend mit dem Essen und Trinken. In regelmäßigen Abständen ist mein erstes Missgeschick des Morgens, das Haar in den Milchkaffee zu tauchen. Das ist richtig eklig, denn Milch riecht nach einigen Stunden ganz schön komisch. Ein bisschen wie Erbrochenes vom Baby.

Dann lieber das Haar in den Tee hängen, das klebt auch nicht so fürchterlich wie Apfelsaft. Schlimmer ist nur Essen im Haar. Mein Klassiker ist Joghurt – wenn ich gerade dabei bin, ihn genüsslich auf dem Löffel zum Mund zu führen und ihn dann im letzten Moment doch grobmotorisch im Haar verteile.

Ich hatte einmal eine Freundin, die musste man nie fragen, was sie am Tag so alles gegessen hatte, denn ihr Haar bot eine ständige Kopie ihres Speiseplans. Alles in Resten noch gut in der Mähne zu erkennen. Dieses Dilemma umgehe ich am einfachsten mit einem schnell hochgebundenen Knoten. Die Haare bleiben dann klinisch sauber – eine feine Lösung. Nur leider wissen das meine Kollegen nicht zu schätzen.

Immerhin haben sie Lösungsvorschläge für mich armes Haar-Opfer: „Mach doch einen Pferdeschwanz. Das sieht sowieso viel besser aus, als wenn du deine Haare so langweilig herunterhängen lässt.“ Danke, liebe Kollegen zu meiner Linken und Rechten, aber genau damit fühle ich mich so gar nicht wohl.

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