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Der Verwaltungsdirektor des Stadttheaters Uwe Dürigen (rechts) lässt die PZ-Hitparaden Gewinnerin Annett Brandt mit ihrem Mann Matthias hinter die Kulissen blicken. Foto: Meyer
Der Verwaltungsdirektor des Stadttheaters Uwe Dürigen (rechts) lässt die PZ-Hitparaden Gewinnerin Annett Brandt mit ihrem Mann Matthias hinter die Kulissen blicken. Foto: Meyer
07.04.2019

Gewinnerin der PZ-Hitparade ist bei „Everyman“ mittendrin statt nur dabei

Pforzheim. Eine fulminante Premiere hat am Samstagabend in Pforzheims Theater die Rockoper „Everyman“ gefeiert. Zwei Zuschauer im ausverkauften Haus dürften diese Aufführung besonders gebannt, aber auch mit Kennerblick verfolgt haben – schließlich waren sie kurz zuvor selbst auf Strümpfen durch das Bühnenbild mit dem gigantischen Regenbogen gehuscht.

Die Kulissen eines Theaters sind für Außenstehende üblicherweise tabu – vor allem so kurz vor einer Erstaufführung. Für die Pforzheimerin Annett Brandt, die an der PZ-Hitparade teilgenommen hatte und als Hauptgewinnerin ausgelost worden war, sowie ihren Mann Matthias macht Uwe Dürigen eine Ausnahme. Der Verwaltungsdirektor des Theaters geht voran und öffnet fast jede Tür.

Plötzlich stehen die Brandts in der Maske und können hautnah mitverfolgen, wie Maskenbildnerin Ulrike Lehmann-Ort die Verwandlung von Andy Kuntz vollzieht. Er ist Frontmann der Metal-Band „Vanden Plas“, die diese Rockoper komponierte und ihr live den Drive gibt: Kuntz – übrigens der Cousin des früheren Fußball-Nationalspielers Stefan Kuntz – spielt und singt den „Tod“.

Sein Ringen mit „Gott“ und „Teufel“ um den „Jedermann“ spielt in einem fantastischen Garten, über dessen Kunstrasen die Brandts wenig später wandeln – ohne Schuhe, weil jedes Staubkorn später die Balletttänzer aus der Balance bringen könnte. Hier erfahren die Besucher etwa, dass rund 500 Lampen den Regenbogen zum Leuchten bringen werden. Und sie verfolgen mit, wie Regisseur Philipp Moschitz dem Kinderchor Instruktionen gibt. Weiter geht es in die Montagehalle, durch Schlosserei und Schreinerei, vorbei an akkurat parat stehenden Requisiten. Alles wird hier selbst gefertigt, und auch das Theater bekommt – etwa bei Maske, Beleuchtung oder Veranstaltungstechnik – laut Dürigen den Fachkräftemangel zu spüren, dem man mit intensiver interner Ausbildungstätigkeit begegnet.

Der Lastenaufzug befördert die Ehrengäste ins Obergeschoss, wo sie Proberäume erkunden, Tänzern beim Warmmachen zusehen und in der Schneiderei erste Blicke von künftig eingesetzten Kostümen erhaschen. „Alle hier brennen für ihren Beruf und für das Haus“, erklärt Dürigen den Umstand, dass eines der personell kleinsten Drei-Sparten-Häuser „künstlerisch auf sehr hohem Niveau“ arbeite und auch solche Produktionen wie den „Everyman“ stemmen könne.

„Das war sehr spannend“, urteilt am Ende Annett Brandt, und ihr Mann bekräftigt: „richtig interessant“. Für beide, obwohl regelmäßige Theaterbesucher, war es die erste Führung dieser Art. Beeindruckt hat sie insbesondere, „wieviel da hinter der eigentlichen Bühne passiert“, sagt Matthias Brandt, um sich dann mit seiner Frau schnell davor zu platzieren – wie 509 weitere Zuschauer, die den „Everyman“ gebannt mitverfolgen, mit viel Zwischenapplaus versehen und am Ende frenetisch feiern.