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Insgesamt 30 Aktenordner stecken in den drei Kartons, die die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts sichten muss. Dann wird das Verfahren gegen einen Beamten terminiert.
Insgesamt 30 Aktenordner stecken in den drei Kartons, die die Auswärtige Große Strafkammer des Landgerichts sichten muss. Dann wird das Verfahren gegen einen Beamten terminiert. © Seibel
30.09.2010

Gerichtsvollzieher soll 122.000 Euro veruntreut haben

PFORZHEIM/ENZKREIS. Wegen des Verdachts der Untreue in 133 Fällen ist ein Gerichtsvollzieher bei der Großen Strafkammer angeklagt. Er soll über 120.000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

Monatelang hatten sich Kriminalpolizei, Bezirksrevision des Landgerichts und Staatsanwaltschaft durch Aktenberge gewälzt. Die Ermittlungen gegen den seit 8. Juli dieses Jahres suspendierten Gerichtsvollzieher Valentin S. (Name geändert) gestalteten sich schwieriger als gedacht. Jetzt steht die Anklage gegen den 47-Jährigen. Wegen der Dimension des Falles wird er vor der Auswärtigen Großen Strafklammer des Landgerichts Karlsruhe in Pforzheim verhandelt.

Valentin S., so die Anklage, soll in 133 Fällen Geld, das eigentlich Gläubigern, Schuldnern und der Staatskasse zugestanden hätte, veruntreut haben (die PZ berichtete). In 52 Fällen wird ihm Verwahrungsbruch – also die vorsätzliche Vernichtung von Akten – vorgeworfen. In einem Fall soll er sich einer uneidlichen Falschaussage schuldig gemacht haben. Insgesamt hat er laut Oberstaatsanwalt Christoph Reichert auf Anfrage der „Pforzheimer Zeitung“ von 2004 bis zu seiner Amtsenthebung rund 122 000 Euro veruntreut.

Valentin S., der im westlichen Enzkreis lebt und einer von einem Dutzend Gerichtsvollziehern am Amtsgericht war, soll 31 Schecks von Schuldnern auf sein Privatkonto eingezahlt haben statt auf das der Gläubiger – macht rund 27 000 Euro. Um 92 000 Euro Überweisungen auf sein eigenes Konto geht es bei 99 Fällen der Manipulation von Sammelüberweisungen.

„Es war ein kompliziertes System“, sagt Reichert zur PZ. Er vermutet eine „Riesenmenge“ weiterer Fälle. Doch aus prozessökonomischer Sicht habe sich die Staatsanwaltschaft auf eine Auswahl beschränkt. Und schon die, so Reichert, offenbare „ein hohes Maß an krimineller Energie“. Die Akten füllen 30 Ordner, die Anklageschrift umfasst 136 Seiten. 21 Zeugen sollen gehört werden. Wegen des großen Ausmaßes des Schadens, der Gewerbsmäßigkeit, mit der das eigene Einkommen illegalerweise aufgestockt wurde und seiner besonderen Rolle als Beamter gelten die Taten als besonders schwere Fälle – theoretisch bedeutet das bis zu fünf Jahre Haft pro Fall. Brennend interessiert sich auch seit Monaten das Oberlandesgericht Karlsruhe als Diziplinarbehörde für die Pforzheimer Sache. Denn seinen Job wäre Valentin S. bei einer Verurteilung endgültig los.