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WSP-Direktor Oliver Reitz erläutert den Teilnehmern gemeinsam mit Stadtplaner Joachim Müller (vordere Reihe, links) und Oberbürgermeister Gert Hager (vordere Reihe, Mitte) die Lage beim Thema Neuerschließung von Gewerbegebieten.  Foto: Seibel
WSP-Direktor Oliver Reitz erläutert den Teilnehmern gemeinsam mit Stadtplaner Joachim Müller (vordere Reihe, links) und Oberbürgermeister Gert Hager (vordere Reihe, Mitte) die Lage beim Thema Neuerschließung von Gewerbegebieten. Foto: Seibel
16.07.2015

Gewerbeflächen in Pforzheim: Was geht wann und wo?

Das Ausrufezeichen war nicht zufällig gewählt. „Gewerbeflächen für Pforzheim!“, lautete die Einladung zum Unternehmerfrühstück von Wirtschaft und Stadtmarketing (WSP) im VolksbankHaus. Oberbürgermeister Gert Hager, WSP-Direktor Oliver Reitz und Joachim Müller, stellvertretender Leiter des Amts für Stadtplanung, Liegenschaften und Vermessung (PLV) betonten, wie ernst es der Stadt mit der Ausweisung neuer Gewerbegebiete ist – und sprachen im gut gefüllten Konferenzentrum über die aktuelle Lage.

Wie ist der Stand der Dinge?

Stadtplaner Müller gab einen Einblick in die schwierige Suche nach neuen Flächen für Gewerbe und Industrie, deren Ergebnis in den vergangenen Monaten auch den Gemeinderat beschäftigte: Da geht es etwa um Bodenqualität, regionalplanerische Fragen und Ausgleich für abgeholzten Wald. Wie berichtet, dürfte das Gebiet Ochsenwäldle mit seinen 61 Hektar in der Nähe der Autobahnanschlussstelle Süd als erstes entwickelt werden. Die Bereiche Unterm Hohberg/Viertes Kleeblatt (39 Hektar) bei Pforzheim-Nord sowie Steinig an der Wilferdinger Höhe bleiben in Reserve, Hinter der Warte östlich des Gewerbegebiets Hohenäcker fällt unter anderem wegen seiner Bedeutung für das Stadtklima weg. Hintergrund der Bemühungen ist eine Studie des WSP, nach der bis 2034 etwa 109 Hektar benötigt werden. Derzeit stehen im Stadtgebiet noch rund 21 Hektar zur Verfügung – verteilt auf die verschiedenen Gewerbegebiete.

Wie sehen Regierungspräsidium und Co. die Flächenfrage?

Die Stadt steht im Gespräch mit Regierungspräsidium, Forstdirektion und Regionalverband. Alle Institutionen würden die Notwendigkeit neuer Gewerbeflächen anerkennen, so Stadtplaner Joachim Müller. In diesem Zusammenhang steht ein in Aussicht gestellter Verzicht der Forstdirektion auf vollen Waldausgleich im Gegenzug gegen eine qualitative Aufwertung von Waldgebieten.

Wann können die Baggerarbeiten beginnen?

Vorplanungen und Genehmigungsverfahren bis zum Erschließungsbeginn dauern mindestens zwei bis drei Jahre, so Müller, bis das erste Gebäude errichtet werden kann, vergehen laut Oberbürgermeister Hager fünf bis acht Jahre. Parallel zum Ochsenwäldle laufen die Planungen zu Unterm Hohberg, wo allerdings noch keine Lösung mit Eigentümern gefunden ist (die PZ berichtete). „Wir wollen aber bereit sein, damit wir starten können, wenn dies geklärt ist“, sagt Müller.

Wer kommt für die neuenFlächen infrage?

Im Ochsenwäldle wird es sowohl Industrie als auch Gewerbe geben, Unterm Hohberg wahrscheinlich ausschließlich Gewerbe, so Müller. Was die Unternehmen angeht, will die Stadt die passenden finden. „Solche, die wir in Pforzheim brauchen“, sagt WSP-Chef Reitz und verweist auf die Chance, Lücken in der Wertschöpfungskette zu schließen und so die wirtschaftlichen Kreisläufe in der Region zu verbessern. Neue Konkurrenzsituationen sollen nicht entstehen.

Wie geht es nach Ochsenwäldleund Hohberg weiter?

Sobald beide Gewerbegebiete entwickelt sind, ist das Potenzial neuer Flächen nach derzeitigem Stand erschöpft – und selbst dann werden die bis 2034 veranschlagten 109 Hektar nicht erreicht. Das gescheiterte und topografisch schwierige interkommunale Gewerbegebiet Steinig werde derzeit nicht mehr verfolgt, so Hager. Wirtschaftsförderer Reitz betont angesichts der begrenzten räumlichen Möglichkeiten die Bedeutung von effizienter Nutzung, nennt Beispiele wie Parkhäuser statt Parkflächen. Solche Maßnahmen wolle man durch Vorgaben und Anreize fördern. Dazu gehören auch Kooperationen wie gemeinsame Lösungen bei Verpflegung oder Kinderbetreuung.

Wie kann Flächenwachstumin Zukunft aussehen?

Was innerhalb eines Gewerbegebiets gilt, ist auch interkommunal von Bedeutung. „Wir müssen verstärkt darauf setzen, dass wir in der Region zu Konsens kommen“, sagt Reitz. Beim Ochsenwäldle steht die Stadt in Gesprächen mit Wurmberg und Niefern-Öschelbronn. Das Thema Fläche wirft grundsätzliche Fragen zur Wirtschaftsentwicklung auf, wie Hagers Verweis auf die Unterschiede in Umland und Oberzentrum verdeutlicht. „In den Gemeinden des Nordschwarzwalds sind weit mehr als 100 Hektar verfügbar.“ Während hier die Flächen fehlen, mangelt es dort an Infrastruktur und damit Interessenten. „Es funktioniert nicht abseits der großen Verkehrsrouten.“