nach oben
Das Szenario: Ein Unfall mit einem Transporter, der gefährliches Gefahrgut geladen hat. Wie wichtig es ist, dass in so einer Extremsituation alle rettenden Einsatzkräfte vor Ort wissen, was zu tun ist und sich niemand in die Quere kommt, hat am Samstag ein solcher Probeeinsatz bei der „interdisziplinären Fortbildung der Einsatzkräfte Pforzheims“ (iFEP) im Helios Klinikum gezeigt. © Meyer
18.09.2016

Gefahrgut-Extremeinsatz auf Probe – alle Retter rüsten sich gemeinsam

Pforzheim. Ein Unfall mit einem Transporter. Zwei verletzte Insassen. Ein auf den ersten Blick ganz normal wirkender Routine-Einsatz. Doch dann am Unfallort die Überraschung: Das Unfallfahrzeug hat gefährliches Gefahrgut geladen. Wie wichtig es ist, dass in so einer Extremsituation alle rettenden Einsatzkräfte vor Ort wissen, was zu tun ist und sich niemand in die Quere kommt, hat am Samstag ein solcher Probeeinsatz bei der „interdisziplinären Fortbildung der Einsatzkräfte Pforzheims“ (iFEP) im Helios Klinikum gezeigt.

Bildergalerie: Gefahrgut-Extremeinsatz auf Probe beim Helios Klinikum

Zum sechsten Mal findet der Fortbildungstag für die verschiedenen Hilfsorganisationen Pforzheims statt, bei der sich dieses Jahr alles um das Thema Gefahrgut gedreht hat. Rund 100 Teilnehmer vom Klinikum, dem Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Arbeiter Samariter Bunds (ASB), der Polizei und der Feuerwehr sind zusammengekommen, um sich in Theorie und Praxis gemeinsam auf diese Art von Einsatz vorzubereiten. „Die Intention der Veranstaltung ist es, verschiedene Organisationen zusammenzubringen, damit jeder sieht, wie die anderen arbeiten. Wir behandeln komplexe Szenarien, bei denen schnell Entscheidungsträger aus allen Bereichen gefordert sind. Die Arbeit läuft besser, wenn sich die Leute kennen“, erklärte Prof. Dr. Clemens Bauer, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Notfallmedizin.

Allein im Jahr 2013 habe es 140 Millionen Tonnen Gefahrgut wie Kraftstoffe und Chemikalien auf der Straße geben, so Bauer. „Das ist ein aktuelles Thema aus der alltäglichen Arbeit“, bestätigte auch Dr. Felix Schumacher, ärztlicher Verantwortlicher für den Rettungsdienst. „ Die Stoffe können sich ändern, das ist das Gefährliche, das viele nicht wissen. Aufgrund der Nachfrage vom letzten Jahr haben wir den Einsatz dann zusammen entwickelt und die Rückmeldungen waren sehr positiv.“ Die Übungen seien geplant und sollen zeigen, was sich aus ihnen entwickeln kann, ergänzte Feuerwehrkommandant Sebastian Fischer. „Die Zusammenarbeit der einzelnen Organisationen läuft hervorragend. In der Krise Köpfe kennen –das ist unser Motto.“

Neben dem Großeinsatz auf Probe fanden Workshops und Übungen zu den Themenbereichen Hygiene und geburtshilflicher Notfälle statt. Die Berufsfeuerwehr stellte zudem Uniformen und Schutzkleidung aller Art vor, während die Polizei den Teilnehmern die richtigen Griffe und Selbstverteidigungsmaßnahmen bei unerwarteten Gegenangriffen am Unfallort zeigte, denn andere Gefahrenstellen im Umfeld würden oft vernachlässigt werden, so Polizei Hauptmeister Dennis Hoffmann. „Die Rettungsärzte werden zunehmend mit solchen Fällen konfrontiert, die Hemmschwelle wird immer niedriger“, sagte Bauer. „Die Nachfrage für IFEP ist daher jedes Jahr sehr groß und die Plätze sind konstant ausgebucht.“

Die Idee zu der interdisziplinären Fortbildung entstand bei einer Unfallnachbesprechung nach einem schweren Unfall vor sieben Jahren und war damit ein Vorreiterprogramm in Deutschland.