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Friedenslicht und Performance: syrische Jugendliche bei einer szenischen Darstellung ihrer Erlebnisse. Foto: Seibel
Friedenslicht und Performance: syrische Jugendliche bei einer szenischen Darstellung ihrer Erlebnisse. Foto: Seibel
21.12.2016

Gedenkfeier für Aleppo erinnert an das Leid in Syrien, aber auch an Berlin, Ankara und Zürich

Pforzheim. Als am Montagmittag die Einladung zur Mahnwache an die Opfer von Aleppo verschickt wird, weiß noch niemand, dass es wenig später einen zweiten schrecklichen Anlass geben würde. Und so steht auf den Schildern, die am Mittwochabend an der Ecke Bahnhofstraße/Poststraße hochgehalten werden, nicht nur der Name der syrischen Stadt, die zum Sinnbild der Zerstörung geworden ist, sondern eben auch Ankara, Zürich und Berlin, dessen Opfer kurz zuvor auf dem Waisenhausplatz gedacht worden ist.

Vom „Forum Asyl“ und Dekanin Christiane Quincke eingeladen, wollen die Teilnehmer, darunter zahlreiche Syrer, auf das Schicksal der Menschen in dem Kriegsland aufmerksam machen. „Es ist ja nichts Neues“, sagt Quincke und erinnert daran, dass das Töten „vor unseren Augen“ stattfindet. Die Flüchtlinge stellen ihre Erlebnisse szenisch dar, Zuschauer halten Kerzen, die am Friedenslicht entzündet worden sind. Auf Vogelgezwitscher folgen Kanoneneinschläge und Maschinengewehrsalven. Ein Kinderlied beklagt das Leid der Jüngsten.

Es mag Leute geben, die es lächerlich finden, räumt die evangelische Theologin ein: das Friedenslicht, die Hoffnung, der Appell an die Menschlichkeit. Tatsächlich steht eine Handvoll mittelalter Herren etwas abseits der Veranstaltung. Sie unterhalten sich, kommentieren das „Gesülze“, lachen, als ein junger Syrer erklärt, nicht wegen des Geldes nach Deutschland gekommen zu sein, sondern in Frieden leben, arbeiten und Steuern zahlen zu wollen. „Sollen froh sein, wenn sie etwas zu fressen haben.“

Das Gedenken soll vor allem ein Symbol des Miteinanders, des Mitgefühls sein. Deutlich mehr als die 50 erwarteten Gäste harren in der Eiseskälte aus, darunter zahlreiche bekannte Gesichter des öffentlichen Lebens. Quincke ruft sie auf, angesichts des Leids in Syrien und anderswo nicht zu schweigen. Leid wie das der Verwandten von Abdul-Kadir. Der 21-Jährige aus Aleppo ist seit einem Jahr in Deutschland, berichtet von Verwandten, die in ihrem Dorf in der Nähe der Großstadt wohnen und ihr Land nicht verlassen wollen würden. Er fürchte um ihr Leben.