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Im Vordergrund das geplante vierte Kleeblatt im Gewerbegebiet Pforzheim Nord. Im Hintergrund das Amazon Versandlager und Kieselbronn. Foto: Meyer

Für dieses Gewerbegebiet soll der Regionalplan in Pforzheim geändert werden

Neuenbürg/Pforzheim. Der Planungsausschuss des Regionalverbands Nordschwarzwald hatte bei seiner Sitzung am Mittwoch im Neuenbürger Rathaus Peter Boch zu Gast. Der Pforzheimer Oberbürgermeister stellte dem Gremium um den Verbandsvorsitzenden Jürgen Kurz – Nieferns ehemaligen Bürgermeister – die Gewerbeflächenstrategie der Stadt vor.

Zu dem rund 15-minütigen Vortrag Bochs gab es keine Aussprache. Wohl aber zum Antrag der Stadt auf eine Änderung des Regionalplans, um ein Gewebegebiet „südlich des Hohbergs“ zu ermöglichen. Das Gebiet an der B294 gegenüber von Amazon ist auch als „viertes Kleeblatt“ bekannt und soll die bestehenden Gewerbegebiete abrunden. Auf 29,5 Hektar will Pforzheim Platz für Unternehmen schaffen. 20 Hektar davon entfallen auf einen sogenannten „Regionalen Grünzug“. Obwohl der Eingriff hier zulasten von Natur und Landschaft gehe, sei er „nach erster Einschätzung vertretbar“, so der Regionalverband in seiner Beschlussvorlage. Bei drei Gegenstimmen entschied der Planungsausschuss, eine Änderung in die Wege zu leiten.

Fragen zum „vierten Kleeblatt“

„Pforzheim hat seinen Flächenbedarf plausibel dargelegt“, bekundete Ölbronn-Dürrns Bürgermeister Norbert Holme (FDP) und lag damit auf einer Linie mit Kreisrat Günter Bächle (CDU) aus Mühlacker und Wildbergs Bürgermeister Ulrich Bünger (Freie Wähler). Auch Thomas Knapp (SPD) erkannte den Bedarf der Stadt an: „Das vierte Kleeblatt macht Sinn.“ Allerdings seien davon auch „zwei relevante landwirtschaftliche Betriebe“ existenziell betroffen, deren Zukunft geklärt werden müsse. Zudem solle die Stadt erklären, „warum plötzlich das Ochsenwäldle mit einem Federstrich praktisch vom Tisch war“. Der Birkenfelder Kreisrat Joachim Wildenmann (Grüne) kritisierte: „Pforzheim hat in der Vergangenheit Flächen verschwendet und wird nun durch das Verfahren auch noch dafür belohnt.“ Durch die Trendprognose falle der errechnete Bedarf dadurch nämlich höher aus. Dass für zwei Drittel der geplanten Gewerbefläche ein Grünzug unwiederbringlich zerstört werde und „fruchtbarste Böden auf immer verloren sind“, könne er nicht mittragen.

Im Rahmen seiner Präsentation hatte Boch zuvor erklärt, die Stadt Pforzheim habe bis 2038 einen Bedarf an rund 127 Hektar Gewerbefläche. Neben dem „vierten Kleeblatt“ seien zwei weitere Gebiete mit je etwa 60 Hektar in der Betrachtung: Das Ochsenwäldle an der A8 Richtung Wurmberg und Klapfenhardt an der A8 Richtung Ispringen. Boch betonte: „Wir halten den Planungsprozess sehr offen. Die Prüfungen laufen.“

In einer Art „Qualitätsoffensive“ wolle Pforzheim für eine nachhaltige Gewerbeentwicklung sorgen und auf eine Reduzierung des Flächenverbrauchs achten. Es gehe darum, die „richtigen“ Unternehmen aus „guten“ Branchen anzusiedeln, wie es auf einer der Präsentationsfolien hieß.

Boch dankte den Vertretern des Regionalverbands und den Bürgermeisterkollegen aus dem Enzkreis für die bisherige Kooperation, die wichtig sei für „die Entwicklung der Raumschaft“.

Diskussion über Outlet

Zum Ende der Sitzung, als Boch bereits gegangen war, wurde dann Pforzheim noch einmal Thema im Planungsausschuss. Bächle wollte wissen, ob der Regionalverband frühzeitig über die Factory-Outlet-Pläne der Firma Bader im Brötzinger Tal informiert gewesen sei. Verbandsdirektor Matthias Proske bestätigte dies: „Die Stadt müsste dafür den Bebauungsplan ändern, weil dieser Einzelhandel dort bisher ausschließt.“ Mit einem Schlag wäre das Pforzheimer Projekt von der Fläche her das zweitgrößte Factory-Outlet-Center Deutschlands nach Metzingen. „So ein Projekt macht die Mittelzentren tot“, kritisierte Mühlackers Oberbürgermeister Frank Schneider. Und Proske erklärte: „Nach derzeitigem Stand muss das Vorhaben aber sowohl an Landes- wie auch an regionalplanerischen Vorgaben scheitern.“ Jedenfalls solle das Thema im Regionalverband bald offiziell auf den Tisch kommen.