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12.05.2009

Gemeinderatskandidaten diskutieren über Pforzheim

PFORZHEIM. Auf großes Publikumsinteresse ist am Dienstagabend eine Diskussionsrunde im Kulturhaus Osterfeld mit Kandidaten für den Gemeinderat gestoßen. Kernfrage: Wie steht es um Pforzheim? Was kann besser werden?

Gar nicht so einfach – in knappen Worten Antworten zu finden auf Fragen wie: Wo steht die Innenstadtentwicklung in fünf Jahren?Welche Projekte stehen auf der Prioritätenliste ganz oben? Wie will man die City beleben? Muss mehr für die Kultur investiert werden? Sind Bürger ausreichend beteiligt? Da kann man schon mal den von den Moderatoren Jürgen Metkemeyer, Chefredakteur der „Pforzheimer Zeitung“, und Thomas Täge (Wirtschaftsjunioren) vorgegebenen Zeitrahmen hart streifen – oder den Kern der Frage. Und statt dessen das herunter rattern, was man schon immer sagen wollte zum Wahlprogramm.

Im Großen und Ganzen halten sich die Vertreter der Parteien beziehungsweise Gruppierungen an die Vorgaben: je ein aktives Gemeinderatsmitglied plus ein Kandidat auf der Liste – sei es die CDU, die SPD, die Grüne Liste, die Freien Wähler und die Unabhängigen Bürger. Eine Ausnahme bildete nur die Liste Bürgerbeteiligungshaushalt – hier fehlte (entschuldigt) Hans-Joachim Bruch – sein Listen-Freund Stefan Laszczyk springt in Sachen Wunsch nach mehr Einbeziehung der Bürger in die Kommunalpolitik zuverlässig ein. Auf energischen Widerspruch des Liberalen Philipp Paschen stieß die Forderung der SPD-Fraktions-Chefin Dorothea Luppold nach einer neuen Unternehmerkultur in Pforzheim, um die Innenstadt nicht ausbluten zu lassen. Die SPD wiederum hält nichts von der Absage, die die FDP der Bewerbung für eine Landesgartenschau erteilt.

Und wo sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Florentin Goldmann für eine Westtangente noch zu Lebzeiten der Diskutanten einsetzt, fordert Grünen-Stadträtin Sibylle Schüssler, von dem Vorhaben gedanklich Abstand zu nehmen. Sie macht klar: Pforzheim braucht mehr Arbeitsplätze, geschaffen durch die Ansiedlung von Umwelttechnik-Firmen. Das bringt Geld in die Taschen der Leute – und treibt sie nicht mehr in die Billigläden, die zur optischen Ödnis in der City beitragen – aber nicht die Ursache des Billig-Einkaufens sind.

„Schmuddelecken“ sieht Tobias Krammerbauer (Unabhängige) zuhauf; er will den verkehrsberuhigten Schloßberg zur Kneipen- und Kulturmeile machen. Sein Kollege Zilly assistiert: Er will gar einen fußläufigen Bereich von der Nordstadt bis zum Davosweg.

Einen Ausbau der Schulen und Kindergärten, des öffentlichen Nahverkehrs und der Kultur will Kai Reichart, Arzt und Freier Wähler.
Mehr Kreativität – Stichwort: Kompetenzzentrum – fordert vor allem FDP-Mann Hans-Ulrich Rülke, um Potenzial für die Wirtschaft zu generieren. Das Kollmar & Jourdan-Haus sieht eine Mehrheit auch in Sachen Kultur als sinnvolle Ergänzung an. In diesem Sektor wünscht sich CDU-Sprecher Goldmann ein größeres Engagement des Enzkreises: „Wenn der Enzkreis an seine 50 000 Euro Zuschuss zum Stadttheater eine Null dranhängt, wäre uns das eine große Hilfe“, sagt er. Derweil sind sich die beiden jungen Kandidaten Tobias Krammerbauer (Unabhängige Bürger) und Hagen Weiß (CDU) einig, dass mehr Investitionen in Jugendarbeit später geringere Ausgaben im Sozialsektor mit sich bringen können. Eine Gegenfinanzierung könne durch niedrtigere Standards in der räumlichen Ausstattung erfolgen, sagt Gerhard Hager (Freie Wähler). Sybille Schüssler bedauert, dass der Stadtjugendring nicht übers Geld verfügt, weiterhin das Marktplatzfest ausrichten zu können. Jaqueline Roos (SPD) beklagt die Schwierigkeiten, eine Ganztagsbetreuung für Kinder auch jenseits des Kindergartenalters zu finden.

Und Aufmerksamkeit will auch Raphael Mürle: Zu Anfang und Ende lässt sein Alter Ego Oskar Schneider die Puppen tanzen.