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203 Kinder wurden an der Arlingerschule vorsorglich nach allergischen Reaktionen untersucht. 20 Kinder mussten in die Kinderklinik gebracht werden, zwei davon zeigten schwere allergische Reaktionen. Die Ursache dafür ist noch unbekannt. © Ketterl
Oberbürgermeister Gert Hager hat die am Dienstag plötzlich von allergischen Reaktionen betroffenen Schüler der Arlingerschule im Krankenhaus besucht. © Ketterl
Die Feuerwehr untersuchte diverse Materialien im Pausenhof der Arlingerschule auf Schadstoffe, die Allergiene auslösen können. Noch aber ist unklar, was bei 20 Schülern zu allergischen Reaktionen geführt hat. © Ketterl
17.03.2015

Gift in der Luft? 20 Kinder aus Arlingerschule müssen in Klinik

Pforzheim. Was liegt da in der Luft? Woher kommt es? Wie gefährlich ist es? Diese Fragen beschäftigen gerade jede Menge Rettungskräfte und Spezialisten an der Arlingerschule in Pforzheim. Nach der großen Pause am Dienstag meldeten sich gegen 9.45 Uhr vier Kinder und zwei Erwachsene mit plötzlichen gesundheitlichen Problemen und plötzlichen Hautreaktionen. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Zwei Kinder kamen mit schweren allergischen Reaktionen unverzüglich mit dem Rettungswagen in die Kinderklinik. 18 weitere Kinder folgten mit leichteren Problemen im Feuerwehrbus.

Bildergalerie: Großeinsatz an der Arlinger Schule: Kinder im Krankenhaus

203 Kinder hat der Rettungsdienst untersucht und erstversorgt. Den Eltern der Kinder an der Arlingerschule wird empfohlen, die Kinder zu beobachten, um frühzeitig Atembeschwerden zu erkennen. Allerdings halten die Ärzte eine späte Reaktion eher für unwahrscheinlich. „Alle Eltern können sicher sein, dass wir uns ihre Kinder genau angesehen haben“, so Einsatzleiter und Feuerwehrchef Sebastian Fischer. Sollten Symptomverschlechterungen wie Juckreiz, Ausschlag oder Schwellung sich abzeichnen, empfehlen die Rettungskräfte, den Hausarzt aufzusuchen.

Die 18 Kinder mit den leichteren allergischen Reaktionen dürften wahrscheinlich schon am Dienstagabend die Kinderklinik verlassen. Dann wird sich auch entscheiden, ob die zwei Kinder mit den schweren gesundheitlichen Problemen länger stationär aufgenommen werden müssen.

Tränenreich waren die Begegnungen der Schüler mit den zur Arlingerschule geeilten Eltern, die um die Gesundheit ihrer Kinder fürchteten. Und warum der Großeinsatz von Einsatzkräften von Feuerwehr, DRK und Polizei? Das ist noch unbekannt. Etwas Gesundheitsschädliches könnte durch die Luft in Richtung Schulhof geflogen sein. Was genau das gewesen ist, wird noch untersucht. Vor Ort standen Ausdünstüngen von frischem Rindenmulch oder kleine Kügelchen von Spielzeug in Verdacht, doch das hat sich alles zerschlagen. Auch die giftigen Härchen des Seidenprozessionsspinners werden es wohl nicht gewesen sein, wie erste Untersuchungen ergaben haben. Spezialisten haben sich auf einer nahe Baustelle umgesehen, doch konkrete Ergebnisse scheinen nicht vorzuliegen.

„Dieser Dienstagmorgen wird allen Beteiligten wohl lange im Gedächtnis bleiben“, sagte Rektor Klaus de Jong gegenüber PZ-news. In den 27 Jahren seiner Amtszeit habe er noch nie einen Krisenplan in Kraft setzen müssen. Klasse um Klasse wurden die Schüler durch einen Wagen geschleust, in dem sie untersucht werden. Laut Kommandant Sebastian Fischer handelte es sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Im Einsatz war die Berufsfeuerwehr mit 24 Leuten, sowie der Kreisverband und mehrere Ortsverbände des DRK sowie auch der ASB. Das Regierungspräsidium wurde benachrichtigt, ebenfalls das Umwelt- und Gesundheitsamt.

Aktuell sind das Chemische Institut Pforzheim in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt und dem Gesundheitsamt mit der Ursachenforschung beschäftigt. Nachdem im Moment Lebensmittel, Reinigungsmittel und der Eichenprozessionsspinner ausgeschlossen werden können, besteht die Vermutung, dass luftgetragene Stäube einer nahen Baustelle die Ursache sein könnten. Der Schulhof wurde auf Wunsch des Gesundheitsamtes von der Feuerwehr nass gereinigt, nachdem zuvor Proben genommen worden sind. „Im Moment kennen wir den Auslöser für die allergische Reaktion noch nicht, wir müssen die Ergebnisse unserer Proben abwarten“, so Sebastian Fischer. Oberbürgermeister Gert Hager, der sich zu jedem Zeitpunkt von den Ereignissen informieren ließ,  besuchte am frühen Nachmittag die Schüler in der Kinderklinik und brachte den Kindern als Trostpflaster ein kleines Präsent vorbei.

Die Schulkindbetreuung an der Arlingerschule beginnt am Mittwochmorgen um 6.45 Uhr. Auch der Schulbetrieb soll regulär stattfinden.