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Den Menschen den Rücken stärken – das wollen AOK-Geschäftsführer Hartmut Keller (Mitte) sowie Olaf Kaps und Sabine Liefke-Wilhelm nicht nur bei der PZ-Gesundheitsmesse „Vital 2018“.  Foto: Meyer
Den Menschen den Rücken stärken – das wollen AOK-Geschäftsführer Hartmut Keller (Mitte) sowie Olaf Kaps und Sabine Liefke-Wilhelm nicht nur bei der PZ-Gesundheitsmesse „Vital 2018“. Foto: Meyer
11.10.2018

Gesundheitsmesse Vital 2018: „Etwas tun, bevor der Rücken schmerzt“

Pforzheim. Er hat viel Last zu tragen, und doch kümmert man sich erst um ihn, wenn er sich meldet: Nicht nur deswegen widmet sich die AOK Nordschwarzwald auf der Gesundheitsmesse „Vital 2018“ am 20. und 21. Oktober im CCP dem Thema Rückengesundheit. Geschäftsführer Hartmut Keller erläutert, warum es so wichtig ist, sich um ein gesundes Kreuz zu kümmern.

PZ: Herr Keller, erneut stellt die AOK Nordschwarzwald auf der „Vital“ die Rückengesundheit in den Mittelpunkt. Warum muss man immer wieder für dieses Thema sensibilisieren?

Hartmut Keller: Weil das Thema weder an Aktualität noch an Bedarf verloren hat. Rückenschmerzen sind weiterhin eine der häufigsten Ursachen für einen Arztbesuch oder eine Krankmeldung. Dabei fällt auch immer wieder zurecht der Begriff der Volkskrankheit. Rückengesundheit ist ein wichtiges Thema, das wir auf der „Vital 2018“ gerne erneut in den Mittelpunkt stellen.

PZ: Wollen sich die Menschen nicht mit dem Thema befassen? Oder anders: Gehört der Rücken einfach selbstverständlich als Lastenträger dazu und vernachlässigt man ihn deshalb?

Hartmut Keller: Die Menschen befassen sich schon mit dem Thema und wissen auch um die Bedeutung. Allerdings werden sie erst aktiv, wenn der Rücken tatsächlich schmerzt. Vorher verfällt man gerne in die Inaktivität.

PZ: Wie sieht es mit den Betroffenen aus? Hat sich die Zahl derer, die an Rückenbeschwerden leiden, erhöht?

Hartmut Keller: Die Zahl der Betroffenen ist weiterhin hoch. 70 bis 80 Prozent der Deutschen leiden unter Rückenschmerzen. Um die zehn Prozent davon sogar an schweren, in der Regel chronischen Rückenschmerzen.

PZ: Wie sehen die Zahlen für Pforzheim und die Region Nordschwarzwald aus?

Hartmut Keller: Im Enzkreis und der Stadt Pforzheim sind die Rückenerkrankungen im ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 leicht zurückgegangen. Sie begründen aber mit rund 21 Prozent den größten Anteil der krankheitsbedingten Fehltage.

PZ: Wo liegen die Ursachen für Rückenschmerzen?

Hartmut Keller: Die Ursachen für Rückenprobleme liegen meistens in zu schwachen Muskeln oder verkürzten, unelastischen Bändern. Gründe dafür können Bewegungsmangel, Übergewicht, Fehlhaltungen oder Fehlbelastungen der Wirbelsäule sein.

PZ: Man sagt ja nicht von ungefähr, das lastet schwer auf meinen Schultern oder man braucht ein breites Kreuz. Sind Rückenschmerzen auch psychisch bedingt?

Hartmut Keller: Die Ursache für Rückenschmerzen kann auch in der Psyche liegen. Dabei kommen psychische Belastungen wie Stress sowie Probleme im beruflichen oder privaten Umfeld zum Tragen. Muskelverspannungen sind die Folge, die wiederum Schmerzen verursachen.

PZ: Wie hoch muss der Leidensdruck sein, damit Betroffene tatsächlich handeln?

Hartmut Keller: Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Was für den einen noch im erträglichen Bereich liegt, kann für den anderen unerträglich sein und ihn zum Handeln veranlassen. Ich denke, es ist wichtig, sich den Sinn von präventiven Maßnahmen klar zu machen und etwas für seinen Rücken zu tun, solange noch keine Beschwerden vorliegen.

PZ: Wie kann man sich selber motivieren, etwas für den Rücken zu tun?

Hartmut Keller: Bewegungs- und Entspannungsübungen lassen sich leicht in den Alltag einbauen. Einfach mal die Treppe nehmen und nicht den Fahrstuhl oder die Schultern kreisen lassen, um Verspannungen im Nackenbereich zu lockern. Motivation bringt auch, wenn man sich ein Angebot sucht, das Spaß macht. Am besten mit Freunden oder Bekannten, dann fällt es leichter.

PZ: Was tut die AOK hinsichtlich der Prävention?

Hartmut Keller: Gesunden Menschen geht es einfach besser. Damit das so bleibt, stehen ihnen unsere Präventionsfachkräfte mit individuellen Beratungen und Kursen zur Seite. In unserem Gesundheitsprogramm bieten wir 380 Kurse in den Bereichen Bewegung, Ernährung und Entspannung an. Fünf Rückenstudios ergänzen in Pforzheim und im ganzen Nordschwarzwald das Angebot. Wir gehen gezielt auf Betriebe, Schulen und Kindergärten zu und bieten Gesundheitsprogramme in den Lebenswelten an.

PZ: Gibt es messbare Erfolge von Prävention – auch bei der AOK?

Hartmut Keller: Ja, es gibt eine Studie zum AOK-Rückenkonzept. Diese zeigt, dass die Menschen, die daran teilgenommen haben, eine geringere Anzahl an Tagen arbeitsunfähig waren als die Vergleichsgruppe. Die Studie zeigt auch, dass sich durch das Training die Situation der Teilnehmer deutlich verbessert hat.

PZ: Mit welchen Angeboten ist die AOK Nordschwarzwald auf der Vital-Messe vertreten?

Hartmut Keller: Bei uns dreht sich alles um einen gesunden Rücken. Am AOK-Stand können Muskeln und Körperspannung mit einem Virtual-Reality-Fitness-Gerät spielerisch trainiert werden, während eine VR-Brille den Eindruck vermittelt, durch eine Computerspielwelt zu fliegen. Wer seine Reaktion testen möchte, für den steht eine Touch Wall zur Verfügung. Bei zwei Expertenvor-trägen zum Thema „Das Kreuz mit dem Kreuz“ gibt es nicht nur Informationen, sondern es werden auch hilfreiche Übungen gezeigt.