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Generalüberholung: DDR-Museum in Pforzheim stellt sich neu auf © dpa
50 Jahre nach Mauerbau - PZ-news erkundet das DDR-Museum
21.10.2014

Generalüberholung: DDR-Museum in Pforzheim stellt sich neu auf

Pforzheim. Noch sieht alles aus wie immer - und das ist recht kunterbunt. Im DDR-Museum in Pforzheim, dem bis heute einzigen DDR-Museum in Westdeutschland, sind die Vitrinen vollgestopft mit Alltagsgegenständen aus der DDR, Fahnen, Grenzpfählen, Plastikgeschirr, Anstecknadeln.

Seit 1998 gibt es die so umfangreiche wie bedeutende Privatsammlung des gebürtigen Dresdners Klaus Knabe, die nun im Jahr des 25. Jahrestages des Mauerfalls vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Rechtzeitig zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung 2015 soll alles fertig sein.

«Jeder Raum wird anders», erklärt die Historikerin Florentine Schmidtmann, die das Projekt wissenschaftlich betreut. «Es handelt sich um eine komplett neue Konzeption.» Die Sammlung sei sehr umfassend und detailreich, das Museum müsse aber jünger und moderner werden. «Wir brauchen mehr Leitlinien, Führung und Struktur.»

Die letzte professionelle Gestaltung des Museums liegt elf Jahre zurück, seitdem hat sich viel verändert. Das Haus leidet nach Worten Volker Römers vom DDR-Museumsverein unter einem Besucherrückgang, was «weniger mit den jungen Leuten zu tun hat, sondern der Affinität zu Museen überhaupt», erklärt er. Rund 4500 Besucher verzeichnete das DDR-Museum zuletzt jährlich; Zweidrittel davon sind Schulklassen.

«Wir müssen weg von der reinen Wissensvermittlung und die Leute anders anlocken», sagt Römer. Zeit also für einen Rundum-Relaunch, der rund 250 000 Euro kosten soll. Das finanzieren die Baden-Württemberg-Stiftung und Sponsoren - etwa 70 000 Euro fehlen noch.

Nur rund ein Viertel der circa 3000 Exponate soll für den Besucher sichtbar bleiben, der Rest wandert ins Archiv. «Die Tendenz geht heutzutage ganz klar in Richtung Reduktion: Ein Objekt, mit dem man eine Geschichte erzählt, sagt mehr als zehn Objekte», erklärt Historikerin Schmidtmann.

Als neuen Schwerpunkt hat sich das Museum unter anderem das Thema «Ankommen im Westen» vorgenommen. Oft endeten Fluchtgeschichten oder Bücher zum Thema DDR mit dem Satz: «Und dann waren sie im Westen», sagt Schmidtmann. «Wir wollen deutlich machen, dass es auch ein «Danach» gab: Wie kamen die ausgebürgerten, freigekauften oder geflüchteten Menschen im Westen zurecht?» So hatten beispielsweise viele Flüchtlinge großen Anteil am Nachkriegs-Wirtschaftswunder.

Ein weiterer Fokus liegt auf den «Kontakten in den Osten»: Dabei sollen Geschichten von Kirchenpartnerschaften oder Brieffreundschaften aufgegriffen und dem Handel zwischen Ost- und Westdeutschland nachgegangen werden. Nicht nur ließen etwa Konzerne wie Ikea ihre Westprodukte in der DDR anfertigen, sondern auch genuine DDR-Produkte waren als Exportartikel im Westen gefragt: Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge, Meißner Porzellan oder Kameras der Marke Praktica sowie der Devisenbringer Exakta, ebenfalls ein Kamera.

DDR-Museen gibt es in Deutschland en masse: Etwa 50 Museen, Gedenkstätten und Denkmale listet die gleichnamige Arbeitsgemeinschaft alleine entlang der früheren innerdeutschen Grenze auf. Das Pforzheimer Museum zählt Schmidtmann dabei unter die bundesweit zehn bedeutendsten. «Wir haben einen politischen Auftrag», sagt sie. Viele andere sogenannte DDR-Museen verstünden sich hingegen eher als Heimatmuseum mit Hang zur (N)Ostalgie, fügt Römer hinzu.

Das Anliegen des Pforzheimer Museums bleibt auch nach der Neukonzeption «grundsätzlich die Geschichte der DDR und die Diktaturerfahrung», betont Schmidtmann. So wird sich gerade der recht beklemmende Keller des Drei-Etagen-Gebäudes nicht wesentlich verändern. Der Besucher kann hier auch künftig ein Verhörzimmer besichtigen oder auf Original-Zellentüren berüchtigter Gefängnisse wie Bautzen, Hoheneck oder Hagenow blicken. «Die meisten gehen nachdenklicher, als sie gekommen sind», sagt Römer.