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Zahlreiche Fragen gab es aus den Reihen der Anwesenden bei der Stadtsynode am Samstag. Besonders beim Thema Budgetierung gab es Gesprächsbedarf. Die 16 Gemeinden sollen künftig selbst Wege finden, einen Teil des Haushaltsdefizits auszugleichen.  Bechtle
Zahlreiche Fragen gab es aus den Reihen der Anwesenden bei der Stadtsynode am Samstag. Besonders beim Thema Budgetierung gab es Gesprächsbedarf. Die 16 Gemeinden sollen künftig selbst Wege finden, einen Teil des Haushaltsdefizits auszugleichen. Bechtle
Haben gemeinsam einiges zu Schultern: Der langjährige stellvertretende Dekan Hans Gölz-Eisinger mit seinem Nachfolger Jens Adam, Dekanin Christiane Quincke und dem Vorsitzenden der Stadtsynode, Christoph Mährlein (von links).
Haben gemeinsam einiges zu Schultern: Der langjährige stellvertretende Dekan Hans Gölz-Eisinger mit seinem Nachfolger Jens Adam, Dekanin Christiane Quincke und dem Vorsitzenden der Stadtsynode, Christoph Mährlein (von links).
22.11.2015

Gebäudeverkäufe, Fusionen und Flüchtlinge - Kirchenbezirk vor großen Aufgaben

Es sei eine große Reform, manche sagten sogar die größte seit 70 Jahren, vor der sich der evangelische Kirchenbezirk Pforzheim sieht, sagte der Vorsitzende der Evangelischen Stadtsynode, Christoph Mährlein, am Samstag im Anschluss an die zweitägige Sitzung. „Wir befinden uns in einem Gesamtstukturprozess“, es bedürfe großer Anstrengungen, den desolaten Haushalt in Ordnung zu bringen.

Bezirksreform: Im nicht-öffentlichen Teil war eine grundlegende Bezirksreform Thema. „Es ist alles noch sehr vorläufig“, sagte Mährlein. Ein Vorschlag sei, aus den bestehenden 16 Pfarrgemeinden fünf zu machen – und damit auf einen Teil der Gebäude verzichten zu können. In den großen Gebilden mit etwa 8000 Gemeindemitgliedern gebe es dann nicht nur die Möglichkeit, Sekretariatsangelegenheiten zu bündeln, sondern auch Aufgaben unter drei Pfarrern aufzuteilen, die gemeinsam eine Gemeinde verwalten. Die Gemeindearbeit soll darunter nicht leiden, Pfarrstellen sollen keine wegfallen. „Eine Reduzierung gibt es – wenn überhaupt – erst in zehn Jahren“, so Mährlein. Die Stellen hingen von der Zahl der Gemeindemitglieder ab. Man wolle vermeiden, dass noch mehr halbe Stellen zu besetzen seine, wie bereits in Würm der Fall. Diese seien schwer zu besetzen.

Gebäude: Der Versuch, dem Haushaltsdefizit über eine Gebäudereduzierung Herr zu werden, ist bereits seit längerem im Gange. „Unsere Gebäude sind fast alle 30 bis 40 Jahre alt“, sagt Mährlein. Das sei mit immensen Instandhaltungskosten verbunden. „Sanierungen stehen an, und das trifft uns in einer Situation, in der wir einfach kein Geld haben“. Man habe bereits auf einzelne Gebäude verzichtet, dies reiche aber bei weitem nicht aus. In Relation zur sinkenden Mitgliederzahl habe man etwa ein Drittel zu viel Fläche. Mit Beschlüssen, welche Gebäude veräußert werden sollen, werde sich Synode im kommenden März befassen.

Hermann-Maas-Haus: Eine neue Stelle wird zur Bauverwaltung geschaffen, um die beschlossenen Arbeiten an Gebäuden auch umsetzen zu können. Ein Bauvolumen von 15 Millionen Euro in den kommenden fünf Jahren – das könne man nicht ehrenamtlich stemmen, so Mährlein. Ein Vorhaben betrifft das Hermann-Maas-Haus. Eine Sanierung soll Büroflächen schaffen, die auch außerhalb der Kirche genutzt werden kann. Wenn irgendwann auch die Verwaltung „zurückgefahren“ wird, könnte so etwa ein Stockwerk vermietet werden.

Budgetierung: Der Grundsatzbeschluss einer Budgetierung der Gemeinden sei vor drei Jahren gefallen, so Mährlein – bislang ohne Konsequenzen. Das soll sich nun ändern. Die Zuschüsse an die Pfarrgemeinden vom Kirchenbezirk sollen künftig 60 Prozent des Gesamtbudgets ausmachen und sich neben einem Sockelbetrag von 10 000 Euro an den Mitgliederzahlen orientieren. „Die Diskussion war deshalb so kontrovers, weil die Gemeinden ein großes Defizit selbst einsparen müssen“, so Mährlein. 200 000 Euro des Gesamtdefizits, das für den Bezirk zwischen 400 000 und 500 000 Euro jährlich liegt, betrifft die Gemeinden. Nun sollen Wege gesucht werden, wie diese die Summe einsparen können. Überlegungen seien etwa, einzelne Räume nicht mehr zu nutzen um Heiz- und Reinigungskosten zu sparen, oder beim Pfarrsekretatariat einzusparen, so Mährlein. „Es sind nicht alle begeistert“, räumt er ein. „Sie haben Angst, dass sie in zwei bis drei Jahren kein Geld mehr haben.“ Was die Rücklagen angehe, stünden die Gemeinden, die einst selbstständig waren, im Vergleich zu den Innenstadtgemeinden besser da.

Kitas: Ebenfalls nichtöffentlich wurde über das Thema Kindertageseinrichtungen gesprochen. „Bei den Kitas haben wir ein massives Finanzierungsproblem“, sagte Mährlein. „Die Zuschüsse der Stadt decken die Kosten der Gebäudeunterhaltung nicht“. Man stehe in Verhandlung.

Kirchenasyl: Mährlein unterstreicht noch einmal, dass es die alleinige Entscheidung des Büchenbronner Ältestenkreises gewesen sei, einem Bedürftigen Kirchenasyl zu gewähren (die PZ berichtete). „Es war nicht die Entscheidung der Dekanin“. Die Synode habe bei wenigen Enthaltungen und einer Gegenstimme beschlossen, die Gemeinde zu unterstützen und ihre Solidarität mit zum Ausdruck gebracht.

Personalie: Nach 19 Jahren gibt Hans Gölz-Eisinger sein Amt als Stellvertreter der Dekanin aus Zeitgründen ab. Neu gewählt wurde Jens Adam, Pfarrer der Evangelischen Gemeinde Büchenbronn.