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29.07.2008

Gefährliche Mischung: heiße Temperaturen und kaltes Wasser

Kaltes Wasser und heißer Sommer – eine verlockende Kombination. Wie gefährlich sie jedoch werden kann, zeigte am Sonntag das tragische Unglück an dem Ernst-Maurer-See, bei dem ein 60-Jähriger ertrank. Der Pforzheimer Schwimmmeister Andreas Ebel und Jürgen Hammer, Abteilungsleiter im Umweltamt Pforzheim, erklären, worauf man beim sommerlichen Badevergnügen achten sollte und wo in Pforzheim unbesorgt geplantscht werden darf.

Dass man mit vollem Magen das Wasser meiden und unbekannte Gewässer niemals mit dem Kopf voran erforschen sollte – das haben inzwischen die meisten mitbekommen. Was jedoch nur wenige beachten, ist die Vorschrift, sich vor dem Schwimmen abzuduschen. Die Schilder, die neben jeder Schwimmbad-Dusche aufgebaut sind, empfinden viele vielleicht als Schikane – oder als Appell zu mehr Reinlichkeit.

Tatsächlich, so erklärt Schwimmmeister Andreas Ebel, sollte man aber niemals überhitzt ins Wasser springen. „Immer darauf achten, dass man abgekühlt ist, dass man vorher geduscht hat“, sagt er. „Gerade im Sommer ist die Gefahr der Hitzerschöpfung und des Hitzschlages groß.“

Mit Bier im Bauch nicht ins Wasser

Eine weitere Gefahrenquelle ist der Alkohol. So verlockend ein, zwei kühle Bierchen im Freibad sein mögen – Ebel rät dringend, darauf zu verzichten. Bei älteren Leuten mache zudem oft der Kreislauf Probleme. „Zum Beispiel im Emma-Jaeger-Bad, wenn die Leute vorher in der Sauna waren und mit hochrotem Kopf ins Wasser gehen, ohne sich vorher abzukühlen: Da kommt es dann leicht zum Kreislaufzusammenbruch.“

Generell sei es gerade bei großer Hitze durchaus möglich, dass man als Schwimmmeister auch einmal Erste Hilfe leisten müsse.  Lebensbedrohlich ist es zum Glück selten, das passiert vielleicht einmal im Jahr.“ Gerade bei Kindern, so Ebel, sei die Gefahr die Unkenntnis ihrer Grenzen: „Sie gehen ins tiefe Wasser und überschätzen ihre eigene Leistung.“

Chemisch sauber, aber nicht frei von Bakterien

Außerhalb der Frei- und Hallenbäder entstünden Risiken vor allem dadurch, dass häufig der Grund des Gewässers nicht eingesehen werden könne. „Im Schwimmbad bemerke ich schnell, wenn jemand nicht wieder hochkommt. Das ist in morastigen Seen oder Flüssen schwieriger.“

Und wie empfehlenswert ist es generell, in den Gewässern Pforzheims baden zu gehen? Jürgen Hammer, Abteilungsleiter im Umweltamt Pforzheim, erklärt: „Schädlich ist es eigentlich nicht, in den Pforzheimer Flüssen zu baden. Die Gewässer in der Umgebung sind grundsätzlich sehr sauber und in den letzten Jahren immer sauberer geworden.“

Die chemische Beschaffenheit der Flüsse sei inzwischen sehr gut. „Wir bewegen uns hier in Pforzheim im grünen Bereich, es sind kaum noch Schwermetalle im Wasser nachzuweisen.“ Dasselbe gelte für den Grad der biologischen Verunreinigung des Wassers. „Wir haben schon früh in den siebziger Jahren angefangen, die industriellen Abwässer zu klären und sind dann später mit dem Ausbau der Kläranlagen auch bei den häuslichen Abwässern sehr weit gekommen.“

Nach der Kläranlage wird es ungesund

Einschränkend fügt er hinzu: „Man muss jedoch natürlich sagen, dass sich viele Flüsse im Abstrombereich von Kläranlagen befinden. Das Wasser, was da von den Kläranlagen hineinkommt, ist grundsätzlich gut. Doch in einem solchen Fall ist die Keimbelastung sehr hoch, und gerade für Leute mit geschwächtem Immunsystem kann es dann beim Baden zu Problemen kommen.“ Auch wenn ein Ganzkörperbad also besser in der heimischen Badewanne eingenommen werden sollte – eines kann Hammer bedenkenlos empfehlen: „Die Füße können Sie jederzeit 'reinhängen – das macht Spaß und kühlt ab!“

Erlaubt, wenn auch nicht immer gesundheitsfördernd, sei das Plantschen übrigens überall dort, wo es öffentliche Flächen gebe. Wer Spaß am kühlen Wasser hat, sollte jedoch auch an seine Umwelt denken. „Der komplette Würmbereich“, erläutert Hammer, „steht unter Naturschutz, so dass man die Würm – bis auf die Freizeitwiese – zum Baden grundsätzlich meiden sollte.“ Das Problem bei der Würm sei zudem, dass sie im Sommer besonders wenig Wasser führe. „Der Anteil des Wassers, der von den Kläranlagen kommt, ist hoch – so dass mit Keimbelastungen gerechnet werden muss.“

Und ganz exklusiv gibt Hammer den Tipp zur besten Badestelle: „Schön ist es an der Dietzelswiese oder auch an den Breiten Wiesen.“ Bei Letzteren heißt es aber: „Vorsicht, Naturschutzgebiet! Da sollte man auch auf die Tiere achten, dass die sich zurückziehen, sich wohlfühlen können – und auch ihr Plätzchen zum Baden haben.“