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Mit Rollator und Gehhilfe kommen etliche der Teilnehmer, die donnerstags zu ihrem Seniorenausflug starten. Doch am neuen Zentralen Omnibusbahnhof dürfen sie nicht einstiegen. Foto: Frei
Mit Rollator und Gehhilfe kommen etliche der Teilnehmer, die donnerstags zu ihrem Seniorenausflug starten. Doch am neuen Zentralen Omnibusbahnhof dürfen sie nicht einstiegen. Foto: Frei
17.07.2015

Für wöchentlichen Busausflug müssen Gehbehinderte am ehemaligen ZOB-Süd einsteigen

Die Vorfreude auf die wöchentliche Ausflugsfahrt ist für die Senioren stets groß, denn Busfahrer Rolf Straub (Goldstadt Reisen) kennt sich aus im Ländle. An diesem Donnerstag war das Fischerheim in den Rheinauen bei Hochstetten das Ziel. Die Woche zuvor war es auf den Spuren der Mühlenromantik durchs Zinsbachtal unweit von Pfalzgrafenweiler gegangen. Die Teilnehmer, die ältesten sind Mitte 90, einige auf den Rollator oder andere Gehhilfen angewiesen, schätzen die freundliche, hilfsbereite Art von Straub. Doch der ist sauer auf die Stadt, dass er nicht am neuen ZOB abfahren darf und seinen älteren Herrschaften einen teils mühevollen Weg zum ZOB-Süd zumuten muss.

„Wir haben Teilnehmer, die mit der Bahn beispielsweise aus Calmbach, Eisingen, Ersingen, Mühlacker oder Neuhausen, viele auch mit dem Bus aus der Nordstadt kommen. Und etliche müssen den beschwerlichen Weg über den Bahnhofplatz und mehrere Ampelüberquerungen auf sich nehmen“, schildert Straub die missliche Situation. Seit nunmehr 30 Jahren hat er einen Zustieg am alten ZOB-Süd. Gleich nach Bekanntwerden, dass ein neuer Zentraler Omnibusbahnhof gebaut wird, habe er sich ans Rathaus gewandt und gebeten, eine Abfahrtsmöglichkeit für seine Fahrgäste am neuen ZOB zu erhalten. „Nach mehrmaligem schriftlichem Nachfragen und auch bei Gesprächen mit den Stadtoberen habe ich die Antwort erhalten, dass keine Ausnahme möglich ist,“ klagt der Busunternehmer.

Und er fügt hinzu: „Ich frage mich, warum es Zentraler Omnibusbahnhof heißt, der dann doch nicht allen Busunternehmen, sondern offensichtlich nur für den öffentlichen Personennahverkehr zur Verfügung steht? Zudem, schauen Sie doch mal, die Kollegen nehmen ihre Wartezeiten im ZOB-Süd und nicht an ihren Bussteigen am ZOB. Dort sieht’s daher meist relativ leer aus.“ Dass er die Senioren nicht an zentraler Stelle das Einsteigen ermöglichen kann – „nach 15 Minuten sind wir ja wieder weg“ – stoße auf Unverständnis. Von der PZ auf das Problem hingewiesen, verlautete aus dem Rathaus: „Herr Straub soll sich mit den Fachämtern in Verbindung setzen, um einen für ihn geeigneten Haltpunkt zu definieren.“

Mehr als 50 Jahre am Steuer

Rolf Straub ist Busfahrer mit Leib und Seele. Früher fuhr er am liebsten nach Spanien, heute ist er mit seinem Bus, der den „Goldstadt“-Schriftzug trägt, eher in heimischeren Gefilden unterwegs. Er hat sich vor allem auf Betriebs- und Vereinsausflüge sowie Klassenfahrten spezialisiert. Nicht zu vergessen natürlich das wöchentliche „Seniorenfährtle“, wie er den Donnerstagtermin nennt. Aber zum Jahresende könnte nicht nur damit Schluss sein. Straub denkt ans Aufhören: „Schließlich sitze ich jetzt schon 53 Jahre am Steuer.“ Aber das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen.