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Wo jetzt an der Postwiesenstraße noch Büsche wild wachsen, soll in naher Zukunft ein Supermarkt entstehen.
Wo jetzt an der Postwiesenstraße noch Büsche wild wachsen, soll in naher Zukunft ein Supermarkt entstehen.
30.03.2012

Geplanter Supermarkt im Rodgebiet stößt auf geteiltes Echo

Pforzheim. Noch ist es vor der Terrasse von Ingrid und Jürgen Ballier grün. „Eine Insel“, schwärmt die 74-Jährige. Damit könnte es bald vorbei sein. Nicht nur, weil noch – wie vorgesehen – zwei Mehrfamilienhäuser auf dem Areal der Pforzheimer Baugesellschaft Bau und Grund (zu den Anteilseigner zählt auch die Stadt) hochgezogen werden sollen. Vielleicht. Sondern weil ein Supermarkt entstehen könnte, 1400 Quadratmeter groß, es wäre der einzige im Rodgebiet.

Ein entsprechender Aufstellungsbeschluss hat eine – wenn auch knappe – Mehrheit im Gemeinderat gefunden. „Endlich“, sagen die einen. „Überflüssig“, die anderen. Ingrid Ballier und ihr Mann gehören zu Letzteren. „Ich könnte mir sogar vorstellen, hier wegzuziehen“, sagt Ingrid Ballier. Dabei sind sie erst vor vier Jahren zur Miete eingezogen, nachdem sie das Haus an der Hercyniastraße, wo sie 28 Jahre wohnten, verkauft hatten, weil es zu groß für das Rentner-Ehepaar geworden war. Doch so ein Einkaufsmarkt, einen Steinwurf entfernt? „Stellen Sie sich doch den Verkehr vor, der dann herrscht“, sagt Jürgen Ballier. Sie waren in den Ausschusssitzungen, Ingrid Ballier hat einen Ordner angelegt.

Wenn der Einkaufsmarkt komme, stelle dies einen „Vertrauensbruch gegenüber den Anliegern dar, die in gutem Glauben an eine ruhige Wohngegend dort ihr Geld investiert haben“, klagt Heide Bentner. Für alle Besitzer von Grundstücken und Häusern werde eine Entscheidung pro Supermarkt einen erheblichen Wertverlust darstellen. Allein schon die Andienung des Marktes durch Lastwagen – ein Schreckens-Szenario.

Gemach, gemach, sagen die Befürworter eines Aufstellungsbeschlusses. Dieser Vorgang stelle doch erst die Basis für eine eingehende Untersuchung und die Befragung der Bevölkerung dar.

Was wäre, wenn?

Vielleicht fragt man Menschen wie Ilona K. (Name geändert). Ihren Namen will sie nicht nennen - „ich bin die einzige im Haus, die für einen Einkaufsmarkt ist“. „Ich hab nur Angst, dass der pleite geht, und dann kommt was anderes hin, ein Bordell oder ein Spielcasino beispielsweise.“

Martha J. unterrichtet an einer der beiden Schulen. Ihren Namen will sie nicht in der Zeitung lesen. Sie kommt mit dem Auto aus einem anderen Landkreis. „Wenn ich in der Mittagspause die Einkäufe hier machen könnte, bräuchte ich es nicht mehr abends machen, wenn ich von der Arbeit nach Hause komme“, sagt sie. Und sich mal ein Brötchen zu holen - „wäre auch nicht schlecht“.

Auch hier kontert Heide Bentner, die ehemalige Kämpferin für die Umgestaltung des damals neuen Leopoldplatzes („Was zu viel ist, ist zu viel“): Viele Schüler würden die räumliche Nähe zu Süßigkeiten und Zigaretten zu nutzen wissen – „und die neu gebaute Mensa in der Waldorfschule könnte man auch gleich schließen“.

Ein Neubürger im Rod kennt von da, wo er herkommt, die Abwesenheit eines Supermarkts in einem Stadtteil nicht: „Ich will einen Markt, zu dem ich zu Fuß latschen kann, statt mit dem Auto durch die halbe Stadt zu gurken.“

„Wenn das Ganze architektonisch ansprechend ist“, sagt ein alteingesessener Rod-Bürger, „warum denn nicht?“

So weit ist es noch lange nicht – auch nicht für Günter Wachtler. Seit November 2004 betreibt er mit seiner Frau den „nah und gut“-Markt am Ludwigsplatz. Das Angebot auf kleinstem Raum im Herzen von Dillstein nennt er „ein Vorzeige-Objekt“. Wachtler bestätigt PZ-Informationen, wonach er sich vorstellen könnte, dass seine Tochter einen Edeka-Markt an der Postwiesenstraße betreiben könnte – wenn er denn käme. Doch das sind noch ungelegte Eier.

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