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20.01.2010

Goldraub auf offener Straße

PFORZHEIM. Vor einer Pforzheimer Scheideanstalt ist am Mittwoch eine 61-jährige Frau überfallen worden. Ein Unbekannter entriss ihr einen Rollkoffer. Darin befanden sich mehrere Kilo Altgold. Der Täter und sein Kumpan entkamen.

Auf solche Schlagzeilen kann eine Scheideanstalt verzichten: Im Juni vergangenen Jahres kommen zwei Männer in das Gebäude von Schellhorn + Roth auf der Wilferdinger Höhe, unmaskiert, bewaffnet, bedrohen den Seniorchef und seinen Sohn, erpressen die Herausgabe von zehn Kilogramm Scheidegut, Goldbarren und Münzen im Gesamtwert von über 200 000 Euro. Vergangene Woche wurden die beiden Italiener, 42 und 43 Jahre alt, vom Landgericht Karlsruhe zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt (die PZ berichtete).

Gestern fuhr die Polizei erneut an der Freiburger Straße vor – diesmal hatten es Räuber nicht auf die Firma abgesehen, sondern auf eine Kundin. Tamara S. (Name geändert), 61. Sie war kurz nach 6 Uhr aus einem Auto gestiegen und mit einem schwarzen Rollkoffer schnurstracks auf dem Weg zur Scheideanstalt, als ein Mann sich ihr näherte. Zwischen 25 und 30 Jahre alt sei er wohl gewesen, erinnerte sich die Frau gegenüber der Polizei, etwa 1,70 Meter groß, von kräftiger Statur. Dunkle Jeans habe er getragen und ein dunkles Kapuzenshirt. Er habe sie niedergeschlagen. Ihre Brille ging zu Bruch – doch sie hielt den Griffs ihres Trolleys eisern umklammert. Kein Wunder – im Koffer, so die Polizei, befanden sich nach ihren Angaben mehrere Kilo Altgold. Das Kilo, legt man 18 Karat zu Grunde, dürfte nach gestrigen Tagespreis bei etwas über 13 000 Euro liegen.
Flucht mit Auto
Der Täter ließ nicht locker – Tamara S. auch nicht. Der Unbekannte schlug ihr mehrfach ins Gesicht; dann hatte er, was er wollte: Der Griff brach ab, und der Trolley fiel in die Hände des Räubers. Der hatte es nicht weit zu seinem Fluchtfahrzeug. In einiger Entfernung stand ein Auto, dessen Beschreibung die Polizei an die Kollegen in den umliegenden Landkreisen Karlsruhe und Ludwigsburg als „Golf-ähnlich“ durchgaben. Kaum hatte er die Beifahrertür geschlossen, brauste sein Partner los – stadteinwärts. Eine sofort eingeleitete Fahndung verlief erfolglos. Bei der Polizeidirektion Ludwigsburg wurde man natürlich hellhörig, als man die Wörter „Überfall“, „Gold“, „Pforzheim“ und „Scheideanstalt“ hörte. Schließlich knabbert die dortige Kripo bislang erfolglos an einem Fall, der Mitte Dezember Schlagzeilen machte: Die zweiköpfige Besatzung eines Transporters einer Nürnberger Schmuckfirma hatte sich von Franken aus in Richtung Pforzheim zu einer Scheideanstalt aufgemacht. Bei Ludwigsburg stoppten Unbekannte auf der A 81 den Kleinbus voller Schmuck und Zahngold, gaben sich als Steuerfahnder aus, fesselten die Kuriere und entkamen mit der Beute. Sie hatte einen Wert von rund 1,5 Millionen Euro. Hinweise gibt es bisher keine. Die Polizei ermittelt unter anderem im Umfeld der Scheideanstalt nach möglichen Tippgebern.