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Gemeinsames Essen nach dem Gottesdienst: Eberhard Rechkemmer und Thomas Hemminger bekommen von Christa Heidenreich, Adeline Bauer-Abstein und Irene Kohl von der Altstadtkirchengemeinde Schweinebraten mit Spätzle und Soße (von links) im Gemeindehaus.   Foto: Ketterl
Gemeinsames Essen nach dem Gottesdienst: Eberhard Rechkemmer und Thomas Hemminger bekommen von Christa Heidenreich, Adeline Bauer-Abstein und Irene Kohl von der Altstadtkirchengemeinde Schweinebraten mit Spätzle und Soße (von links) im Gemeindehaus. Foto: Ketterl
27.12.2015

Gläubige setzen sich gern zu Tisch in der Altstadtgemeinde

Ein letztes Lied erklingt im Innenraum der Altstadtkirche – Pfarrerin Marina Walter hat vor der Kirche für jeden einzelnen Gottesdienstteilnehmer zum Abschied ein gutes Wort. Und während sich ein Teil der Gäste zum Gemeindehaus wendet, um dort zusammen zu essen, fragt Christel Rieke vom Ältestenkreis, wer denn am Sonntag, 3. Januar, beim Essen dabei sein wird. Für Schwerhörige wird Anja Bergmann dabei dolmetschen, und anschließend wird zum Brunch gebeten. Damit endet das Projekt „Zu Tisch“ – erst einmal. Und soll an einem Sonntag im Monat künftig fortleben. Genaueres will die Gemeinde erst noch besprechen.

An sieben Sonn- und Feiertagen hat die Altstadtkirche in der Adventszeit ein besonders Angebot offeriert: Einen späteren Gottesdienst zu einem speziellen Thema um 11.30 Uhr und das anschließende gemeinsame Mahl, Pfarrerin Martina Walter ist von der Resonanz überwältigt. Zum Familiengottesdienst am dritten Advent kamen 150 Menschen ins Gemeindehaus. „Da wurden die Stühle und das Geschirr knapp.“ Andere Gläubige mischen sich neuerdings unter die Gottesdienstbesucher, beobachtet sie. Die Kirche ist voller als früher.

Menschen wie Inge und Eberhard Rechkemmer, die eigentlich zur Stadtkirchengemeinde gehören, freuen sich an diesem Sonntag über die gelebte Gemeinschaft. Der Regionalgottesdienst hat sie angesprochen, bei dem sich Ehrenamtliche aller Innenstadtgemeinden engagieren. Und so will sich die Altstadtkirche auch künftig aufstellen: als Diakoniekirche über die eigenen Gemeindegrenzen hinaus. Während sich ihr Ehemann in die Schlange im Gemeindehaus für Schweinebraten, Spätzle und Soße stellt, sitzt Inge Rechkemmer am weihnachtlich geschmückten Tisch mit rund 50 anderen Gläubigen und genießt das Gespräch. Am Sonntag nach Weihnachten nicht selbst kochen zu müssen, sei darüber hinaus eine gute Sache.

Für Alleinstehende ein Signal

Ohne Ehrenamtliche wie Irene Kohl und ihre zwei Mitstreiter wäre dieses Essen nicht möglich gewesen. 15 Kilo Fleisch, Zehn Kilo Spätzle und einige Liter Soße haben sie seit morgens um 9 Uhr verarbeitet. „Mir bereitet das Freude“, sagt die 70-Jährige. Sie kennt es nicht anders. Seit Jahren ist sie in der Vesperkirche und in der Suppenküche für das Wohl von Bedürftigen im Einsatz. Aber auch Pfarrerin Walter selbst und ihr Mann haben 20 Gäste am 25. Dezember mit Sauerkrautgulasch verwöhnt. Über die Feiertage sei dies für Alleinstehende ein wichtiges Angebot gewesen, sagt Walter. In der Adventszeit seien durch das neue Konzept doppelt so viele Menschen in ihrer Kirche gewesen als das Jahr zuvor. Mit Freude nimmt sie diese positive Veränderung zur Kenntnis. Sie ist Resultat einer behutsamen Umstrukturierung. Dazu gehört auch das „Café Himmelreich“, das ab Himmelfahrt wieder im Kirchgarten stattfinden wird. Kostendeckend ist das Angebot bislang aber nicht. „Wir nehmen bestenfalls die Hälfte an Kosten über Spenden ein“, sagt Walter. Da bräuchte es eine bessere Finanzbasis.