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Anna S. (Name geändert) freut sich über die klare Gliederung der Küche mit großer Arbeitsfläche und viel Stauraum.  Foto: Meyer 

Glück im Spiel freut Familie: PZ-Tippspiel-Siegerin spendet ihren Gewinn an Bedürftige

Pforzheim. Es ist ein Anruf, der für schöne Veränderungen sorgt: die Pforzheimerin Elfriede Schneider, Siegerin des Bundesliga-Tippspiels der PZ im vergangenen Jahr, sagt, sie spendet ihren Gewinn: „Ich brauche keine neue Küche und auch in der Familie ist kein Bedarf vorhanden“, sagt die 71-Jährige. Die Küche von „Küche&Co“ im Wert von 5000 Euro möchte sie spenden. „Sie soll jemand bekommen, der eine neue Küche brauchen kann.“ Und so gehen die Mitglieder des Projektbeirats der PZ-Hilfsaktion „Menschen in Not“ auf die Suche. Gleich vorweg, es kamen viele Vorschläge. Das Gremium hat sich schließlich für Familie S. (alle Namen geändert) aus Pforzheim entschieden. „Menschen in Not“ steuerte schließlich die Einbaukosten bei und ein Leser und treuer Spender stiftete großteils eine Kühl- Gefrierkombination.

Wohnzimmer ist Schlafbereich

Das Ehepaar lebt seit neun Jahren mit fünf Kindern in einer Drei-Zimmer-Erdgeschoss-Wohnung. Anna (44) und Bert (32) teilen sich mit Max (ein Jahr alt) und Mara (sechs Monate alt) das Wohnzimmer zum Schlafen. Die Couch ist auch das Ehebett. Für die beiden Jüngsten stehen zwei Kinderbetten im Raum zur Verfügung. Die 19-Jährige Lara und ihre sieben Jahre alte Schwester Cora teilen sich ein weiteres Zimmer. Der 13-Jährige Nico freut sich über ein Zimmer ganz für sich alleine.

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Die Sitzbank mit Tisch ist das einzige Überbleibsel der alten Küche – hier können nicht alle sieben Familienmitglieder gleichzeitig Platz finden. Foto: Meyer

Bert hat bis vor einem Jahr in einer Stanzerei gearbeitet. Doch die Pandemie sorgte dafür, dass er den Job verloren hat. Seitdem lebt die Familie von Hartz IV. Bert mag so nicht weitermachen. Über die Familienhelferin des Kinderschutzbunds sucht er nach einer Arbeitsstelle. Denn Anna, die gelernte Schmuckwerkerin ist, macht derzeit lediglich ein Praktikum. „Ich möchte mit Demenzkranken arbeiten“, sagt sie. Bei einem Praktikum habe die 44-Jährige festgestellt, dass sie diese Menschen gerne betreuen möchte.

In der Wohnung ist es sauber. Aufräumen ist so eine Sache: wenn der Stauraum fehlt, kann nichts geordnet werden. Jedes Kind ist aber für sein Zimmer verantwortlich.

„Die Küche haben wir von einem früheren Klassenkameraden von mir übernommen“, berichtet Anna. „Die Geräte haben wir dann entsprechend gebraucht dazu gekauft.“ Alles ist mehr als in die Jahre gekommen. Und der Kühlschrank verbraucht so viel Energie, dass er wirklich nicht mehr zeitgemäß ist.

In der Ecke steht ein Tisch mit Sitzbank. Hier finden vier Personen Platz. Mehr geht nicht. Da die Familie einmal am Tag warm kocht, muss dann abwechselnd gegessen werden. Das ist das einzige, was von der alten Küche übrig geblieben ist. Zuerst hat Bert S. die alte Küche ausgebaut. „Die ganze Familie hat mitgeholfen.“ Nach Rücksprache mit dem Vermieter einen neuen Linoleumboden eingebracht und den Raum frisch gestrichen. Dann hat „Küche&Co“ die neuen Schränke und Geräte geliefert. „Es ist einfach nur grandios, dass wir diese Küche erhalten haben“, sagen Anna und Bert. Nachdem alle Schränke ordentlich durchgewischt und eingeräumt waren, war der große Moment gekommen: Als Erstes hat Anna einen Marmorkuchen für die Kinder gebacken. „Das war gar nicht so einfach“, berichtet die Mutter. Schließlich reagieren die neuen Geräte ganz anders. „Der Versuch, Brot zu backen, ging nämlich schlief“, berichtet sie ehrlich. Die beste Neuerung sei, dass es jetzt eine Spülmaschine gebe. „Das ist sagenhaft“, sagt Bert. Und nun hat sich die Familie vorgenommen, nach und nach alle Zimmer zu renovieren. „Da fühlt man sich viel wohler.“

Susanne Knöller

Susanne Knöller

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