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04.10.2010

Geteiltes Echo auf Festrede zur Deutschen Einheit

PFORZHEIM. Die Festrede am Tag der Deutschen Einheit ist nicht auf ungeteilte Zustimmung gestoßen. Besonders scharf geht Linken-Stadtrat Claus Spohn mit Festredner Dieter Dombrowski ins Gericht, fordert gar ein „Nachspiel im Gemeinderat“. Doch Dombrowski erfährt auch Unterstützung, was in erster Linie mit seiner Biografie als ehemaliger DDR-Bürger und politischer Häftling zusammenhänge.

Bildergalerie: Pforzheimer Festakt am Tag der Einheit

Beispielsweise bei SPD-Stadträtin Jacqueline Roos, selbst in der ehemaligen DDR aufgewachsen und mit ihren Eltern 1974 gezwungenermaßen in den Westen gekommen. In der DDR galten sie als unliebsame, weil renitente Bürger.

Politischen Gegner zitiert

Dombrowski, CDU-Generalsekretär und Landtagsabgeordneter in Brandenburg, hatte Anstoß genommen an der Ablehnung der Wiedervereinigung durch Teile des linken Flügels der SPD in der Zeit der Wende und den Jahren danach. Namentlich zitierte er den damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Walter Momper (SPD), mit den Worten: „Ich kann das Einheitsgequatsche nicht mehr hören“ und den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und späteren Kanzler Gerhard Schröder, der über die Ostdeutschen zur „Leipziger Volkszeitung“ sagte: „Wir können die ja schließlich nicht an Polen abtreten.“ Spohn missfällt vor allem die Dombrowski-Formulierung von der SED als „ehemaliger Unrechtspartei, die heute Linke heißt“ und die Gleichsetzung des DDR-Sozialismus mit dem Faschismus.

Martin Kunzmann, Chef der hiesigen IG Metall und Landtagskandidat der SPD, sieht die Rede „zu 20, 25 Prozent als parteipolitisch gefärbten Wahlkampf“. Das habe nicht zum „Tag der Freude“ gepasst. Dass Dombrowski einen Schlenker nach Frankreich gemacht habe, wo massiv gegen eine Erhöhung des Rentenalters auf 62 demonstriert wird, hingegen „unsere fleißigen Menschen die Rente mit 67 akzeptiert haben“ (Dombrowski) – dafür hat der Gewerkschafter kein Verständnis. Das sieht Kunzmann ganz anders – wie im Übrigen auch seine Genossin Jacqueline Roos. Die jedoch mag in der Rede „keine verkappte Wahlkampfveranstaltung erkennen“. OB Gert Hager sagte zur PZ, Dombrowski sei „an Grenzen gegangen, ohne sie überschritten zu haben“. Wenn es Gesprächsbedarf gebe, werde das Thema im Ältestenrat besprochen.

Volker Römer, Vorsitzender des Vereins „Gegen das Vergessen“ bekennt sich zur Einladung Dombrowskis. Dies sei auf Empfehlung des Vorstandskollegen Siegmar Faust geschehen, den ehemaligen Landesbeauftragten der Stasi-Unterlagen in Sachsen. Römer bleibt gelassen: „Kritik muss man aushalten können.“

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